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iOS7 vorgestellt – Was hat Apple von Windows Phone gelernt und was kann Windows Phone noch von iOS lernen?

Wie bereits erwartet, hat Apple im Zuge der diesjährigen World Wide Developer Conference (WWDC) die nächste Version des mobilen Betriebssystems iOS vorgestellt. Apples Design-Chef Jony Ive hat persönlich dafür gesorgt, dass iOS erstmals nach über fünf Jahren ein Redesign erhält, was es auch für uns als Windows Phone Magazin – das gerne einen Blick über den Tellerrand wirft – interessant macht. Zwar lässt sich keineswegs behaupten, Apple habe mit iOS 7 Microsofts mobiles Betriebssystem kopiert, doch allein der Ansatz, vom bisherigen skeuomorphistischen Design abzuweichen, um ein flaches Typographie-basiertes User Interface anzuwenden, ist eindeutig ein Schritt in gegensätzliche Richtung von Microsofts Design-Philosophie. Aus diesem Grund halten wir das Thema auch für uns als relevant, weswegen wir uns in diesem Artikel ein wenig mit Apples neuem mobilen Betriebssystem beschäftigen.

Apple ist nicht sonderlich bekannt für groß angelegte Redesigns, denn unter Steve Jobs gab es eine vorgegebene Richtung, an die man sich zu halten hatte. Nun da der Apple-Gründer nicht mehr war, hatte Scott Forstall das Human Interface Design übernommen. Seit dieser vor einem Jahr entlassen wurde, hat Jony Ive das Sagen und ist hauptverantwortlich für das neue Design von iOS. Dieses ist aufgrund der Vielseitigkeit schwer zu beschreiben. Einerseits bringt es ein neues Set an schlicht gestalteten Icons, andererseits setzt Apple nun nicht mehr auf die Imitation von echten Materialen, sondern auf Transparenz, die mich persönlich etwas an das Aero Glass-Design von Windows Vista/7 erinnert. Apple versucht mit iOS 7 ausgerechnet diese beiden Designelemente zu vereinen, was jedoch äußerst schwer umzusetzen ist. Beispielsweise sind die Tastatur und viele andere Menüs in ein milchig-transparentes Design gehüllt, was dem „Nutzer einen Sinn für den Kontext“ bieten soll. Andere Menüs hingegen sind nicht bzw. kaum transparent und statt auf ein einheitliches Design-Profil zu setzen, verwendet Apple in iOS7 so viele unterschiedliche Arten von Transparenz, Farben und Animationen, dass der Sinn vom angepriesenen Minimalismus darin verloren geht.

Homescreen

Der von iOS bekannte Homescreen bleibt von der Funktion her gleich, bis auf einige kleine zusätzliche Features. Im Dock befinden sich weiterhin vier Apps, die Übrigen kann der Nutzer frei über mehrere Seiten anordnen. Die meisten Icons von iOS7 sind so stark verändert, dass man sie kaum wieder erkennt. Sie sind tatsächlich sehr minimalistisch und für Apple Verhältnisse farbenfroh. Viele dieser Icons wie Mail, Telefon und Nachrichten basieren auf den alten Programmsymbolen und erhielten lediglich ein flacheres Redesign. Andere Apps wie Gamecenter oder Bilder erhielten ein nicht wiedererkennbares Symbol basierend auf mehreren Farbpaletten.

Mit Version 7 ist zum bekannten iOS-Homescreen das Control Center hinzugekommen. Dieses wird, ähnlich wie beim Entsperren eines BlackBerry Smartphones, durch eine Geste von unten aufgerufen und legt ein halb-transparentes Layer über den Homescreen, was sehr an das Design von Aero Glass erinnert. Dort lassen sich, wie bei der Benachrichtigungsleiste von Android, einige schnelle Einstellungen vornehmen, wie das Einschalten von WLAN, Bluetooth oder das Sperren der Bildschirmorientierung. Einige Apps können außerdem von dort aus gestartet werden, so z.B. eine Taschenlampe, Rechner, etc. – die Musikwiedergabe lässt sich ebenfalls von hier aus steuern.

Lockscreen

Der Sperrbildschirm („Lockscreen“) wurde nun auch völlig neu gestaltet. „Slide-to-Unlock“, jenes Feature, das der Hauptgrund zahlreicher Klagen war, sowie der graue durchsichtige Balken, wo sich die Uhrzeit befand, sind nun vom Lockscreen verschwunden. Stattdessen befindet sich unten nun ein sehr dezent gestalteter Pfeil, darüber ist aber weiterhin in der glänzenden „Helvetica Neue Ultra Light“-Schrift  „slide to unlock“ zu lesen. Durch Wischen nach oben wird das iPhone entsperrt – das gilt auch für alle bisherigen Windows Phone Smartphones. Die Uhrzeit findet sich bei iOS 7 inmitten der oberen Hälfte des Lockscreens, doch wurde nun auf die transparente Verzierung im Hintergrund verzichtet.

Neben dem großen Redesign hat Apple wieder einige Funktionen mit iOS7 eingeführt, die auch einen Einfluss auf die Benutzeroberfläche („User Interface“) haben. Beispielsweise reagiert das Smartphone nun auf Änderungen der Perspektive, indem es die Icons am Homescreen leicht in die entgegengesetzte Richtung bewegt. Dadurch entsteht ein äußerst interessanter 3D-Effekt, womit man das Gefühl bekommt, man könne hinter die Icons sehen, was sicherlich auch für das Windows Phone OS interessant wäre. Um diesen Effekt zu verstärken, erlaubt Apple nun auch dynamische Wallpaper.

Multitasking: Inspiriert von Windows Phone

Eine sehr große Änderung hat auch das Multitasking erhalten, welches man bei iOS durch Doppeltippen auf den Homebutton aufruft. Dieses war früher lediglich eine Leiste mit Icons, die unter dem Dock am Homescreen hervorkam. Stattdessen zoomt man mit derselben Geste aus der App heraus und sieht nebeneinander eine Vorschau der Apps, durch die man horizontal scrollen kann. Multitasking bei iOS 7 gleicht eindeutig dem App-Switcher von Windows Phone, der sich durch längeres Drücken der Zurück-Taste aufrufen lässt. Mit einer Wisch-Geste nach oben kann man die Apps bei iOS jedoch im Gegensatz zu Windows Phone schließen. Dies wiederum ist bereits von webOS bekannt.

Notification Center

Bei Windows Phone wird oftmals kritisiert, dass Microsofts mobiles Betriebssystem der Konkurrenz in vielen Punkten nachsteht. Ohne nun eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit einer Benachrichtigungszentrale neben den Live-Tiles entfachen zu wollen, fehlt bei Windows Phone klar ein Ort, wo alle Benachrichtigungen eingesehen werden können. Bei Android und BlackBerry werden schon seit Langem Benachrichtigungen in der herunterziehbaren Statusleiste angezeigt. Apple hat dieses Feature etwas umgestaltet und es in dieser Form auch in iOS eingeführt. Dieses sogenannte Notification Center wurde in iOS 7 ebenfalls einer großen Änderung unterzogen und hat zusätzliche Funktionen erhalten. Einer der Tabs im Notification Center heißt „today“ und zeigt die tagesbezogenen Kalendereinträge, Aufgaben und die Wettervorhersage an. Im Tab daneben werden alle Benachrichtigungen, die nach den Apps geordnet sind, angezeigt. Der dritte Tab in Apples Benachrichtigungszentrale zeigt außerdem alle verpassten Benachrichtigungen an.
Ein praktisches Feature von iOS 7 ist, dass die Benachrichtigungen nun auch auf Mac OS X synchronisiert werden. Eine solche Umsetzung wäre auch für Nutzer von Windows Phone und Windows 8 sehr erfreulich, um die Synchronisation der Microsoft-Plattformen weiter zu verbessern.

 AirDrop

AirDrop ist ein WiFi-Ad-hoc Service basiertes Feature, das bisher nur für Mac OS X erhältlich war, doch mit iOS 7 auch seinen Weg auf Apples mobiles Betriebssystem gefunden hat. Dieses erlaubt es, Medien, Kontakte, usw. kabellos auf andere iOS bzw. Mac OS X Geräte zu übertragen. Obwohl nun Medien per Bluetooth übertragen werden können, wäre ein Feature wie AirDrop auch für Windows Phone Nutzer sehr praktisch.

Safari


Die  Systemapps in iOS 7 haben ebenfalls ein neues Design erhalten. Dabei sind inaktive Elemente in hellgrau gehalten. Aktive Elemente in Menüs und Schriften in der oberen Navigationsleiste sind entweder cyanblau oder magentarot gefärbt. Dies macht einen sehr schlichten und ordentlichen Eindruck, jedoch hält sich Apple selbst nicht an dieses Prinzip des eigenen Designs. Beispielsweise sind einzig in Safari und Mail die Navigationsbuttons in Blau gehalten, während in den anderen Apps das zuvor erwähnte Prinzip mit grauen Icons eingehalten wird. Dies könnte möglicherweise die Absicht von Jony Ive gewesen sein, doch genau diese Dinge könnten die Anpassung der Nutzer an ein neues, verändertes System erschweren.
Der Safari-Browser wurde nun stark umgestaltet. Die Browserleiste braucht wesentlich weniger Platz und wird mit der Suche in der Omnibar zusammengefasst. Zu einem der größten Features vom neuen Safari in iOS 7 zählt die 3D-Ansicht der Tabs. Diese erinnert zumindest mich sehr an das Windows-Feature namens „Flip 3D“, das sich bis Windows 7 noch mit der Tastenkombination „Windows+Tab“ verwenden ließ.
Apple hat es bereits vor einiger Zeit ermöglicht, Browser-Tabs über iCloud auf mehrere Geräte zu synchronisieren. Mit „Reading List“ geht Apple noch einen Schritt weiter und erlaubt es interessante Artikel oder Webseiten zu speichern, um sie später nochmals aufzurufen. Diese werden dann selbstverständlich auf sämtliche Geräte synchronisiert.

Voneinander lernen

Es wäre zu einfach, zu behaupten, Apple habe mit iOS 7 Windows Phone kopiert. Dennoch ist offensichtlich, dass das kalifornische Unternehmen sich bei Microsofts mobiler Plattform einige Punkte genauer angesehen hat. Apples Betriebssysteme waren bisher sehr logisch aufgebaut und intuitiv bedienbar, denn die Anwendungen waren lediglich ein gut gestalteter Nachbau von Gegenständen, die wir täglich verwenden. Mit iOS 7 hat Apple dem nun ein Ende gesetzt, einem Designprinzip, das bisher das Nutzererlebnis von allen Apple Produkten prägte. Die Umsetzung vom minimalistischen Design in iOS 7 fiel Apple sichtlich nicht leicht und ist zwar einigermaßen an Windows Phone orientiert, unterscheidet sich aber deutlich von den Designrichtlinien im Betriebssystem der Redmonder. Während Microsoft sich völlig von Verzierungen und Schmuck distanziert hat, setzt Apple immer noch auf Schatten, Transparenz und 3D-Effekte.
Doch die Arbeit, um von der Konkurrenz zu lernen, findet sich nicht nur auf Seiten Apples. Zwar ist das Unternehmen für wichtige Erfindungen bekannt, die es oft Jahre vor die Konkurrenz katapultierten, doch in letzter Zeit kam wenig Innovatives aus Kalifornien. Die erfinderischen Tage des Unternehmens sind scheinbar gezählt und die Welt wartet gespannt auf die nächste Idee von Apple. Inzwischen hat Microsoft in vielen Punkten im Hinblick auf die Konkurrenz aus Cupertino aufgeholt und diese teilweise sogar überholt.

Doch statt zu versuchen, die Konkurrenz vor Gerichten zu schlagen, sollten Unternehmen darauf achten, was ihre Mitstreiter erfinden und wie die neuen Funktionen bei den Kunden ankommen. Danach kann man sich daran orientieren, sei es, dass ein entgegengesetzter Weg eingeschlagen wird, sei es, dass man versucht Funktionen in einer ähnlichen Art und Weise in das eigene System zu implementieren.
Folgendes Video stellt einzelne Funktionen/Bereiche von iOS 7 und Windows Phone gegenüber, so dass die Ähnlichkeiten bzw. Unterschiede noch deutlicher werden:


Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel enthält teilweise subjektive Bemerkungen und muss aufgrund dessen nicht zwingend unseren Erfahrungen und Ansichten entsprechen.
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