Microsoft & Nokia: Übernahme wird am 25. April abgeschlossen

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Vor knapp acht Monaten kündigten Microsoft und Nokia die bevorstehende Akquise von Nokias Geräte- und Dienste-Sparte an, konnten zum damaligen Zeitpunkt allerdings keine genaue Zeitangabe bezüglich der finalen Abwicklung treffen. Dies holte Nokia zwar im März 2014 nach, indem das Ende des Monats April als Zielsetzung kommuniziert wurde. Nachdem nun aber alle relevanten Aufsichtsinstitutionen, darunter die Europäische Kommission sowie das Handelsministerium der Volksrepublik China, in die Übernahme eingewilligt haben, steht auch das voraussichtliche Schlussdatum fest: Microsoft wird ab Freitag, dem 25.04.2014, über Nokias Geräte- und Dienste-Sparte verfügen und diese folglich in das eigene Unternehmen eingliedern. Laut Nokias – auffällig kurzer – Pressemeldung sind bis dahin lediglich gewöhnliche Abschlussbedingungen fällig.

Microsoft verrät zusätzliche Absprachen

Indessen geht Microsoft ins Detail und erläutert sowohl die langfristige Zielsetzung als auch zusätzliche, bisher nicht öffentlich bekannt gegebene Vereinbarungen zwischen den beiden Konzernen. So gehen die Redmonder davon aus, dass die Übernahme von Nokias Geräte- und Dienste-Sparte dazu beitragen wird, Innovationen und die Marktakzeptanz von Windows Phone zu beschleunigen. Darüber hinaus stimmen die „nächsten 1 Milliarde Kunden“ Microsoft freudig, denn diese wird der Konzern über Nokia-Handys in die eigenen Dienste einführen. Wie so oft der Fall, gleichen originäre Verträge selten den endgültigen Vereinbarungen. Dies hat zum Hintergrund, dass die Relevanz gewisser Szenarien oder Vermögenswerte erst im Verlauf der Zeit ins Bewusstsein der Parteien rückt und infolgedessen zumindest als Annex in die Verhandlung aufgenommen wird.

Demnach wird Microsoft für bis zu ein Jahr die Nokia.com Domäne und Nokias Social Media Kanäle verwalten. Weshalb Microsoft die Dauer der Verwaltung auf ein Jahr begrenzt, geht aus der Pressemitteilung zwar nicht hervor. Die zeitliche Beschränkung könnte allerdings die erwartete Höchstdauer in Bezug auf eine Transformation von der „Lumia“ Marke zur, derzeit unbekannten, Marke für Microsoft eigene Smartphones darstellen.

Daneben haben Microsoft und Nokia vereinbart, dass nicht sämtliche Mitarbeiter aus Nokias technischer Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei den Finnen verbleiben. Vielmehr wurde die Absprache dahingehend angepasst, dass 21 Mitarbeiter, welche in China an Mobiltelefonen arbeiten, nunmehr für Microsoft tätig werden. Schließlich wird Microsoft – entgegen der anfänglichen Planung – Nokias Produktionsstätte in Korea nicht übernehmen; sie verbleibt stattdessen weiterhin bei Nokia.

Nokia informiert Lieferanten

Zu guter Letzt ist heute über ein Schreiben (siehe unten), das Nokia an die eigenen Lieferanten richtet, der künftige (Gesellschafts-)Name des an Microsoft übertragenen Unternehmensteils bekannt geworden: Dieser wird nicht mehr „Nokia Oyi„, sondern „Microsoft Mobile Oy“ lauten. Wichtiger noch ist Nokias Wille, die Geschäftsbeziehungen mit den betroffenen Lieferanten auch im Anschluss an die Akquise fortzuführen. Dies ergibt sich aus den folgenden Zeilen und lässt die Hoffnung aufleben, derzufolge auch das verbleibende Nokia mit interessanten Produkten auf sich Aufmerksam machen wird:

In addition to becoming a supplier for Microsoft Mobile Oy, we appreciate that you might also remain a supplier to the continuing businesses of Nokia (i.e., NSN, HERE or Advanced Technologies) after the close of the transaction between Microsoft and Nokia Devices and Services. Nokia will communicate separately any changes in invoicing methods and addresses before the close of this transaction.

Vollständiges Nokia-Schreiben


Quellen: Nokia, Microsoft, nokiapoweruser
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? Nerd. ☕ Kaffeejunkie. ⚖️ Hamburger Rechtsanwalt für IT-Recht und Datenschutzrecht, außerdem Vergaberechtsanwalt.

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