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HealthVault: Ein Blick auf Microsofts Fitness- & Gesundheitszentrale

Diese Woche stand ganz im Zeichen von Apple. Am Freitag startete der Verkauf der beiden Modelle des iPhone 6. Zwei Tage zuvor konnten Millionen von Nutzern ihre Geräte auf iOS 8, Cupertinos neuestes mobiles Betriebssystem, aktualisieren. Neben Apple Pay, welches der Bezahlung via NFC endlich zum Durchbruch verhelfen könnte, zählt Health zu dessen größten Neuerungen. Die Anwendung dient dem Erfassen sowie der Auswertung von Gesundheits- und Fitnessdaten. Stammen können diese beispielsweise von Produkten aus dem Hause Fitbit. Nicht zu vergessen die Apple Watch, welche Anfang 2015 erhältlich sein wird. Auch in den iPhones der fünften und sechsten Generation sind entsprechende Sensoren verbaut. Spätestens im kommenden Weihnachtsgeschäft wird daher das Logo der Anwendung die Verpackungen unzähliger kompatibler Wearables und medizinischer Messgeräte zieren.

Anlass genug für uns, der Frage nachzugehen, was Redmond in diesem Bereich seinem kalifornischen Konkurrenten entgegenzusetzen hat. Haben wir doch bereits in der Vergangenheit untersucht, ob Microsoft den Markt für Wearables verschläft.

Würde man Passanten auf der Straße zu diesem Thema befragen, gäben die meisten von ihnen mit einem Achselzucken zu verstehen, dass Microsoft ihrer Meinung nach dieses Feld nicht bearbeite. Einige Nutzer von Windows Phone 8 oder Windows 8 würden auf die Bing-App Gesundheit und Fitness verweisen, die zukünftig unter dem Dach der Marke MSN zuhause sein wird. Obwohl sich mit dieser durchaus Essgewohnheiten und Trainingseinheiten dokumentieren lassen, dient sie vor allem dazu, seichte Inhalte von Partnern wie Mens Health und NetDoktor für das Lesen auf mobilen Geräten aufzubereiten.

Dennoch ist Microsoft mit einem anderen Produkt schon seit mehreren Jahren auf diesem Markt vertreten und müsste demnach gegenüber Apple einen großen Vorsprung vorweisen können. Auf dem Papier ist dies sogar der Fall. 2007 wurde in den USA eine elektronische patientengeführte Patientenakte aus der Taufe gehoben. In Zusammenarbeit mit Siemens führte man diese 2010 unter dem Namen Assignio in Deutschland ein. Die Weiterentwicklung litt allerdings darunter, dass Siemens seine IT-Sparte kurz darauf an Atos veräußerte. Seit dem darauffolgenden Neustart im Jahr 2012 firmiert der Dienst nun hierzulande ebenfalls unter dem Namen HealthVault.

Laut Microsoft hat sich die Plattform auf dem Heimatmarkt mittlerweile etabliert. Hundertfünfzig Partner zählt man, darunter Krankenversicherungen und Online-Apotheken. In Deutschland hingegen ist HealthVault nahezu unbekannt. Dies hat sowohl externe als auch hausgemachte Gründe. Davon ist einer, dass es schlicht und ergreifend nicht beworben wird. Klinikketten, (Betriebs-)Ärzte oder Krankenkassen werden sich bei einer so geringen Nutzerbasis jedoch nur schwer davon überzeugen lassen, den Dienst vermehrt in ihre Arbeitsabläufe zu integrieren. Health andererseits ist fest in iOS verankert und wurde ausführlich vorgestellt. Erst bei einer ausreichenden Anzahl von Nutzern wird man sich in Cupertino um zahlende Gewerbekunden bemühen. Da die Stärke des Unternehmens zudem im Consumer-Markt liegt, könnte es genügen, dass die Fokussierung der Zubehörhersteller auf Apples Produkt dabei hilf, den Marktanteil von iOS zu stützen.

Genauso wenig lassen sich Datenschutzbedenken vom Tisch wissen, welche ihren Teil zu geringen Verbreitung beitragen haben werden. Im weiteren Verlauf des Artikels werden wir noch auf diese zu sprechen kommen. Zusätzlich muss man den Redmondern eine nur halbherzige Umsetzung attestieren. Dies wird nicht zuletzt am Entwicklungsstand der mobilen Clients deutlich.

Die Version für Windows Phone 8 ist übersichtlich gestaltet und kann Informationen über Erkrankungen, Impfungen, Medikamente und Messwerte wie Gewicht, Blutdruck oder Cholesterin abrufen. Auf die Daten der letzten Trainingseinheit muss indes verzichtet werden, obwohl sich Bing Gesundheit und Fitness mit HealthVault verknüpfen lässt. Nutzer von iOS können sich zwar nicht über den Funktionsumfang beklagen, müssen dafür aber ohne eine deutsche Lokalisation sowie eine Anpassung an das Design von iOS 7 auskommen. Kein Wunder, wurde die App letztmalig im Juli 2013 aktualisiert. Auf Android, dem unangefochtenen Marktführer unter den mobilen Betriebssystemen, ist man überhaupt nicht vertreten. Und das, wo Google sein eigenes Projekt 2011 ad acta gelegt hat. Den besten Eindruck hinterlässt die Plattform noch im Web sowie unter Windows 8/RT. Dort erfährt der Nutzer zudem, welche Apps und Geräte überhaupt kompatibel sind. Abgesehen von der kompletten Modellpalette von Sinovo trifft dies zum Beispiel auf die WLAN-Waage von Whitings sowie mehrere Fitness-Tracker von Fitbit zu. Ob allerdings die Besitzer der Geräte wissen, dass diese HealthVault unterstützen, steht auf einem anderen Blatt. Dürfte doch mitnichten auch jeder Käufer eines Nokia Lumia 630 wissen, dass er dieses dank SensorCore als Schrittzähler einsetzen kann.

Spätestens an dieser Stelle wird manch einen von euch vor allem eine Frage umtreiben: Was bringt die ganze Datensammelei eigentlich? Für den Fitnessbereich lässt sich dies eindeutig beantworten. Ohne detaillierte Kenntnisse der Trainingslehre ist die schönste grafische Auswertung nutzlos; bleiben teure Puls-/Sportuhren und andere Wearables lediglich nette Gimmicks. Das wird jeder bestätigen, der sich schon einmal auf einen Marathon vorbereitet hat. Erst recht diejenigen, deren Zielzeit unter der für Amateursportler magischen Grenze von drei Stunden lag. Natürlich lässt sich entsprechendes Know-how, das nötige Kleingeld vorausgesetzt, einkaufen. So arbeiten Personal Trainer bereits seit langem mit den Daten aus Polar ProTrainer und ähnlichen Programmen.

Im Gesundheitsbereich dagegen stellt sich die Situation komplexer dar. Hier müssen Vorteile und Risiken gegeneinander abgewogen werden. Um eines unmissverständlich klarzustellen: HealthVault ist für die Weitergabe von Daten konzipiert. Schließlich wüssten es chronisch Kranke oder Patienten mit komplizierten Krankheitsverläufen zu schätzen, wenn hinzugezogene Spezialisten mit wenigen Klicks auf sämtliche relevanten Informationen zugreifen könnten. Ebenso würde verhindert, dass Unterlagen bei Arztwechseln oder im Dschungel der Bürokratie verloren gehen. Nur muss zu jederzeit sichergestellt sein, dass die Daten des Nutzers ohne dessen Einverständnis weder mit Dritten geteilt noch von diesen einsehbar sind. Wecken diese doch Begehrlichkeiten bei manchen Arbeitgebern und Versicherungsmathematikern. Ein System, dass Dateien zentral auf den Servern eines Unternehmens ablegt und gleichzeitig noch nicht einmal eine verpflichtende Zwei-Faktor-Authentifizierung bietet, kann jedoch nicht für ausreichende Sicherheit garantieren. Der hohe Sicherheitsstandard, derer sich der damalige Partner Siemens rühmte, bezog sich primär auf den Transportweg zwischem dem Gerät des Nutzers und dem Server. Eine SSL-/TLS-Verschlüsselung bietet allerdings heutzutage jeder Online-Shop. Gleichfalls dürfte Microsofts Firmensitz einigen Bauchschmerzen bereiten. Dabei gibt es schon gegen die elektronische Gesundheitskarte (eGK) genug datenschutzrechtliche Bedenken.

Auf jeden Fall liegt vor Microsoft noch viel Arbeit und ein langer Weg, wenn es HealthVault nicht wie dem Feldtest der Barmer Krankenkasse aus dem Jahr 2007 ergehen soll. Von dreitausend Teilnehmern führen heute nur noch achthundert eine elektronische Patientenakte. Allerdings waren zu der Zeit Smartphones kaum verbreitet und der Begriff Wearables noch nicht geboren.

HealthVault (kostenlos) – ab Windows Phone 7.5 & Windows 8/RT

Bing Gesundheit & Fitness (kostenlos) – ab Windows Phone 8 & Windows 8/RT

Fitbit (kostenlos) – ab Windows Phone 8.1


(Bild-)Quelle(n): MSDN Blogs, heise online

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Consultant. Outdoor-Sportler. Serienjunkie. Braucht Kaffee. Mag Bourbon und Habanos. Liebt Champagne-Powder.
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