Über den Tellerrand geblickt: Schwache Apple-Keynote und Android N im Windows-Gewand

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Apple renew 1

Apple hat am Montag zwei neue Geräte präsentiert und während der Konferenz einige interessante Einblicke geboten in das Denken des Hard- und Softwarekonzerns aus Cupertino.

Zu Beginn sprach man über die Umwelt und den positiven Effekt, den Apple darauf habe. In 22 Ländern betreiebe man sämtliche Apple-Einrichtungen mit grünem Strom, sprich aus Wasser-, Wind- oder Sonnenenergie. Man sei darum bemüht, auch die eigenen Produkte recyclebar zu machen und hat dafür eigene Roboter entworfen, welche die einzelnen Bauteile der Geräte trennen, von den Schrauben bis hin zum Display. Die unterschiedlichen Komponenten können dann wiederverwendet werden. Nutzer von Apple-Geräten können ihre Geräte kostenfrei zum Recyceln an Apple senden.

Die Ideen von Apple sind sicherlich sehr interessant und man scheint wirklich bestrebt, möglichst wenig Elektroschrott zu produzieren. Ob es ein Marketing-Gag ist, Teil der Gewinnoptimierung oder tatsächliches Interesse an der Umwelt, darf jeder für sich entscheiden.

Alte PCs seien traurig anzusehen

Apple iPad Pro

Gleich im Anschluss der Präsentation des kleineren iPad Pro meinte Phil Schiller, dass über 600 Millionen PCs, die aktuell verwendet werden, über 5 Jahre alt sind. Dies finde er traurig, meinte er während der Keynote. Dabei ging es ihm darum, das neu vorgestellte iPad Pro mit 9,7-Zoll Display als PC-Ersatz zu vermarkten, scheint allerdings nicht ganz mit den Bestrebungen für die Umwelt konform zu sein.

Das kleine iPad Pro ist als Konkurrent zum Microsoft Surface 3 anzusehen. Es unterstützt Stifteingabe, besitzt ein etwa 10-Zoll großes Display und ist dem Hersteller zufolge ein Laptop, der den PC ersetzen kann. Es besitzt sehr ähnliche Hardware wie das iPad Pro un zusätzlich Sensoren, welche die Farbtemperatur eines Raumes aufnehmen und das Display darauf abstimmen, was vor allem für Designer, mit denen Apple das Produkt bewirbt, sicherlich ganz toll ist. Preislich beginnt die kleinere Variante ab 679 Euro für die Speicherkonfiguration mit 32 Gigabyte. Als Tastatur kommt erneut das Smart Keyboard Cover von Apple zum Einsatz, das für etwa 160 Dollar separat erhältlich ist, und das Tablet mittels eines Faltmechanismus an der Rückseite stabilisiert. Schon 2014 war beim HP Pavilion x2 ein solches Konzept zum Einsatz gekommen und es war durchaus problematisch, das Gerät im Schoß zu verwenden. Nachdem Microsoft und andere Hersteller bereits Jahre Erfahrung haben mit Convertibles, haben diese Geräte in Sachen bedienbarkeit ganz klar die Nase vorn.

Schwache Präsentation – Innovationstief bei Apple

Apple iPhone SE

Daneben gab es auf dem Special Event wie erwartet auch ein neues iPhone zu sehen, das den Namen iPhone SE trägt. Das Gerät ist grundsätzlich eine kleinere Version des iPhone 6S im 4-Zoll Format. Es besitzt denselben A9-Prozessor und dieselbe 12-Megapixel Kamera an der Rückseite, die imstande ist 4K aufzunehmen. Ansonsten müssen Nutzer auf einige Features verzichten, darunter ist statt einer 5 Megapixel Frontkamera, lediglich eine mit 1,2 Megapixeln verbaut und das 3D-Touch Feature ist nicht enthalten. Das Design ist praktisch ident zum iPhone 5 und 5S, wobei die Kanten etwas runter sind und die Farbvariante „Rose Gold“ verfügbar ist.

Mit diesen beiden Geräten wird Apple in ein günstigeres Preissegment eintreten, nachdem man mit der Apple Watch und dem iPad Pro eher eine wohlhabendere Kundenschicht angesprochen hatte. Tim Cook hofft, dass Apple durch die geringeren Anschaffungspreise neue Kundenschichten erreichen kann, sprich, man macht aus dem Strategiewechsel auch kein großes Geheimnis. In den USA wird das iPhone SE bereits ab 399 US-Dollar erhältlich sein, während es hierzulande 479 Euro kosten wird. Die Unterschreitung der 500 Euro-Marke dürfte es durchaus für viele Kunden interessant machen.

Wirklich neu sind beide Geräte allerdings nicht und während man immer noch zahlreiche Produkte erfolgreich verkauft, wird die Ungeduld der Fans größer. Die Innovationen bleiben aus und Apple läuft der Konkurrenz nur noch hinterher. Anstatt neuer Kategorien zu kreieren, versucht man mit anderen Herstellern Schritt zu halten, um auch etwas vom Kuchen abzubekommen. Seit dem iPad Mini geschieht bei Apple nichts Anderes mehr, was die Produkte zwar nicht schlechter macht, allerdings Risse an der Innovationsträger-Fassade verursacht. Die Vorreiterschaft in Sachen Innovation hat in vieler Hinsicht die Konkurrenz übernommen, teils auch Microsoft mit der Surface-Reihe. Für die Redmonder bleibt nun zu hoffen, dass sie sich auch im Mobilbereich darum bemühen, das Tempo vorzugeben.

Android N bringt Fenstermodus mit

Neuigkeiten gibt es auch von Google und zwar soll die kommende Android-Version einen „Freeform“-Modus enthalten, der mittels einer Modifizierung der Systemdateien aktivierbar ist. Danach wird ein Fenster-Modus aktiviert, in dem einzelne Apps frei bewegt, skaliert und übereinander gelegt werden können. Die Umsetzung erinnert stark an das Remix OS, eine Android-Variante, für Desktop-PCs auf Basis des Android x86-Projekts.

Mit immer leistungsfähigeren Mobilgeräten und Apps könnte der Fenster-Modus unter Android durchaus zum Spielverderber für Microsoft werden. Für zahlreiche Endkunden reicht schon jetzt ein Tablet für die Computing-Bedürnisse gänzlich aus und das dürfte die Tatsache, dass Apps immer mehr Funktionen bieten können, nicht ändern. Kombiniert mit einem Continuum-Klon könnte Windows für Endkunden, aber auch für Unternehmen, sehr schnell irrelevant werden.

In einer „Mobile first„-Welt hat Google aktuell die besten Chancen auf die Marktführerschaft, denn der PC-Markt schwächelt und immer mehr Nutzer ersetzen Laptops durch Tablets oder sogar gänzlich durch ihr Smartphone. Dank des frühen Einsteigs in den Markt mit Convertibles, hat Microsoft zumindest einen Teil der früheren PC-Kundschaft behalten können, aber es könnte noch sehr schwer werden gegen Android anzukommen. Es bleibt zu hoffen, dass Micrsoft diese Entwicklung nicht unterschätzt und innovativ weiterarbeitet, neue Produktkategorien, wie beispielsweise die Convertibles mit der Surface-Reihe prägt, und mit Windows auch im Mobilmarkt mitmischen kann.


Android N Screenshot via arstechnica

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