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Nokia Lumia 735 im Test: Bester Weg zum idealen Smartphone

Lumia Lumia 735 grün green review front

Das Nokia Lumia 735 ist eines der beiden letzten Smartphones, die noch unter dem Nokia-Branding erschienen sind, allerdings gehörte die Geräte & Dienste-Sparte des finnischen Unternehmens mittlerweile bereits zu Microsoft. Frühestens 2016 wird das Branding des ehemaligen Handypioniers wieder auf einem Gerät zu finden sein und bis dahin ist das Lumia 735 die letzte Erinnerung, die daran bleibt. Ob die Finnen danach auch noch Windows Phone-Geräte herstellen werden, liegt allein bei Microsoft und dem Erfolg der Plattform. Für die Redmonder ist dieses Smartphone von zweierlei Bedeutung, es ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits freut man sich selbstverständlich über jedes verkaufte Gerät, das die Bekanntheit des eigenen mobilen Betriebssystems steigert. Andererseits ist Nokia spätestens seit der Vorstellung des unter ihrem Namen vertriebenen N1- Android-Tablets als Konkurrenz anzusehen und ein größerer Erfolg des Nokia Lumia 735 würde aufgrund des Brandings marketingtechnisch vorrangig dem Nokia-Konzern in die Hände spielen.

Design, Verarbeitung & Haptik

Lumia Lumia 735 grün green review back seite side

Designmäßig folgt das Lumia 735 einigen großartigen bzw. einzigartigen Smartphones von Nokia, nämlich dem N9, Lumia 800 und dem Lumia 920. Es besitzt dieselben charakteristischen Abrundungen, die sich längs von unten nach oben ziehen und an den Enden jeweils abrupt aufhören, was dort eine Fläche und an den Ecken scharfe Kanten hinterlässt.

Im Gegensatz zu all seinen designtechnischen Vorgängern besitzt das Lumia 735 keinen Metallstreifen bei der Kamera, was das Design des Smartphones noch etwas moderner und schlichter aussehen lässt und viel eher die Einfachheit von Windows Phone wiederspiegelt. Auch die Vorderseite des Geräts folgt dieser Designphilosophie und neben dem Nokia-Logo unter der Hörermuschel und der Frontkamera gibt es nichts, was ins Auge stechen will. Keine sichtbaren Sensoren, keine kapazitiven Touch-Tasten und auch ein Display, von dem man bei frontaler Betrachtung nicht erkennen kann, wo es anfängt und endet.

Auf den Flächen an Ober- und Unterseite des Lumia 735 befindet sich der 3,5mm Kopfhöreranschluss sowie der Micro USB-Port, die jeweils mittig positioniert sind. Rechts finden sich sämtliche Hardware-Tasten des Geräts, nämlich der in der Mitte befindliche Ein-/Aus-Schalter sowie die fingerbreit darüber liegenden Lautstärkewippen. Diese bestehen aus Polycarbonat und sind hervorragend verarbeitet, sitzen fest an ihren Plätzen und geben ein tolles Feedback beim Drücken. Die Tasten sitzen in dem Cover, welches jederzeit ausgetauscht werden kann und in den Farben Schwarz, Weiß, Orange und Grün erhältlich ist. Letzte beiden Farben sind lediglich beim Lumia 735 matt und sehen zumindest unserer Meinung nach deutlich besser aus als die glänzende Optik der Hüllen beim Lumia 730.

Design ist allerdings vorrangig eine Frage des Geschmacks und nicht jeder wird sich – auch aus Gründen der Unversehrtheit nach Stürzen – mit den scharfkantigen Ecken des Lumia 735 anfreunden können. Das Lumia 735 sieht insgesamt zweifellos großartig aus und ist unserer Meinung nach ein hervorragendes Beispiel für ein gutes und einzigartiges Produktdesign. Dies heißt nicht, dass es zwangsläufig jedem gefallen muss, es ist dennoch ein Design, von dem man beim ersten Anblick nicht genug bekommt.

Das Display

Lumia Lumia 735 grün green review front 2

Das Lumia 735 ist mit einem 4,7-Zoll HD-AMOLED Display ausgestattet, das von Anfang an überzeugen konnte, allerdings bei weitem nicht so sehr wie jenes des Lumia 930. Die Farbdarstellung ist hervorragend, wenn auch etwas übersättigt, was sich allerdings in den Einstellungen manuell korrigieren lässt.

Die Schwarzwerte sind überragend, hierfür sorgt vor allem Nokias eigene Clearblack-Technologie, die den Unterschied zwischen Display und Rand zumindest bei frontaler Betrachtung komplett verschwinden lässt. Die Weißwerte sind als gut zu bezeichnen, da größere weiße Flächen etwas warm dargestellt werden. Die Blickwinkel sind stabil und lediglich bei Betrachtung aus sehr spitzen Winkeln gewinnt das Display etwas an Sättigung dazu. Dies dürfte aber bei alltäglicher Benutzung kaum auffallen, lediglich unter Umständen dem Sitznachbarn des Sitznachbarn im Zug.

Die Pixeldichte von knapp 320 ppi reicht auf jeden Fall aus, um auch kleinere Inhalte lesbar darzustellen und Pixel sind nur in Ausnahmefällen und bei sehr genauer Betrachtung sichtbar. Es ist zwar fern von der Pixeldichte heutiger High-End Smartphones entfernt, allerdings wird man bereits hier für die Suche nach vereinzelten Pixeln eine Lupe benötigen. Leicht auffällig ist dagegen eine andere Eigenheit des Lumia 735 und zwar, dass das AMOLED-Display eine geringe Körnung aufweist, die vor allem beim langsamen Wischen über die einfarbigen Live-Tiles zu sehen ist.

Schon bei unserem ersten Hands-On mit dem Lumia 735 war uns aufgefallen, dass das Display nach einem kurzen Drücken der Ein-/Ausschalt-Taste verhältnismäßig langsam von innen nach außen ausgeleuchtet wird. Dies trifft jedoch nur dann zu, wenn die Helligkeitsregelung auf automatisch gesetzt ist, ansonsten wird das Display genauso schnell wie bei allen anderen Smartphones beleuchtet. Das Glance Screen-Feature wird vom Lumia 735 nicht unterstützt und daher wird der Vorteil des verbauten AMOLED-Displays nicht vollumfänglich genutzt. Ich persönlich vermisse dieses Feature nicht, da man das Display meist ohnehin fast schon reflexartig einschaltet, wenn man es aus der Hosentasche zieht. Wer dabei Akku sparen will, kann stattdessen einen schwarzen Sperrbildschirmhintergrund auswählen.

Software & Performance

Lumia Lumia 735 grün green review games asphalt 8

Betrieben wird das Nokia Lumia 735 von einem Snapdragon 400-Prozessor, dem ein Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite steht, womit es sich performancemäßig etwa neben, wenn nicht sogar über den ersten Windows Phone 8-Flaggschiffen positioniert.

Die Performance reicht auf jeden Fall aus, um Windows Phone 8.1 stets flüssig auszuführen und Wartezeiten bei App-Starts zu verhindern. Es kam während unseres Tests nie zu Rucklern und sämtliche Apps des täglichen Gebrauchs liefen ohne Schwierigkeiten. Das Fortsetzen von Apps ist dank des Arbeitsspeichers von einem Gigabyte überhaupt kein Problem und sorgt für eine kontinuierliche Benutzung des Smartphones. Aktuelle Spiele aus dem Windows Phone Store laufen ebenfalls ohne Probleme, lediglich die Ladezeiten sind etwas länger als beim Lumia 930. So lässt sich Asphalt 8 beispielsweise komplett ruckelfrei darauf spielen, bei Riptide GP2 kommt es gelegentlich dazu, dass das eine oder andere Frame ausgelassen wird, allerdings behindert dies nicht den Spielspaß und wird den meisten Nutzern vermutlich gar nicht auffallen.

In Sachen Software handelt es sich beim Lumia 735 um Windows Phone 8.1 mit dem Nokia-exklusiven Denim-Update. Windows Phone hat einen langen Weg hinter sich und sich so weit entwickelt, dass es einem mobilen Betriebssystem würdig ist. Es hängt iOS und Android in wenigen Punkten hinterher und wenn, dann in einzelnen für wenige Nutzer unentbehrlichen Funktionen, deren Fehlen auf der anderen Seite durch Windows Phone-exklusive Features ausgeglichen wird. Kritik an Windows Phone 8.1 gibt es beim Lumia 735 vor allem aufgrund des Startbildschirms, auf dem die dritte Live Tile-Spalte nicht auf zwei reduziert werden kann. Viele Nutzer wünschen sich, die Möglichkeit zu erhalten, dieses neue Feature wieder zu deaktivieren.

Vorinstalliert sind zudem einige Nokia-exklusiven Apps, die das Nutzererlebnis im Vergleich zu anderen Windows Phone-Geräten durchaus aufwerten, sofern man diese Apps auch benötigt. Die Anwendungen zur Fotobearbeitung sind einzigartig und zählen zu den besten im Windows Phone Store, doch auch diese benötigt nicht jeder. Die früheren Vorteile von Nokia-Smartphones durch Apps wie Lumia Beamer, Xpress, Ringtone Maker, Photobeamer und HERE, die früher fehlende Funktionen kompensiert hatten, haben entweder ihren Weg auf andere Windows Phones gefunden oder wurden durch alternative Apps ersetzt.

Den großen Mehrwert bieten Nokia-Smartphones lediglich in den Einstellungen, in denen die Helligkeitsmodi, das Farbprofil und die Vibration der Touch-Tasten konfiguriert werden können. Dies sind großartige Funktionen, die Microsoft standardmäßig in Windows Phone integrieren sollte.

Akkulaufzeit

Der Qualcomm Snapdragon 400-Prozessor hat sich kombiniert mit dem HD-AMOLED Display als äußerst effizient herausgestellt. Die Akkulaufzeit des Lumia 735 ist großartig und für die Größe des Smartphones überragend.

Bei relativ starker Nutzung, sprich längerem Lesen des RSS-, Facebook- und Twitter-Feeds, sehr regelmäßigem Schreiben von Nachrichten und aktivem Kommentieren mittels der WParea.de-App kommt das Smartphone problemlos über einen Tag und hat am Ende sogar noch 40 Prozent an Akkukapazität übrig, womit man bei moderater Nutzung, also dem Antworten auf Nachrichten, WParea.de-Kommentare und kurzem Telefonieren, auch einen zweiten Arbeits- bzw. Schultag überstehen kann und es gegen 22 Uhr des nächsten Tages aufladen muss.

Zwei Tage Akkulaufzeit sind bei normaler Nutzung beim Lumia 735 eher die Regel als eine Ausnahme, allerdings sei das Aufladen am Abend dennoch empfohlen, um notfalls am nächsten Tag bei aufkommender Langeweile nicht aufs Spielen verzichten zu müssen.

Telefonie & Sprache

Der Hörer des Lumia 735 befindet sich mittig an der Front des Displays und sorgt für klaren und lauten Klang, was man nicht von allen Nokia-Smartphones kennt. Der Gesprächspartner ist gut verständlich, auch bei etwas lauterer Umgebung. Selbst wird man ebenfalls gut von seinem Gegenüber vernommen.

Die Kamera

Lumia Lumia 735 grün green review kamera camera

Der Trend, Selbstporträts (Selfies) im Internet zu veröffentlichen, hat Microsoft wohl dazu bewogen, eine 5-Megapixel Frontkamera zu verbauen, die zumindest marketingtechnisch der Hauptkamera die Show stiehlt.

Die Hauptkamera schießt Bilder mit einer Auflösung von 6,7 Megapixel und produziert daher nicht die schärfsten Fotos. Auch bei Aufnahmen mit relativ guten Lichtverhältnissen ist ein ganz leichtes Rauschen zu erkennen und nachträgliches Skalieren der Bilder ist meist keine gute Idee. Details sind oftmals unscharf, kleinere Objekte sind zwar als solche erkennbar, auf einem skalierten Einzelbild wären sie allerdings unbrauchbar. Die Farbreproduktion ist dafür hervorragend und für ein günstiges Mid-Range Smartphone sogar sehr gut. Im Innenraum sind die Bilder meist verrauscht, trotzdem entsprechen die Farben viel eher der Realität als Bilder, die mit dem Lumia 830 aufgenommen wurden.

Für schlechte Lichtverhältnisse und Nachtaufnahmen ist das Lumia 735 eher nicht geeignet, solange man die Belichtungszeit nicht manuell einstellt und sehr ruhige Hände hat. Die Bilder sind auch bei völliger Ruhe und einer sehr hohen Belichtungszeit meist verrauscht, allerdings ist zumindest das dargestellte Objekt zu erkennen. Wenn die Nachtaufnahme ein bewegtes Motiv einfangen soll, wird es bereits zu einer größeren Herausforderung für den Nutzer, ein brauchbares Bild zu erstellen.

Die Kamera-App von Nokia bietet einen enormen Vorteil für Nutzer, die noch mehr aus der Kamera herausholen wollen, als es der Automatik-Modus schafft. Von der Lichtempfindlichkeit, über die Belichtungszeit bis hin zum Fokus lassen sich mittels der sehr intuitiven Kamera-App viele Einstellungen verändern, was leider nicht bei der Frontkamera funktioniert. Diese ist im Vergleich zu sämtlichen bislang von Nokia eingesetzten Frontkameras schlichtweg beeindruckend, was in Anbetracht der bisherigen Versuche auch nicht sonderlich schwer ist. Aufnahmen mit der Frontkamera weisen bei guten Lichtverhältnissen kein Rauschen auf. Die Kamera eignet sich zudem auch in dunklerer Umgebung für Selfies, wobei die Bilder aber ein starkes Rauschen aufweisen.

Sämtlichen Bildern des Lumia 735 ist ein relativ starkes Overprocessing (Überverarbeitung) anzusehen, das sich vor allem in der zusätzlichen Sättigung und Schärfe zeigt. Dies könnte aber per Software-Update verfeinert werden und es ist damit zu rechnen, dass Microsoft davon auch Gebrauch machen wird.

Beispielbilder

Das Fazit

Lumia Lumia 735 grün green review back 2

Mit dem Lumia 735 hat Microsoft bewiesen, dass es keine Flaggschiff-Hardware braucht, um ein beachtliches Gerät zu produzieren. Dass man damit nicht in die Schlacht um die höchsten Werte beim Datenblatt ziehen kann, ist offensichtlich. Doch hinter den eher bescheidenen Werten einer Hauptkamera mit „lediglich“ 6,7 Megapixeln, einem Quadcore-Prozessor mit einer Taktrate von „nur“ 1,2GHz und dem Arbeitsspeicher von „bloß“ einem Gigabyte verbirgt sich ein solides Smartphone, das sich nicht hinter High-End Smartphones anderer Hersteller verstecken darf. Denn die Zahl der Megapixel sagt wenig über die tatsächliche Bildqualität aus, der Prozessor reicht allenfalls, um zumindest von aktuellen Games nicht in die Knie gezwungen zu werden und der Arbeitsspeicher erlaubt schnelles Wechseln zwischen mehreren Apps ohne Verzögerungen.

Ob man nun mit 60 oder 45 Bildern pro Sekunde auf dem Smartphone herumwischt, macht für die meisten Nutzer keinen Unterschied, solange dieser Wert über jahrelange Nutzung konstant bleibt und die Macht darüber liegt allein bei Microsoft und bei der Qualität ihrer zukünftigen Updates. Bisherige Erfahrungen mit der Updatepolitik Microsofts sind größtenteils positiv, zumindest in Bezug auf die Performance.

Wer derzeit ein Smartphone sucht, der sollte einen genauen Blick auf das Lumia 735 werfen – auch, wenn man bereit ist, beispielsweise 600 Euro für das neue Gerät aufzuwenden. Bis auf die Kamera steht das Gerät einem Flaggschiff-Smartphone in nichts nach, was man im alltäglichen Gebrauch vermissen könnte. Es besitzt zwar keine 3D-Kamera, keinen Fingerabdruck-Sensor und auch keinen Pulsmesser, aber nicht jeder benötigt diese Komponnten unbedingt in einem Smartphone. Das Lumia 735 ist ein ganz einfaches Smartphone mit guter Performance, einem schönen Display, zwei insgesamt guten Kameras, einer sehr soliden Verarbeitung und einem wundervollen Design. All dies zu einem äußerst fairen Preis. Das Lumia 735 ist unserer Meinung nach auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Weiter unten findet ihr die Galerie und ein Video-Review zum Lumia 735!

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"Entdeckung besteht darin, den gleichen Gegenstand wie alle anderen zu betrachten, sich aber etwas anderes dabei zu denken."
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WindowsArea.de wünscht ein frohes neues Jahr 2020!

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