Developer Stories: Eve-CEO Konstantinos Karatsevidis im Interview

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Eve Pyramid Flipper

Eve hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Tablet vollständig von der Community entwickeln zu lassen und ist mit dem Projekt äußerst erfolgreich. Im November kommt das Gerät auf den Markt, von Intel und Microsoft wurde man bereits bemerkt und als Partner willkommen geheißen. Wir haben mit dem Chef von Eve gesprochen über Ideenfindung, Konkurrenz und das perfekte Tablet.

WindowsArea.de: Erzähle uns doch zu Beginn etwas von dir.

Konstantinos Karatsevidis: Mein Mitbegründer Mike und ich sind echte Tech-Geeks und jedes Mal, wenn es ein neues Gerät gibt, sind wir die ersten, die es bekommen. In diesem Sinne atmen und leben wir Tech. Aktuell gibt es 24 Leute, alle Experten ihres Fachs, bei Eve mit Erfahrungen bei Samsung, Lenovo, Xiaomi, OnePlus, etc. Und jetzt ist unser Team zuversichtlicher als je zuvor, dass wir ändern können, wie die Industrie funktioniert und wie Geräte entwickelt werden.

Ich kam in der Ukraine zur Welt und ging nach Finnland, um Business & IT zu studieren. Das Studium verlief aber nicht so wie erwartet und Eve war geboren. Übrigens bin ich der Jüngste im Team. Ich bin 22 und habe Eve ins Leben gerufen als ich noch an der Uni war. Die anderen Teammitglieder haben einen längeren Hintergrund in der Branche, wie Michael, ehemaliger Art Director bei OnePlus und unser Mentor von Intel und anderen Branchengrößen. Ich hatte schon einige Erfahrungen mit der Herstellung und Beschaffung von Hardware bevor ich Eve und mein Studium begann. Ich arbeitete als Dolmetscher auf internationalen Ausstellungen, wie der Hong Kong Elektronikmesse als ich 13 war. Später wurde ich Sourcing Director und Supply Chain Manager einer großen ukrainischen Firma. In dieser Zeit habe ich die meisten Kontakte geknüpft und Erfahrungen gesammelt, die mir halfen, Eve zu gründen.

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WindowsArea.de: Wie kam es denn genau zur Gründung von Eve? Man entscheiden doch nicht plötzlich, Hardware-Hersteller zu werden…

Konstantinos Karatsevidis: Alles beginnt damit, wie sich die Gründer trafen. Mike und ich trafen sich nämlich am Pokertisch! Eines Winterabends spielte ich Poker und ein Typ wollte mitspielen. Wir ließen ihn und er räumte die ganze Nacht lang ab. Er war ein echter Tech-Geek und wirtschaftsinteressiert. Nach dem Spiel tauschten wir Geschäftsideen aus, welche wir über die Jahre gesammelt hatten, von Online-Diensten, Roboter-Pizzen bis hin zu „smarten“ Staubsaugern, wir steigerten uns ordentlich rein. Am Ende war für uns beide klar: Sollten wir ein Unternehmen gründen, dann würde in der Tech-Branche beheimatet sein. Technik ist unsere Leidenschaft und war der richtige Weg. So wurde Mike der Mitbegründer von Eve.

Am Ende des Tages hatten wir jedoch immer noch keine gute Geschäftsidee. Eines Tages überlegte ich, ein Tablet zu kaufen und nach einiger Recherche online, stellte ich fest, dass ich zwei Optionen habe: Entweder schrecklich gestaltet, nicht leistungsfähig, voller Bloatware und „leistbar“ oder das Apple iPad. Als Tech-Geek wusste ich, dass beide Optionen schrecklich waren. Apple-Produkte sind nett, aber viel zu teuer während andere voller Fehler, dafür aber „leistbar“ sind. Ich setze Anführungszeichen, weil sie in Wahrheit gar nicht so günstig waren. Als Endkunde hatte ich also keine Wahl, als zu viel für ein Apple iPad zu zahlen, das ein fragwürdiges Preis-/Leistungsverhältnis besitzt. Ich teilte meinen Frust mit Mike und da war dieser „Heureka“-Moment! Ich beschreibe es am besten so:

Konstantinos: Mike, ich kann kein Tablet finden, das ich wirklich kaufen will. Alles ist entweder schlecht gestaltet, bietet eine miserable Performance und kommt voller Bloatware, solange man nicht für Apple-Geräte zahlen will.

Mike: Ich wünschte, es gäbe ein Unternehmen, das nicht die Gewinne der Investoren maximieren will, sondern auf die Wünsche von begeisterten Nutzern, wie uns, eingeht. Ist es wirklich so schwer, Geräte zu bauen mit guter Performance, frei von Bloatware und einem inspirierendem Design?

Konstantinos: Ich weiß, es klingt verrückt, aber, was wenn wir es wären? Zusätzlich zu guter Performance und Design sowie Freiheit von Bloatware würden wir auch einen wirklich leistbaren Preis dranhängen.

So haben wir begonnen.

Manchmal fühlt es sich an, als lebten wir in „Samsung City.“

Aus bisherigen Erfahrungen wusste ich, dass es möglich war, einen wesentlich günstigeren Preis zu erreichen als die Konkurrenz, indem man Geräte nur online verkauft, weniger für Marketing ausgibt und längere Vetriebskanäle vermeidet. Beispielsweise kostet das Galaxy S7 edge etwa 260 US-Dollar in der Produktion, wird aber hier in Finnland für 900 Euro verkauft. Man könnte denken, Samsung macht riesigen Profit mit dem Gerät, aber so ist es nicht. Der Preis ergibt sich aus dem langen Vertriebskanal. Es gibt den Vertrieb, Verkäufer, Großhändler, usw. zwischen Samsung und dem Kunden. Jeder Mittelsmann will natürlich seinen Teil vom Kuchen abbekommen. Am Ende ist das Gerät überteuert. Zudem gibt Samsung 18 Milliarden US-Dollar für Marketing aus pro Jahr, was natürlich ebenfalls den Preis hebt. Samsung-Werbung ist praktisch überall in Helsinki, manchmal fühlt es sich an, als lebten wir in „Samsung City.“

Ein Tech-Unternehmen mit Multi-Milliarden-Dollar Konzernen als Konkurrenz war keine leichte Aufgabe. Es war ein außerordentlich ambitionierter Plan. Wir fühlten uns wie David, der Goliath herausfordert. Wir wussten aber, dass wir Samsung und Co. nicht in ihrer eigenen Disziplin schlagen konnten. Wir konnten nicht mehr für Marketing ausgeben als sie und im Fachhandel nicht mehr verkaufen als sie. Um konkurrieren zu können, mussten wir unsere Herangehensweise an das Geschäft deutlich verändern.

David Goliath Eve

Wir mussten aber irgendwo anfangen. Wir entschieden uns, das ultimative 8-Zoll Windows-Tablet zu bauen, welches das beste Preis-/Leistungsverhältnis bietet. So wurde das Eve T1 ins Leben gerufen. Wir mussten ein Team aufbauen, die Finanzierung sicherstellen und Partner finden, die das Gerät herstellen wollten.

Was wenn wir diesen ganzen Bullshit aus dem Prozess entfernen könnten?

WindowsArea.de: Wie kam es denn zur Idee, ein Community-basiertes Gerät zu bauen? 

Konstantinos Karatsevidis: Ich habe jetzt lange nichts über die Crowd-Entwicklung gesagt, weil diese Idee erst nach dem T1 aufkam. Über T1 wurde eine Menge berichtet. Später bemerkten wir, dass viele Nutzer sich dasselbe dachten, wie Mike und ich bevor es Eve gab:“Es ist ein gutes Gerät, aber ich wünsche da wäre noch…“ Dasselbe passiert bei Apple, Samsung, Lenovo. Jedes Mal, wenn ein neues Produkt auf den Markt kommt, gibt es Tech-Enthusiasten, die es auf die eine oder andere Art und Weise verbessern würden.

Da war er erneut, der „Heureka“-Moment! „Was, wenn wir den Entwicklungsprozess transparent machen könnten und den Endnutzer fragen, wie das Traumgerät aussehen sollte?“

Die meisten Unternehmen in dieser Branche wurden vor Jahrzehnten gegründet und verfolgen einen strikten Entwicklungsprozess, in dem Designer, Marketing, die Ingenieure und Management unterschiedliche Auffassungen haben. […]

Was wenn wir diesen ganzen Bullshit aus dem Prozess entfernen könnten?

WindowsArea.de: Wie funktioniert die Community-Entwicklung genau?

Konstantinos Karatsevidis: Also, der Prozess läuft folgendermaßen ab:

  1. Wir fragen all unsere Community-Mitglieder, wie ihr Traumprodukt aussieht. Arbeitsspeicher, Speicher, Lautsprecher, Display usw.
  2. All diese Anforderungen geben wir dann an unser technisches Team und die Hardware-Partner weiter. Sie sagen uns, was möglich ist und was nicht.
  3. Wir kommen mit den Antworten zur Community zurück und entscheiden gemeinsam, welche Spezifikationen bleiben und welche nicht.
  4. Wir beschaffen die Hardware und verfeinern das Design und zeigen es regelmäßig der Community, um es weiter zu verbessern.
  5. So bauen wir einen echten Flaggschiff-Killer

Wichtig ist: Jedes mal, wenn jemand aus der Technik einen Vorschlag macht, wird die Community gefragt. Wenn die Community ein Feature wirklich will, werden wir alles tun, um das zu ermöglichen.

WindowsArea.de: Inwiefern wäre dieses Gerät anders, wenn du allein über die Teile entscheiden würdest?

Konstantinos Karatsevidis: Ich kann es mir nicht wirklich vorstellen. Ich weiß nur, dass es anders und voller Kompromisse wäre. […]

Wenn in unserem Fall die Ingenieure etwas für unmöglich oder der CFO für zu teuer hält, dann fragen wir die Community und die fällt die Entscheidung. Dann müssen eben die Ingenieure härter arbeiten.

Bei uns war das beispielsweise so beim Active Stylus. Die Entwickler wollten keinen, da es einfacher war, ein Panel zu finden ohne Digitizer, auch die Designer hatten nichts dagegen, keines zu verbauen. Mike gefiel das Feature zwar, er wusste aber nicht, ob das anderen Nutzern auch so geht. Als wir die Community fragten, ob sie ein Convertible ohne Stifteingabe kaufen wollten, sagten 81 Prozent „nein“. Es gab nichts mehr, worüber wir diskutieren mussten. Die Würfen sind gefallen.

WindowsArea.de: War es schwer, konstruktives Feedback von der Community zu bekommen? Üblicherweise ist es keine gute Idee, eine Internetcommunity Entscheidungen fällen zu lassen. Wie verhindert ihr, dass das Gerät durchschnittlich wird?

Konstantinos Karatsevidis: Das sind nicht irgendwelche Leute aus dem Internet. Es fühlt sich wie eine große Familie an. Eve.Community ist voller Leute mit derselben Begeisterung wie wir, die etwas Bedeutsames bauen wollen.

Wenn du konkret gefragt wirst, wie viel Arbeitsspeicher du in diesem Gerät wünschen würdest, könntest du sicherlich eine Antwort liefern und deine Entscheidung ausreichend begründen. Wir haben in der Community keine Durchschnittspersonen, die nur ihre Zeit totschlagen wollen. Wir haben Menschen, die sich für Technik begeistern können und wissen, was sie wollen.

Dadurch wird das Gerät alles andere als durchschnittlich sein. Alles, was es dazu werden lässt, wird von der Community eliminiert.

WindowsArea.de: Wie habt ihr Hardware-Hersteller davon überzeugt, mit euch zusammenzuarbeiten?

Konstantinos Karatsevidis: Das war in Wahrheit wirklich schwierig. Wir haben am Ende mit dem größten ODM in China zusammengearbeitet. Wir hatten auch ein Angebot von Pegatron, das wir abgelehnt haben.

Wir haben es durch gutes Netzwerken geschafft, die Türen zu öffnen, denn wir haben einige ehemalige Intel-Mitarbeiter und Veteranen der Tech-Branche bei uns im Unternehmen. ODMs arbeiten in einem Geschäftsfeld mit sehr knappen Margen und mit uns hatten sie die Chance, etwas mehr Geld zu verdienen.

WindowsArea.de: Warum ist es schließlich ein 2-in-1 mit Windows geworden und kein Android-Tablet?

Konstantinos Karatsevidis: Wir haben Windows gewählt, weil wir schon Erfahrungen damit hatten. Außerdem glauben wir, 2-in-1 Geräten gehört die Zukunft. Kurz nach dem Launch des Eve T1 haben wir eine WhatsApp Gruppe aufgemacht mit loyalen Fans. Wir wollten wissen, welches Gerät wir als nächstes bauen sollten und die meisten schlugen uns einen Surface-Killer vor. Wir haben die Marktdaten geprüft und da gab es tatsächlich Potenzial für ein solches Gerät.

Vom Reddit AMA:

Frage: Das Eve V sieht aus wie wirklich gut konstruierte Hardware. Findet ihr die Möglichkeit, ein Windows 10 Mobile-Smartphone zu bauen, ähnlich interessant?

Eve: Ich würde sagen, Windows 10 Mobile könnte interessant sein für ein kleines Unternehmen wie uns, wenn eine Community sich bilden würde, um das beste Windows Phone zu bauen.

Ich würde aber mehr Möglichkeiten sehen, wenn ein x86-Phone Modus möglich wäre, sprich volles Windows mit einem Smartphone-Modus. Meiner Meinung nach würde das eine CPU erfordern, die möglich ist, aber noch nicht in Massenproduktion. Aber natürlich kann ich keine Details zu Gerüchten teilen.

 

Die bislang unbestätigten Spezifikationen des Eve V.

  • Display: 12-12.5″ LCD IPS 2160x1440p*
  • Prozessor: Intel Latest Core der 7. Generation (m3, i5, i7)
  • Grafik: Intel HD Graphics*
  • RAM: LPDDR3, 8/16GB
  • Digital Pen: Digitizer enabled Pen, 256 pressure levels or more*
  • Speicher: 128/256/512GB SSD
  • Akku: 10 Stunden oder besser*
  • Konnektivität: WiFi ac 2×2, WiD, Bluetooth 4.2
  • Kamera: Front: 720P HD auto-focus oder besser*
  • Audio: Stereo Lautsprecher*
  • Anschlüsse1 x USB 3.1 Typ C, 1 x USB 3.1 Typ A, 1 x USB C Thunderbolt 3, 1 x 3,5mm Audio, 1 x MicroSD-Slot
  • OS: Windows 10

Die dick geschriebenen Spezifikationen sind zur Zeit der Veröffentlichung bereits bekannt, die Übrigen mit Stern markierten nicht. Um für mehr Spannung zu sorgen und auch öfters in die Medien zu kommen, hat man sich dafür entschieden, die Spezifikationen nacheinander zu veröffentlichen, um bis zur Crowdfunding-Kampagne nicht wieder in Vergessenheit zu geraten.


Weitere Infos: Eve Homepage

Über den Autor

21 Jahre alt, Redakteur bei WindowsArea.de. You had me at „beta“.

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Jannek
Mitglied

Eve sollte das wieder machen, was die Fans schon damals wollten. Ein ordentliches 8″ Tablet. Diesmal mit W10, HDMI und Stylus.

Matcho782
Mitglied

Klingt interessant , mal sehen wo sich der preis orientiert , ein hauptkriterium , naja und was die bloatware angeht ,da dürfte windows ee erste wahl sein , denn selbst ein „nackter“ android iss immer noch open source und meines erachtens viel zu anfällig gegen attaken und viren

Comando LosTioz
Mitglied

Danke für das interessante Interview.

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