Microsoft: „Wir brauchen eine Digitale Genfer Konvention“

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In Zeiten von Krieg wird es zukünftig nicht nur um die Einhaltung gewisser Regeln im Kriegsgebiet gehen, die momentan durch die Genfer Konvention festgehalten werden, sondern moderne Kriegsführung wird sich zu einem sehr großen Teil darauf konzentrieren, die feindliche Kommunikation und Infrastruktur zu stören.

„Die digitale Infrastruktur ist im Besitz und wird verwaltet vom privaten Sektor.“, erzählte Microsofts Chefjustiziar Brad Smith während einer Präsentation. Das Cyber-Kriegsfeld sei ein anderer Raum, den es in der physischen Welt nicht gibt. Von Unterseekabeln, welche Daten transportieren, über Cloud-Dienste, welche Daten enthalten, die physikalische und virtuelle Infrastruktur wird nicht von Regierungen betrieben. „Das sind wir.“

„Wenn es um Cyberangriffe geht, ist die Tech-Branche nicht nur das Schlachtfeld, sondern wir sind die Ersthelfer. […] Was wohl am beunruhigendsten ist, dass wir in den letzten Jahren einen Anstieg an Angriffen durch Nationalstaaten erlebt haben. Die Sony-Attacke durch Nordkorea im Jahr 2014 war nicht der erste Angriff durch einen Staat, aber es war ein wichtiger Wendepunkt. Vorherige Attacken hatten sich auf die militärische und wirtschaftliche Spionage konzentriert, handelte es sich bei den Sony-Attacken um reine Vergeltung für freie Äußerung in Form eines (nicht wirklich beliebten) Films.“, schreibt Brad Smith im Blog.

Microsoft tue bereits eine Menge, um die Sicherheit seiner Kunden zu gewährleisten und die Daten auch vor Angriffen durch Nationalstaaten zu schützen. Man investiere jährlich eine Milliarde US-Dollar in die Sicherheit der eigenen Infrastruktur. Im Blogpost erklärt er weiter, welche Unsicherheiten von Angreifern gerne ausgenutzt werden, darunter die menschliche Schwäche bei Email, und was Microsoft auch mithilfe von maschinellem Lernen tut, um auch solche Angriffe abwehren zu können.

Regierungen müssen mehr tun

„Es ist an der Zeit für Regierungen eine Digitale Genfer Konvention zu verabschieden, welche Zivilpersonen im Internet schützt.“, ist sich der Jurist sicher. „Regierungen haben gezeigt, dass diese Themen durch offene und direkte bilaterale Diskussion gelöst werden können. Nach langen und herausfordernden Verhandlungen haben sich im September 2015 die USA und China darauf geeinigt, dass die Regierungen beider Länder künftig nicht mehr Cyber-Angriffe zum Zwecke der Wirtschaftsspionage unterstützen werden. […] Genauso […] könnten die USA und Russland einen Plan schmieden, in Zukunft die Angriffe durch Nationalstaaten auf zivile Aspekte unserer wirtschaftlichen und politischen Infrastruktur zu verbannen.“

Zudem beschreibt er, dass diese bilateralen Abkommen in Zukunft als Regeln für die Regierungen auf der ganzen Welt gelten müssten. Wie sich die Regierungen 1949 getroffen haben, um die Vierte Genfer Konvention zum Schutz der Zivilbevölkerung zu Kriegszeiten zu garantieren, brauche es laut Microsoft eine Digitale Genfer Konvention, die Staaten verpflichtet, sich an Normen zu halten, die zu Zeiten des Friedens Zivilpersonen im Internet schützt. Diese Konvention soll Regierungen in die Pflicht rufen, keine Cyber-Angriffe durchzuführen, die den privaten Sektor als Ziel haben.

Digitale Schweiz

Microsofts Brad Smith sieht allerdings nicht nur die Regierungen in der Verantwortung, sondern auch die Tech-Branche. „Wie auch die Vierte Genfer Konvention sich auf das Rote Kreuz verlässt beim Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten, braucht beim Schutz vor Angriffen durch Nationalstaaten eine aktive Mitwirkung des Tech-Sektors. […] Selbst in Zeiten des wachsenden Nationalismus, müssen globale Tech-Konzerne in Fragen der Cyber-Sicherheit als eine neutrale Digitale Schweiz agieren.“, fordert Smith. „Wir werden Kunden überall auf der Seite stehen und helfen. Wir werden nirgendwo helfen, Kunden zu attackieren. Wir müssen das Vertrauen der Welt bewahren.“


Quelle: Microsoft

Über den Autor

21 Jahre alt, Redakteur bei WindowsArea.de. You had me at „beta“.

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2 Kommentare auf "Microsoft: „Wir brauchen eine Digitale Genfer Konvention“"

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gast
Mitglied

Richtige Analyse und schöne, warme Worte…

Nur, wie glaubwürdig ist das Ganze, wenn im Land der Softtech- und Internetkonzerne die Administration faktisch uneingeschränkte Durchgriffsrechte auf den Privaten Sektor im Namen der nationalen Sicherheit hat? Diese Möchtgernschweiz der US-Konzerne ist leider mit Blockwarten und Gestapo durchsetzt. So kann das nichts werden… Leider…

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