Microsoft Lumia

Microsoft Lumia 950 und 950 XL Hands-On: „Smartphone as a Service“

Microsoft Lumia 950 weiß seite

Microsoft hat einen Tag vor dem offiziellen Launch des Surface Pro 4 in Österreich zu einem Presseevent ins K47 in der Wiener Innenstadt geladen, wo man neben den Tablets auch die neuen Flaggschiff-Smartphones herzeigte und gleichzeitig eine wundervolle Aussicht genießen durfte. Besonders interessant waren für die Anwesenden das Continuum-Feature sowie das Entsperren des Smartphones mittels Irisscanner. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um uns einen ersten genaueren Eindruck von den Geräten zu machen.

Lumia 950 und 950 XL

Microsoft Lumia 950 Lumia 950 XL vergleich

„Überraschend dünn“ und „schöner als auf den Pressebildern“ war meine erste Reaktion auf die Geräte und in Wahrheit drückt das den ersten Eindruck von den Smartphones perfekt aus. Zudem ist der Rand um das Display sehr schmal gehalten, sodass beide Smartphones trotz ihrer Größe als durchaus handlich zu bezeichnen sind. Vor allem das Lumia 950 XL überrascht in dieser Hinsicht sehr, da es im Vergleich zum Lumia 1520 wesentlich leichter in der Hand liegt und bleibt.

Anstatt auf Unibody oder Aluminium setzt Microsoft bei den aktuellen Flaggschiff-Geräten auf eine abnehmbare Rückseite aus Polykarbonat, wohinter man Akku, MicroSD- und SIM-Kartenslot verbirgt. Verarbeitungstechnisch ist es grundsolide und einem Flaggschiff durchaus würdig.

Mit dem Design, vor allem dem Metallring rund um die Kamera, der an die Unterseite eines Kochtopfs erinnert, muss ich mich persönlich immer noch anfreunden. Aber dieser ist wesentlich dezenter, als die Pressebilder vermuten lassen und daher nur bedingt störend.

Display und Touch

Microsoft Lumia 950 display unten

Beide Lumia-Flaggschiffe sind jeweils mit einem QHD-AMOLED-Panel ausgestattet, welche sich lediglich in der Größe unterscheiden. Während das Lumia 950 ein 5,2-Zoll großes Display besitzt, kommt das Lumia 950 XL mit einem 5,7-Zoll großen Panel daher. Im ersten Eindruck konnte mich keines der beiden Geräte displaytechnisch wirklich überzeugen. Für ein AMOLED-Display sind die Farben sehr kalt und wirken leicht verwaschen, jedenfalls nicht so strahlend und klar wie beim Lumia 930.

Besonders interessant für uns war allerdings die Überprüfung eines Gerüchts und zwar hieß es lange vor dem Release der Geräte, dass das Lumia 950 XL Unterstützung für Eingaben via Surface Pen bieten werde. Wir haben das natürlich direkt ausprobiert und mit dem aktuellen Surface Pen einige Mal über das Display des XL-Geräts gewischt, leider ohne das gewünschte Ergebnis. Wir werden den Test noch einmal in OneNote durchführen, sobald uns ein Testgerät zur Verfügung steht.

Kamera

Microsoft Lumia 950 XL Schwarz Kamera

Mit den neuen Flaggschiffen gibt es wieder eine neue Kamera-Einheit und deren Ergebnisse können sich sehen lassen. Wir haben einige Bilder während des Events aufgenommen, welches um 18 Uhr im 7. Stock des K47 begonnen hatte. Daher fehlte natürliches Licht vollständig, die einzige Lichtquelle waren die bedingt hellen Leuchtmittel, also neben vollständiger Dunkelheit sehr schwere Lichtverhältnisse für eine Kamera.

Obwohl wir die Ergebnisse bislang nicht auf einem externen Display betrachten konnte, haben wir von der Kamera der beiden Geräte einen äußerst positiven Eindruck. Die Schärfe ist großartig, selbst aus größerer Distanz sind hineingezoomt noch viele Details gut erkennbar. Aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse kann wenig über die Farbreproduktion gesagt werden. Eine große Stärke hat die Kamera der beiden Lumia-Flaggschiffe und zwar Makro-, also Aufnahmen aus nächster Nähe. Selbst aus kürzester Distanz, nur wenige Zentimeter vom Motiv entfernt, kann die Kamera scharf fokussieren und eine wirklich gute Aufnahme erstellen.

Der erste Eindruck von der Kamera ist insofern sehr positiv und macht den Eindruck, dass sie wesentlich besser sein wird als die Einheit des Lumia 930. Diese hatte zwar ebenfalls ihre große Stärke bei Makro-Fotos, allerdings war sie im Innenraum nicht besser als das Mid-Range Lumia 830. Auch die Frontkamera hat sich beim Lumia 950 und 950 XL extrem verbessert.

Continuum ausprobiert

Das Continuum-Feature wird mit den Lumias 950 und 950 XL zum ersten Mal in die Hände von Endnutzern fallen und da es ein 100 Euro-Zubehör erfordert, werden nicht wenige die Frage stellen, ob sie es überhaupt benötigen. Grundsätzlich lässt sich die Frage mit „Nein“ beantworten, jedoch mit einigen Ausnahmen.

Die meisten Endkunden, die knapp 700 Euro für die Anschaffung eines Smartphones nicht scheuen, werden vermutlich ein Notebook, Tablet oder einen Desktop-Rechner zu Hause stehen haben, welche in der Regel mehr bieten, als Continuum (im Moment) beherrscht. Microsoft dürfte im Zuge von Werbekampagnen rasch hinzufügen, dass es nur bedingt für den Endkunden gedacht ist, sondern vornehmlich für Firmenkunden. So kann das Smartphone nicht nur unterwegs verwendet werden, vielmehr auch im Büro am Schreibtisch als Desktop. Dafür werden bei den meisten Unternehmen wohl einige Umstellungen nötig sein und an dieser Stelle muss Microsoft die Überzeugungsarbeit leisten.

Die Funktionsweise von Continuum ist überraschend einfach. Das Dock muss dafür lediglich mit dem Display verbunden sein, optional lassen sich auch eine eigene Tastatur und Maus sowie externe Speichergeräte koppeln. Das Smartphone wird mittels USB Typ C zu USB Typ A-Kabel mit dem Continuum Dock verbunden und schon wird am Display eine Art Windows-Desktop angezeigt.

Das Smartphone bleibt währenddessen weiterhin bedienbar, so dass sich beispielsweise Anrufe tätigen lassen. Steht keine Maus zur Verfügung, kann das Display als Touchpad verwendet werden. Das Interface erinnert stark an Windows 10: Unten links befindet sich der Start-Button, der allerdings nicht das herkömmliche Startmenü vom Windows 10-Dektop öffnet, sondern die Live-Tiles bzw. den Startbildschirm vom Smartphone anzeigt. Genauso wie am PC können nun Apps – im Vollbildmodus – geöffnet und Office-Dokumente erstellt/bearbeitet werden.

Irisscanner ausprobiert

Den Irisscanner der kommenden Lumia-Flaggschiffe haben wir selbstverständlich ebenfalls ausprobiert und auch dieser ist nicht nur erstaunlich schnell eingerichtet, sondern funktioniert auch in den schlechten Lichtverhältnissen des Events durchaus gut. Für die Einrichtung muss lediglich mehrere Sekunden lang in die Kamera geblickt werden, sodass beide Augen im Bild zu sehen sind. Je öfter die Einrichtung durchgeführt wird, desto besser kann die Kamera den Nutzer erkennen.

Das Entsperren des Smartphones via Irisscanner funktioniert daher denkbar einfach. Man drückt den Entsperren-Button, hält das Smartphone relativ natürlich und blickt auf das Display. Das rote Lämpchen neben der Kamera leuchtet auf und der Benutzer wird anschließend mit „Hallo“ begrüßt und kann danach sein Smartphone direkt verwenden. Meist funktioniert der Prozess in zwei Sekunden. Im relativ schlechten Licht beim Event hat das Entsperren in einem von neun Fällen nicht funktioniert.

Vorläufiges Fazit

Microsoft Lumia 950 XL Weiß Hands-On

Über Performanz, Akkulaufzeit und generell jedes nähere Detail zum Gerät können wir noch keine Details nennen, ohne es ausgiebig getestet zu haben. Insgesamt ist der erste Eindruck von den Smartphones besser als erwartet und es dürfte recht vielen Nutzern genauso gehen. In Videos und Pressebildern wirkt vor allem das Lumia 950 weniger interessant, als es in Wahrheit ist, und erinnert darauf viel eher an ein Lumia 640: Ein Eindruck, der sich beim Hands-On keinesfalls duchsetzt.

Äußerlich sind sie nicht großartig, was viele Käufer eines Flaggschiffs erwarten. Und aus dem Grund ist es eher unwahrscheinlich, dass massenhaft Kunden wegen der Geräte plötzlich zu Windows wechseln. Die Verarbeitung ist solide, das Design mittelmäßig, jedoch nicht auf dem Niveau eines iPhone 6, Galaxy S6 oder HTC One M9. Vielmehr kann man die Lumias mit den neuen Nexus-Smartphones vergleichen und genau da will Microsoft auch hin. Innerlich ganz oben dabei, äußerlich unterschätzt. Das ist ein Smartphone als Fan-Service.

Hands-On Video

Galerie

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"Entdeckung besteht darin, den gleichen Gegenstand wie alle anderen zu betrachten, sich aber etwas anderes dabei zu denken."
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