Ein Rückblick auf 5 Jahre Windows Phone

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Windows Phone 7 war schrecklich und dennoch großartig. Microsoft hatte augenscheinlich eine Vision vor Augen, bei der Umsetzung dieser jedoch vollkommen die Grundlagen eines Systems aus den Augen verloren. Es gab zahlreiche einzigartige Emoticons, aber kein „Kopieren und Einfügen“, einen App-Store, allerdings keine Marketplace-Suche. Paul Thurrott, ein bekannter Microsoft-Enthusiast, wirft in seinem Blog einen Blick zurück in die Vergangenheit von Windows Phone und darauf, was die Zukunft mit Windows 10 bringen mag.

Mit der Vorstellung von Windows Phone 7 im Februar 2010 und dem Erscheinen der ersten Geräte Ende desselben Jahres strebte Microsoft danach, den mobilen Markt von Apples iPhone zurückzugewinnen und hatte dafür ein Konzept geschaffen, das sich nicht wie der Vorgänger Windows Mobile an Geschäftskunden richtete, sondern an den Endverbraucher, den Käufer von 600-Dollar Smartphones, den man drei Jahre zuvor ausgelacht hatte. Dabei unterschied sich das Konzept im Wesentlichen durch die grafische Benutzeroberfläche (GUI) und die Einfachheit Windows Phones, das Hubs statt Apps verwendete. In diesen fand der Nutzer alle seine Fotos, Kontakte, Statusmeldungen an einem Ort wieder. „Es war solch eine brillante Idee“, schriebt Thurrott „… in der Theorie.“ Die Oberfläche war definiert durch das schlichte, einfache „mehr-ist-weniger“ Metro-Design, das heute aufgrund Klageandrohung durch die deutsche Metro AG nicht mehr so genannt werden darf.

Marketplacehub-titel

Die Hubs wurden allerdings von den Nutzern gemieden, da es bei der Implementierung sozialer Netzwerke oftmals an Funktionen mangelte, Entwickler mieden die Implementierung, weil die Nutzer sie nicht verwendeten und so blieb der Startbildschirm, der sich beim Öffnen der Fotos-App zeigte, nur eine zusätzliche Hürde, um zu seinen Fotos zu gelangen. Er wurde mit Windows Phone 8 entfernt.

Vergessen bliebt der (geliebte) Zune-Musikplayer, das USB-Tethering vom PC aus, die Mediensynchronisation per WLAN mittels Zune, die Facebook-Integration in die Nachrichten-App, die kontextsensitive Suche, die Recent-Ansicht im Telefon-Hub sowie bald wohl auch die Räume. Es waren wohl Funktionen, die nur von wenigen genutzt wurden, aber Dinge, die Windows Phone in einer gewissen Weise einzigartig gemacht haben.

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Die einstigen Ideale des Metro-Designs sind heute nur noch in den Live-Tiles zu erkennen; die Hubs, Pivot-basierte Apps, die App-Leisten am unteren Bildschirmrand und das Panorama-Benutzererlebnis sind zunehmend weniger vorhanden und dürften mit Windows 10 komplett aussterben. All dies begann mit der Aufspaltung der Hubs, mit den Versuchen seitens Microsofts das nicht mehr Metro-konforme Design der neuen Facebook– und OneDrive-App zu rechtfertigen, der langweiligen Pulldown-Benachrichtigungsleiste und mündet schließlich in den „Hamburger-Menüs“ von Androids Material-Design in Windows 10.

Es dient einem höheren Zweck, wird von Microsoft wohl bald zu hören sein. Man will ein universelles Benutzererlebnis über verschiedene Geräte hinweg anbieten, den Umstieg und die Umgewöhnung einfacher gestalten und damit mehr Nutzer erreichen. Metro ist nur eine der mehreren Kapitulationen auf dem bislang steinigen Weg zu Windows 10 und für Microsoft ist zu hoffen, dass sie sich rentieren werden.

Man hat mit Windows 10 seine wichtigsten Unterscheidungsmerkmale von Metro aufgegeben und ist zur Konformität übergegangen. Windows Phone-Nutzer der ersten Stunde werden sich mit Windows 10 endgültig vom einstigen Potenzial der Plattform verabschieden müssen und Microsoft wird dafür hoffentlich neue Käuferschichten begrüßen können. Denn wehe, wenn nicht. Und was, wenn nicht?


(Bild-)Quelle(n): via Paul Thurrott

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