Project Astoria: Durchgesickerte Daten erlauben Installation von Android Apps auf Windows 10 Mobile

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Android Apps auf Windows 10

Mit Windows 10 (Mobile) unternimmt Microsoft einen erneuten Versuch, die kontrovers diskutierte und mittlerweile prominente „App-Lücke“ auszumerzen. Dabei konzentriert sich der Redmonder Konzern nicht ausschließlich auf einen Ansatz, sondern entwickelte und etabliert allmählich einen Strauß an Strategien.

Android Apps auf Windows 10 Mobile installieren

Dazu zählen unter anderem die Windows Brücken für iOS (Project Islandwood), Android (Project Astoria)  und WebApps (Project Westminster), mit deren Hilfe plattformfremde Anwendungen ihren Weg auf Windows Geräte finden sollen. Project Islandwood feierte kürzlich sein Debüt, während das Android Pendant – respektive die entsprechende Dokumentation und das SDK – vor Kurzem inoffiziell, aber umfangreich durchsickerte. Und dies, obwohl die öffentliche Beta von Project Astoria voraussichtlich erst im Laufe des kommenden Herbstes veröffentlicht wird. Das enthüllte Datenspektrum förderte wiederum teilweise neue Erkenntnisse im Zusammenhang mit Project Astoria zu Tage:

  • Das Project Astoria SDK wird gleichermaßen für Mac und Windows verfügbar sein.
  • Da Google Play Dienste für Windows Geräte nicht zur Verfügung stehen, bedürfen Android Apps – welche auf Google Play Dienste zurückgreifen – einer vorherigen Anpassung zur Implementierung von Microsoft Diensten. Es ergibt sich aus der Dokumentation allerdings nicht zweifelsfrei, ob die Anpassung zwingend erforderlich ist oder nur verhindern soll, dass die jeweiligen Anwendungen nicht den vollen Funktionsumfang besitzen. Sind Google Play Dienste nicht enthalten, entfällt dieser Schritt.
  • Das Project Astoria SDK erfordert ein System, das die folgenden Anforderungen erfüllt: Windows 8.1/10 (PC) oder OS X Yosemite (Mac); Java JDK (1.7 oder neuer); JAVA_HOME Umgebungsvariable muss gesetzt sein; IntelliJ oder Android Studio müssen installiert sein; minSdkVersion des App Projekts muss ≤ 19 (KitKat 4.4) sein.

Die Dokumentation ist über die am Ende zu findende via-Angabe erreichbar, auf eine direkte Verlinkung verzichten wir in diesem Fall. Viel spannender ist ohnehin die Möglichkeit, Android Apps – wie etwa Snapchat, Slack und Twitter –  ohne großen Aufwand auf Windows 10 Mobile Smartphones zu installieren. Das heißt, ohne dass die App zuvor durch den Entwickler in den Windows Store eingereicht worden ist und ohne jegliche Modifikation der .APK-Datei. Dies ist unter anderem dem Nutzer „Bandits ky“ (土匪ky) von tieba.baidu.com gelungen, aber auch wir wagten den Versuch und haben ein entsprechendes Anleitungs- und Beweisvideo angefertigt, welches am Ende des Artikels zu finden ist. Eine klassische schriftliche Anleitung findet ihr dort ebenfalls vor.

Windows Brücken – Königsweg oder Teufelskreis?

Android Apps auf Windows 10-phone

Außerhalb der inoffiziellen Wege, Android Apps auf Windows Smartphones zu installieren, stellt sich jedoch weiterhin die Frage, ob die Windows Brücken für iOS und Android Microsoft aus dem nicht enden wollenden Teufelskreis befreien können? Wer in die Vergangenheit blickt, weiß nämlich um die Entwicklung von gleichartigen Ansätzen bekannter Unternehmen.

So bewarb zum Beispiel IBM in den 1990er Jahren ihr ursprünglich in Kooperation mit Microsoft entwickeltes – und später selbständig fortgeführtes – OS/2 Betriebssystem als „ein besseres DOS als DOS und ein besseres Windows als Windows“. Dies aus dem simplen Grund, dass OS/2 zusätzlich zu nativen Anwendungen 16-bit Windows-Programme unterstützte. Entwickler standen folglich vor der Entscheidung, native OS/2-Programme für das OS/2 Betriebssystem oder aber 16-Bit Windows-Anwendungen für OS/2 und Windows 3.0 zu entwickeln. Dass die Wahl dabei nicht selten auf 16-Bit Windows-Anwendungen fiel, wird wohl jedem einleuchten. Nicht anders verhält es sich letzten Endes im Fall von BlackBerry und der Lizenzierung des Amazon App Stores für das BlackBerry 10 OS. Es werden keine hinreichenden Anreize für die Entwicklung von nativen BlackBerry 10 Apps gesendet – im Gegenteil, Blackberrys CEO John Chen kündigte zudem erst im März dieses Jahres die Portierung des „BlackBerry Erlebnisses“ auf iOS, Android und Windows mithilfe der BlackBerry Experience Suite an.

Microsoft läuft auf diesem Wege jedoch nicht nur Gefahr, zu dürftige Signale zugunsten der eigenen Plattform zu senden. Die Redmonder machen sich außerdem teilweise abhängig von ihren Konkurrenten. Auch diesbezüglich lässt sich IBM als Beispiel anführen: Noch während das Unternehmen damit beschäftigt war, die Kompatibilität des eigenen OS/2 mit 16-Bit Windows-Programmen zu bewerben, motivierte Microsoft die Entwicklergemeinde, 32-Bit Windows Programme für Windows 95 zu entwickeln. Ähnlich – aber nicht identisch – wird sich wahrscheinlich die Beziehung zwischen Google und Microsoft gestalten. Änderungen an APIs und am Funktionsset von Android werden grundsätzlich im Android-Subsystem für Windows Berücksichtigung finden müssen. Die starke Fragmentierung unter Android-Smartphones dürfte sich aber mildernd auf Googles Einfluss auswirken, denn viele Android-Anwendungen setzen gerade wegen der relativ großen, softwareseitig veralteten Nutzerbasis nicht die neueste Android-Version voraus. Apple dahingegen muss sich nicht mit einer vergleichbar ausgeprägten Fragmentierung plagen.

Wiederholt Microsoft  also die Fehler der Vergangenheit? Zur Beantwortung dieser Frage sollten zunächst die Unterschiede zwischen Astoria und Islandwood grob skizziert werden: Im Ergebnis gleichen sich die beiden Brücken, die zugrunde liegenden Technologien weichen aber erheblich voneinander ab.

Mit dem Android Subsystem (Astoria) befindet sich Microsoft nicht auf unbekanntem Terrain. Windows NT enthielt in den anfänglichen Versionen OS/2– und POSIX-Subsysteme, während das Win32-Subsystem bis heute ein fester Bestandteil in jeder Windows (NT-)Version ist. Insofern konnte das Unternehmen auf vorhandenem Wissen aufbauen, als es das Android Subsystem für Windows 10 Mobile ankündigte. Mit dem Android Subsystem implementiert Microsoft eine noch unbekannte Anzahl an Android APIs (Programmierschnittstellen) in Windows 10 Mobile, so dass die Anwendungen auf ebendiese zurückgreifen können. Im Rahmen der Build 2015 Konferenz gab Microsoft bekannt, dass unter anderem die APIs für das Dateisystem, Kontakte, Fotos, Sensoren, Kamera und Ressourcenverwaltung im Android Subsystem enthalten sein werden.

astoria-slide2

Das Subsystem wird somit vorinstalliert sein. Android Entwickler müssen sich daher nicht an eine neue Entwicklungsumgebung gewöhnen, sondern weiterhin mit IntelliJ, Eclipse und Android Studio sowie mit APK-Dateien arbeiten. Prinzipiell können Entwickler daher ohne nennenswerten Aufwand ihre Apps auf Windows 10 Mobile Geräte ausweiten. Möchten sie jedoch von den Windows spezifischen APIs Gebrauch machen oder benötigen ihre Anwendungen APIs, die nicht im Subsystem enthalten sind, werden Anpassungen unumgänglich sein. Demnach lizenziert Microsoft nicht lediglich den Android/Amazon App Store, wie es beispielsweise BlackBerry handhabt, sondern setzt voraus, dass Entwickler ihre APK-Dateien in den Windows Store einreichen. Sofern diese die Voraussetzungen erfüllen, werden sie schließlich in das Windows AppX-Format umgewandelt.

Das Project Islandwood unterscheidet sich im Wesentlichen dadurch von Astoria, dass in Windows 10 kein entsprechendes Subsystem mit einem umfangreichen Set an iOS APIs implementiert wurde. Es handelt sich demzufolge um gewöhnliche Windows Apps, welche im Win32 Subsystem laufen. Indessen wurden die Apps nicht in den klassischen Programmiersprachen wie C# oder C++ geschrieben, sondern basieren auf Objective-C. Die Entwicklungsumgebung unter Windows respektive Visual Studio versteht sich daher neuerdings mit Objective-C und Xcode Projekten. Damit interessierte Entwickler nicht gänzlich mit neuen APIs kommunizieren müssen, stellt Microsoft grundlegende von iOS bekannte APIs bereit. Schließlich unterstützt auch der Compiler Objective-C. Dies wird iOS Entwicklern die Möglichkeit eröffnen, ihre Apps auf diversen Windows-Hardwareplattformen zu veröffentlichen – namentlich 32-Bit und 64-Bit x86 sowie 32-Bit und 64-Bit ARM. Nach alledem bleibt festzuhalten, dass die Veröffentlichung von iOS Apps auf Windows 10 ein Mehr an Arbeit erfordert als im Fall von Android Apps. Die Kehrseite dessen ist, dass die iOS Anwendungen grundsätzlich ein besseres, an native Windows Apps erinnerndes, Benutzererlebnis bieten und darüber hinaus nicht lediglich auf Windows 10 Mobile beschränkt sind. Auch hier müssen Entwickler ihre Apps bei Microsoft einreichen.

Wie sich herausgestellt hat, existieren zwischen den Projekten Astoria und Islandwood sowie IBMs OS/2 und BlackBerrys Amazon App Store Lizenzierung entscheidende Unterschiede. Entwickler konnten IBMs OS/2 Betriebssystem nämlich gänzlich ignorieren und erreichten dennoch die Nutzer der Plattform. Selbiges gilt für Android Entwickler, die ihre Anwendungen im Amazon App Shop veröffentlichen. Auch sie müssen das BlackBerry 10 OS nicht einmal zur Kenntnis nehmen. Die Projekte Astoria und Islandwood setzen aber einen gewissen Grad an Interaktion mit Windows 10 (Mobile) sowie Microsoft zwingend voraus (abgesehen von dem unten beschriebenen inoffiziellen Weg). Ergo kann Microsofts neuer Ansatz sich sowohl als „ein weiterer Teufelskreis“ oder aber als Königsweg herausstellen. Welche Option letzten Endes eintritt, werden die kommenden Monate und Jahre verraten.

Anleitungen

Unterstützte Geräte

  • Nokia Lumia 920
  • Nokia Lumia 925
  • Nokia Lumia 929 (Icon)
  • Nokia Lumia 830
  • Nokia Lumia 930
  • Nokia Lumia 1520
  • Nokia Lumia 635 (1GB RAM Variante)
  • Nokia Lumia 730
  • Nokia Lumia 820
  • Nokia Lumia 435
  • Nokia Lumia 928

Vorgehensweise

  1. Lade die Tools wconnect und Android SDKs ADB von hier herunter. Entpacke die .rar-Dateien in einen Ordner.
  2. Öffne den Ordner wconnect und führe die beiden Dateien namens IpOverUsbInstaller.msi und vcredist_x86.exe aus.
  3. Öffne die Einstellungen auf deinem Windows 10 Mobile Gerät und begib dich zu Update & Sicherheit > Für Entwickler und aktiviere den „Entwicklermodus“ sowie die „Gerätesuche“. Der Code, welcher nach dem Koppeln angezeigt wird, sollte notiert werden, da er in einem späteren Schritt benötigt wird.
  4. Öffne im Windows Explorer den extrahierten wconnect Ordner, drücke in einem leeren/weißen Bereich Shift + Rechtsklick und klicke auf „Eingabeaufforderung hier öffnen“.
  5. Anschließend muss eine Verbindung zum Smartphone hergestellt werden, was entweder per USB (empfohlen) oder WLAN funktioniert: Falls die Verbindung per USB hergestellt werden soll, muss wconnect.exe usb in der Eingabeaufforderung eingegeben werden. Bestätige mit der Enter-Taste.Falls die Verbindung per WLAN hergestellt werden soll, muss wconnect.exe 192.168.xxx.xxx (ersetze xxx durch die IP-Adresse deines Netzwerks) eingegeben werden. Bestätige mit der Enter-Taste.
  6. In der Regel zeigt sich an dieser Stelle, ob das eigene Gerät unterstützt wird oder nicht. In der Folge weist eine Fehlermeldung auf ein Problem hin, eine positive Meldung wiederum auf Erfolg.
  7. Nun wird nach dem oben erwähnten Code gefragt, den du eingeben musst. Bestätige mit der Enter-Taste.
  8. Daraufhin begib dich zum extrahierten adb Ordner und öffne dort ebenfalls mittels Shift + Rechtsklick die Eingabeaufforderung.
  9. Um sicherzustellen, dass dein Gerät mit dme PC verbunden ist, tippe adb devices in das Feld ein und bestätige mit der Enter-Taste.  Nun sollte das verbundene Smartphone angezeigt werden.
  10. Zu guter Letzt musst du die zu installierende APK-Datei in denselben Ordner (adb Ordner) platzieren und in der Eingabeaufforderung adb install DATEINAME.apk (ersetze DATEINAME durch den Dateinamen der betreffenden APK-Datei) eingeben.
  11. Nach einer Weile sollte die Android App in der App-Liste deines Windows 10 Mobile Smartphones auftauchen.
  12. Tipp: APK-Sammlungen existieren im Internet zuhauf. Darunter beispielsweise apkmirror – die Nutzung dieser Dienste geschieht allerdings ausdrücklich auf eigene Gefahr!

via: WMPoweruser 1 & 2 | Quelle: tieba.baidu.com

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? Nerd. ☕ Kaffeejunkie. ⚖️ Hamburger Rechtsanwalt für IT-Recht und Datenschutzrecht, außerdem Vergaberechtsanwalt.

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