Nokia: Kein Comeback auf dem Smartphone-Markt | HERE: Deutsche Autobauer drohen den Finnen

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Viele unserer Kollegen waren sich in den letzten Tagen einig: Trotz des Verkaufs seiner Mobilfunksparte an Microsoft werde Nokia 2016 wieder eigene Smartphones herstellen. Gäbe es keine vertragliche Sperrfrist, könnten wir vermutlich schon jetzt die ersten Androiden mit dem markanten Schriftzug bestaunen. Zuletzt sollte sogar angeblich Mike Wang, ein chinesischer Nokia-Manager, die Pläne gegenüber SCDaily.cn bestätigt haben.

Nun zeigt sich jedoch, dass die Gerüchte eben nur eines waren: Gerüchte. Aus den feuchten Träumen vieler Fanboys wird (leider) nichts werden. Dies geht aus den wenigen Zeilen hervor, die Nokia heute auf seiner Webseite veröffentlicht hat:

Nokia notes recent news reports claiming the company communicated an intention to manufacture consumer handsets out of a R&D facility in China. These reports are false, and include comments incorrectly attributed to a Nokia Networks executive.

Nokia reiterates it currently has no plans to manufacture or sell consumer handsets.

Kurz und knapp dementiert das Unternehmen die bisherigen Medienberichte und stellt klar, dass man keine Absichten hege, erneut Mobiltelefone für den Consumer-Markt herzustellen oder zu verkaufen. Ganz auszuschließen ist es jedoch nicht, dass die Finnen ihren prestigeträchtigen Markennamen lizensieren, die Fertigung sowie den Vertrieb jedoch Dritten überlassen werden. Schließlich wurde bereits beim Tablet N1 ähnlich vorgegangen.

Es bleibt also alles beim Alten. Nokia sieht seine Zukunft als Netzwerkausrüster und hofft, den Konkurrenten Alcatel-Lucent übernehmen zu können. Den Kartendienst HERE (ehemals NAVTEQ) will man hingegen abstoßen.

Wer diesen übernimmt, treibt derweil das Konsortium bestehend aus Audi, BMW und Daimler um. Sollte Apple, Amazon, Facebook, Uber oder ein anderes US-amerikanisches, branchenfremdes Unternehmen den Zuschlag für HERE erhalten, drohen die Automobilhersteller damit, die bestehende Partnerschaft aufzukündigen und sich einem anderen Dienstleister zuzuwenden – beispielsweise der niederländischen TomTom N.V. Rund 30 Prozent seines Umsatzes verdankt HERE den deutschen Premiumherstellern, welche für ihre Navigationssysteme auf das Kartenmaterial aus dem Hause Nokia zurückgreifen.

Zudem kooperiert man im Bereich des „automatisierten und vernetzten Fahrens“. Die Automobilhersteller sind nicht gewillt, dieses Feld kampflos den Technologieunternehmen auf der anderen Seite des Atlantiks zu überlassen und sehen sich daher zu ihrem Schritt genötigt.

Allerdings schwingen sie ein recht stumpfes Schwert. Solange ein akzeptabler Verkaufspreis erzielt wird, dürfte es Nokia egal sein, ob HERE einige seiner wichtigsten Kunden verliert. Jeff Bezos (Amazon), Mark Zuckerberg (Facebook) oder Travis Kalanick (Uber) dürften Drohgebärden dieser Art ebenfalls völlig kalt lassen. Die Bieter sind an den Daten und der Technologie von HERE interessiert. Die Aussichten, inwieweit der Übernahmekandidat zukünftig profitabel betrieben werden kann, spielen indes eine untergeordnete Rolle. Zumal Nokias Tochter bereits seit längerer Zeit defizitär arbeitet und im vergangenen Geschäftsjahr einen operativen Verlust von 1,24 Milliarden US-Dollar erwirtschaftete.


(Bild-)Quelle(n): Nokia I, II, n-tv

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Consultant. Outdoor-Sportler. Serienjunkie. Braucht Kaffee. Mag Bourbon und Habanos. Liebt Champagne-Powder.

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