Weshalb das Lumia 950 für 400 Euro ein wirklich gutes Smartphone ist

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Microsoft Lumia 950 XL

Als ich das Lumia 950 vor einigen Monaten getestet habe, resümierte ich, dass es ein schlecht verarbeitetes Smartphone mit fragwürdigem Design ist, mittelmäßig stabiler Software, aber einer großartigen Performance und hervorragenden Kamera. Als ich nach dem Test mein geliebtes Lumia 830 wiederverwenden konnte, wusste ich erst, wie sehr ich den Metallrahmen vermisst hatte, die damit verbundene hochwertige Haptik. Schon damals wusste ich: Das Lumia 950 kann und wird besser werden, aber mir fehlten die Worte und Argumente, um dies zu erklären. Ich wusste, Microsoft hatte ein gutes Fundament gelegt, aber nicht, was genau besser werden würde.

Nun sind die Argumente da und entsprechend auch die Worte. Was hat sich seitdem geändert?

Einerseits natürlich der Preis. Sowohl Lumia 950, als auch das Lumia 950 XL sind in den letzten Wochen stark im Preis gesunken. Mittlerweile sind Microsofts Lumia-Flaggschiffe bereits bei 329 bzw. 349 Euro angekommen. Es sind jene Geräte, die Microsoft zum Launch sehr selbstbewusst an die 700 Euro-Marke gekettet hat. Wir alle, auch ich, haben „überteuert“ und „hässlich“ gerufen oder es sich zumindest gedacht. Bei einem Preis von 350 Euro sind sie wesentlich günstiger als zum Launch und im oberen Mid-Range Preisbereich angelangt.

Aber der Preis macht es noch lange nicht gut…

Das stimmt natürlich, aber es ist zumindest ein Anfang. Denn jemand, der Windows Phone beispielsweise nicht kennt und zufällig über die Geräte stolpert – aufgrund des fehlenden Marketings wird es anders gar nicht gehen als zufällig – könnte der Preis von 350 Euro wesentlich weniger abschrecken als 699 Euro.

Denn seit dem Launch der Lumias hat sich nicht nur der Preis ordentlich verbessert, sondern auch die Verarbeitung. Wie das geht? Durch MOZO-Cover. Zugegeben, Microsoft hat es nicht fertig gebracht, ein hochwertig verarbeitetes Smartphone auf den Markt zu bringen, aber das Unternehmen ließ die Möglichkeit offen, das Cover durch ein hochwertigeres auszuwechseln. Mittlerweile gibt es eine sehr große Auswahl und für die meisten Nutzer ist etwas dabei. Aus diesem Grund steht auch 400 Euro in der Headline und nicht nicht 329 oder 349 Euro.

MOZO-Cover… Es ist kein Bug, sondern ein Feature!

Bug Feature Lumia 950 MOTO Z

„MOZO-Cover sind eine Notlösung.“ Das ist ein Denkfehler. Wir sollten nämlich aufhören, die Cover und das Gerät separat zu sehen, also nicht als Fehler, sondern als Feature. Nehmen wir doch das gestern vorgestellte Motorola Moto Z her. Das neue Android-Flaggschiff der Lenovo-Tochter ist dank „Moto Mods“ modular. Der Nutzer kann diese „Mods“ separat erwerben und zum Beispiel einen Lautsprecher, einen Projektor oder aber auch nur ein Cover aus unterschiedlichen Materialen an die Rückseite anfügen. In der Fachpresse wird das als riesige Innovation gefeiert und auch ich will das gar nicht kleinreden. Es ist modular und das ist großartig.

Beim Lumia 950 ist das ein Fehler. Ohne Cover ist es hässlich und billig. Natürlich kann das Lumia 950 nur beim Cover „modular“ sein und keinen Projektor anfügen, aber reduziert man beide Geräte nur auf die Abdeckung, die auch beim Moto Z zweifellos die meisten Nutzer verwenden werden, dann sind beide Geräte auf Augenhöhe. Hören wir also auf, eines als Bug und das andere als Feature zu bezeichnen. Beides sind Features, nur das Moto Z kann eben etwas mehr.

Performance, Kamera, Akkulaufzeit

Lumia 950 und Lumia 950 XL weiß

Windows 10 Mobile ist seit dem Launch erheblich besser geworden und wesentlich stabiler als es damals war. Wer ein Lumia 950 damals getestet hat und es heute nochmals ausprobiert, wird den Unterschied schnell bemerken. Webseiten laden beim Wechsel in ein anderes Tab oder in eine andere App nicht neu, die Kamera startet schnell und stürzt nicht ab, was am Anfang zumindest in meinem Test in den blödesten Momenten passierte.

Zudem muss man sagen, dass die Kamera immer noch großartig ist. Ob sich an der Firmware etwas verändert hat, kann ich nicht sagen, aber der Start und der Fokus ist schnell, die Bildqualität ist überragend. Das Lumia 1020 war wirklich beeindruckend, aber in Sachen Dynamic Range hängt das Lumia 950 alle anderen Smartphones ab und sogar manche günstige Digitalkamera. Die Schärfe ist besser als bei vielen Android-Smartphones und das aus dem Grund, weil die Kamera-App unter Windows Phone einen sehr guten Automatik-Modus hat. Wer ein Android-Smartphone testet, wird schnell bemerken, dass viele die Lichtverhältnisse unterschätzen und daher eine längere Verschlusszeit nutzen. Es ist erstaunlich, wie gut Windows 10 Mobile die unterschiedlichsten Lichtsituationen regelt.

Das System wirkt auf keinen Fall komplett ausgereift, aber es ist mittlerweile wenigstens stabil und auch das ist etwas, was viele Nutzer zu schätzen wissen. „It just works“, hätte Steve Jobs hierzu gesagt und auch als absoluter Microsoft-Hasser wird man sich eingestehen müssen, dass das Lumia 950 all das gut macht, was es machen kann. Hat man es erst einmal eingerichtet, dann funktioniert das System einfach.

Was es nicht kann, kann es noch nicht. Und noch fehlen einige Funktionen in den Einstellungen, beispielsweise Double-Tab to Wake und selbstverständlich die Apps. Und natürlich wird es nie einen Projektor anstecken können, aber wer die jüngsten Entwicklungen rund um das Anniversary Update beobachtet und das Lumia 950 heute mit dem Lumia 950 vom Launch vergleicht, der wird zweifellos erkennen können, dass es weitergeht.

Lumia 950 wird besser

Würde das das Lumia 950 heute auf den Markt kommen zu dem Preis, zu dem es derzeit verkauft wird, und hätte Microsofts Marketing die MOZO-Cover nicht als Bug, sondern als Feature verkauft, dann wären viele ehrliche Tests anders ausgefallen.

Man hätte es vielleicht sogar als aggressiven Angriff gewertet, als einen wiederholten letzten Versuch sich Marktanteile zu schnappen und neue Nutzer zu gewinnen durch ein gutes Gerät mit guter Software, dem einzig und allein die Apps fehlen.


Dieser Artikel spiegelt lediglich die Meinung des Autors wider und nicht zwingen die, des gesamten Redaktionsteams.

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