App Tipp: Schneller lesen für Windows 8/RT

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In unserer heutigen Zeit prasselt aufgrund von E-Mails, RSS-Feeds, Nachrichten-Aggregatoren sowie sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter eine wahre Flut von Informationen auf uns ein. Herr werden können wir dieser schon längst nur noch durch konsequente Selektion, nicht selten unterstützt durch technische Hilfsmittel wie Filter.

Zuviel Text, zu wenig Zeit

Doch was tun, wenn selbst die für uns relevanten Informationen in großer Zahl vorliegen; wir uns im Studium oder Beruf in umfangreiche Berichte oder Fachliteratur einlesen müssen? Spätestens Mitte Oktober werden sich zum Beispiel nicht wenige Studienanfänger ein wenig unsicher fragen, wie sie es, sogar bei regelmäßiger Vor- und Nacharbeit, eigentlich schaffen sollen, die im Vergleich zur Schulzeit äußerst umfangreichen Skripte – nicht selten mehrere hundert Seiten –  und die dazugehörigen Literaturempfehlungen rechtzeitig bis zur Klausur durchzuarbeiten.

Eine der logischen Konsequenzen wäre die Erhöhung der Lesegeschwindigkeit mit Hilfe bestimmter Techniken und Übungen. Während ungeübte Leser lediglich über eine Lesegeschwindigkeit von 155 bis 215 WpM (Wörter pro Minute) verfügen, bringen es Schnellleser auf Werte von 800 bis 1000 WpM. Der aktuelle Weltrekord, gehalten vom US-Amerikaner Sean Adam, beträgt sogar stolze 3850 WpM – ein Wert, der auch bei regelmäßigem Training für einen Großteil der Bevölkerung unerreichbar sein dürfte. An dieser Stelle sei angemerkt, dass Schnelllesen nicht mit dem simplen Überfliegen eines Textes verwechselt werden darf, da beim ersteren die Aufnahme der Information weiterhin gewährleistet sein soll beziehungsweise muss. Bevor wir uns der Anwendung genauer widmen, sollten wir uns, des besseren Verständnisses wegen, allerdings kurz mit dem Lesen selbst befassen.

Der Vorgang des Lesens

Beim Lesen werden die wenigsten Buchstaben scharf erfasst, vielmehr beruht der Vorgang auf dem Wiedererkennen von Wörtern und Wortgruppen. Demnach wirkt sich unter anderem ein großer Wortschatz positiv auf die Lesegeschwindigkeit aus; die Erfassung des Inhaltes hingegen hängt mitunter von einem guten Kurzzeitgedächtnis ab. Auch eine konzentrationsfördernde Umgebung, thematische Vertrautheit sowie entsprechende Textstrukturen (Groß- und Kleinschreibung, ruhige Schriften, Absätze, etc.) sind förderlich. Schnelle Leser vermeiden darüber hinaus aber auch unkontrollierte Augenbewegung, Lesen Wörter nicht Wort für Wort, sondern erfassen aufgrund einer größeren  Blickspanne mehrere Wörter auf einmal und verfügen außerdem über einen regelmäßigen Leserhythmus.

Die App

Genau hier setzt auch die App Schneller lesen der HeKu IT GmbH an. Nutzer anderer mobiler Betriebssysteme werden diese vielleicht bereits kennen, zumal Apple die iPhone-Version sogar zur „App des Jahres 2011“ kürte.

Nach dem Anlegen eines lokalen Benutzerkontos, von denen die App übrigens mehrere verwalten kann und sich somit von der gesamten Familie nutzen lässt, sowie einem Einstufungstest, welcher der Bestimmung des individuellen Schwierigkeitsgrades dient, helfen euch diverse Übungen wie „Wortpaare“, „Zahl merken“, „Buchstabendreher“ oder „Wörter merken“ dabei,  eure Fähigkeiten in folgenden Bereichen zu verbessern:

  • Schnelles Erkennen von Zahlen, Buchstaben und Wörtern
  • Erhöhung der Konzentration
  • Erweiterung der Blickspanne
  • Flexible Augenbewegung

Außerdem werden in regelmäßigen Abständen, mithilfe von ausgesuchten Texten und diesbezüglichen Fragen, eure Fortschritte in puncto Geschwindigkeit und Textverständnis überprüft. Diese lassen sich aber auch jederzeit, sowohl für Einzelübungen als auch in ihrer Gesamtheit, anhand umfangreicher Statistiken nachvollziehen.

Interessant ist, dass die App nach dem Absolvieren mehrerer Übungen hintereinander, die Ausführung weiterer für einen gewissen Zeitraum verweigert und somit den Nutzer zum Pausieren zwingt. Dies hat den Hintergrund, dass ähnlich dem Ausdauer- oder Krafttraining, auch das Anlegen neuer Gehirnstrukturen und neuro-assoziativer Verbindungen am besten mithilfe der Wechselwirkung von Belastung und Regeneration gelingt.

Wer möchte, kann seine Lesegeschwindigkeit zudem nicht nur in der deutschen Sprache, sondern auch in weiteren trainieren. Zur Auswahl stehen Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Russisch, Türkisch und Polnisch.

Kritik

Kritiker weisen allerdings zu Recht darauf hin, dass die Schnelllesetechniken, trotz gegenteiliger Behauptungen, dazu führen, dass Texte weniger exakt aufgenommen werden. Die Trainingserfolge würden demnach größtenteils darauf beruhen, dass beim Training weitaus konzentrierter gelesen würde, als dies im Alltag üblich sei. Zudem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Schnelllesen keine Wunder vollbringen kann; je komplexer ein Thema und komplizierter die Satzstruktur, umso mehr verlangsamt sich auch bei geübten Lesern die Lesegeschwindigkeit.

Wer im Übrigen nicht gewillt ist, 3,99 EUR zu investieren, dem ist vielleicht bereits damit geholfen, dass er von Zeit zu Zeit den Controller seiner Xbox zur Seite legt – auch wenn Spielkonsolen sich zugegebenermaßen förderlich auf Teile der Visuomotorik (Auge-Hand-Koordination) auswirken – und stattdessen zu dem Medium greift, welches dank dem Mainzer Johannes Gutenberg, zumindest in unseren Breiten, für jeden erschwinglich ist. Aus regelmäßigen Lesern werden in der Regel nämlich sowieso Schnellleser.

Herunterladen (3,99€) – Windows 8/RT

Über den Autor

Consultant. Outdoor-Sportler. Serienjunkie. Braucht Kaffee. Mag Bourbon und Habanos. Liebt Champagne-Powder.

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Susanne
Mitglied
Susanne

Interessanter Artikel.
Das beste Training fürs Lesen ist aber immer noch lesen.

Übrigens: die linksbündige Ausrichtung des Artikels ist auf dem Smartphone deutlich angenehmer zu lesen, als der Blocksatz, der manchmal verwendet wird.

clusive
Mitglied
clusive

Von mir auch ein Lob!

t3ntakelm0nster
Mitglied
t3ntakelm0nster

Kann mich meinen vorrednern nur anschließen: sehr guter, sehr informativer Artikel!

MasterHoop
Mitglied
MasterHoop

Hey interessante App-Vorstellung. Ich habe vor Jahren selbst zu diesem Thema ein Seminar besucht und diese Art von Übungen sind in der Tat dazu geeignet, die WpM in kürzester Zeit zu verdoppeln. Natürlich gibt es aber noch einiges mehr zu beachten als schnelle Augenbewegungen.
Letzteres ist aber m.E.auch der Hauptpunkt, warum man Pausen machen muss, denn am Ende ist das Auge ein Muskel und Muskelkater im Auge fühlt sich echt komisch an 😉 Gruß mH

patti
Mitglied
patti

Schöner Artikel.

Alex B.
Mitglied
Alex B.

Ist wirklich schön geschrieben der Artikel.

Maximilian
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Schöner Artikel – jetzt weiß ich endlich, dass ich zu den Schnelllesern gehöre. Die App schaue ich mir auch mal an. 😀

Urbino
Mitglied
Urbino

Klingt nicht schlecht. Schöner Artikel!