Sonntagslektüre: Tom Warren geht auf Abstand zu Windows Phone

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In Bezug auf die unzähligen Informationen, die uns tagtäglich erreichen, stehen wir immer wieder aufs Neue vor der Aufgabe, die Spreu vom Weizen zu trennen. Themen, denen wir zwar keinen eigenen Artikel widmen wollen, aber dennoch eine gewisse Relevanz zugestehen, teilen wir deshalb über unsere Social Media-Kanäle (Facebook | Twitter). Schlägt ein Beitrag dort hohe Wellen, ist es für uns ratsam, sich dem Thema erneut anzunehmen.

So auch im Fall von Tom Warrens Artikel, in dem er seine Abkehr von Windows Phone verkündete. Damit zog der prominente Führsprecher von Windows Phone mit Ed Bott gleich, welcher einen Tag zuvor bereits ins gleiche Horn gestoßen hatte. Während jedoch sein Kollege von ZDNet die Update-Politik des US-amerikanischen Mobilfunkanbieters Verizon für seinen Schritt verantwortlich macht, gibt Tom Warren dem Angebot an Apps die Schuld.

Benötigte Anwendungen seien nicht verfügbar oder würden in puncto Funktionsumfang hinter iOS und Android zurückbleiben. Neue Funktionen, wenn überhaupt, reichten die Entwickler nur mit großer Verspätung nach. Außerdem würden sich vermehrt tote Apps im Windows Phone Store tummeln. Gemeint sind hiermit Kandidaten wie Instagram oder Vine, welche seit ihrer Veröffentlichung nur halbherzig gepflegt wurden und ihren (inoffiziellen) Beta-Status wohl auf ewig behalten werden. Sich auf Drittentwickler zu verlassen, sei ebenfalls keine Lösung. Diese Behauptung unterstreicht nicht zuletzt die Entscheidung seitens Snapchats, den Zugang von Nutzern zu sperren, welche inoffizielle Clients nutzen.

Doch sind dies wirklich neue Erkenntnisse? Wir schlagen von Zeit zu Zeit dieselben Töne an, auch wenn man bei uns mitunter zwischen den Zeilen lesen muss. Die App-Lücke auf beiden von Microsofts mobilen Plattformen ist noch längst nicht geschlossen. Zudem dürfte sich schon jeder darüber geärgert haben, dass eine offizielle App zwar veröffentlicht wurde, sich allerdings keineswegs mit den Versionen der Konkurrenzplattformen messen kann. Ob sich hieran je etwas ändern wird, ist mehr als fraglich. Redmond klammert sich an die Hoffnung, dass Windows 10 die Wende bringen wird.

Wer will da Tom Warren seinen Wechsel zum iPhone 6 verübeln? Erst recht, da er keine negativen Konsequenzen zu fürchten hat. Sämtliche von Microsofts hauseigenen Anwendungen, egal ob OneDrive, OneNote oder MSN Apps, sind für iOS erhältlich – nicht selten in besserer Qualität. Und wo Fans der Kacheloptik noch auf Excel, Word und PowerPoint warten und sich mit Office Mobile begnügen müssen, brauchen Besitzer eines iPhones oder iPads nur einen kurzen Abstecher in den App Store machen. Genauso wird Sway, sofern es nicht zeitgleich für weitere Betriebssysteme freigeben wird, zunächst ausschließlich Cupertinos Kundschaft zur Verfügung stehen. Und Acompli, aus dem das neue Outlook für mobile Betriebssysteme hervorgehen könnte, ist bisher ebenso nur für iOS und Android erschienen.

Diese Situation ist jedoch seit langem so gut wie jedem bekannt, weshalb schlussendlich die Frage bleibt, warum Tom Warren seine Abkehr öffentlichkeitswirksam zelebriert? Wir denken, dass er sich schlicht und ergreifend seinen Frust von der Seele schreiben wollte. Eine gesunde Handlung. Diskussionen zu diesem Thema sind indes müßig, zumal sich ihr Ausgang leicht voraussagen lässt. Die Rollenverteilung entspricht dabei einem klassischen Schwarz-Weiß-Schema. Während das eine Lager, ungeachtet der aktuellen Quartalszahlen, Microsofts baldigen Untergang prophezeit, wiederholen deren Kontrahenten gebetsmühlenartig, dass es ihnen an nichts fehle und sie nicht eine einzige weitere App benötigten. Wenn dann noch jemand mit der Tausend-Taschenlampen-Apps-Keule – welche mittlerweile genauso stumpf ist, wie viele ihrer Verwandten aus der Politik – drauflos drischt, darf die Diskussion guten Gewissens für beendet erklärt werden.

Fazit: Im Westen nichts Neues!


(Bild-)Quelle(n): The Verge

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Consultant. Outdoor-Sportler. Serienjunkie. Braucht Kaffee. Mag Bourbon und Habanos. Liebt Champagne-Powder.

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