Guideline zur Emotionsbewältigung beim Wechsel auf Android

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Microsoft ist mit dem Schiff gegen die Wand gefahren. Nicht nur einmal, sondern mehrfach. Dem ist grundsätzlich nichts vorzuwerfen, denn man hatte es ja anfangs versucht. Doch statt aus Lektionen zu lernen und Konzepte konsequent zu Ende zu führen, stehen wir jetzt wieder dort, wo wir bereits mit Windows Mobile und Windows Phone standen – in der Sackgasse. Aus der Schifffahrt wurde eine Irrfahrt. In Redmond zieht man weder die Reißleine noch lässt der Konzern durchblicken, wie es um die Zukunft des mobilen Betriebssystems bestellt ist. Diejenigen Nutzer, die anfangs mit viel Enthusiasmus auf Windows Phone setzten und jede neue Funktion feierten, wertvolles Feedback lieferten und freiwillig als Mr. Microsoft durch die Welt liefen, genau diejenigen trifft es jetzt am härtesten.

Ich, liebe Leserinnen und Leser, bin an dieser Stelle ganz ehrlich und sage euch, dass ich Windows 10 Mobile aufgegeben habe. Zu viele Enttäuschungen musste ich erleben, zu viele Versprechen wurden gebrochen und zu intransparent und unsicher ist die zukünftige Entwicklung des mobilen Betriebssystems. Um es vorab zu schreiben – ich bin seit Februar 2017 mit einem MEIZU MX6 unterwegs. Viele von euch mögen es nicht glauben, aber ich bin mit meiner Entscheidung zufrieden. Da ein Wechsel des Betriebssystems bei dem ein oder anderen von euch sicherlich auch mit Emotionen verbunden ist, habe ich die folgenden paar Zeilen verfasst. Ich möchte euch Hilfestellungen bei einem eventuellen Wechsel auf ein anderes Betriebssystem geben, die Fallstricke aus dem Weg räumen und begründen, wie ich von einem ehemals zufriedenen Windows Mobile-Nutzer zu einem zufriedenen Android-Nutzer werden konnte.

Android oder iOS?

Über diese Frage lässt sich sicherlich lange philosophieren, doch möchte ich sie an dieser Stelle nur kurz behandeln: Die Entscheidung fällt für euch Technikinteressierte vermutlich recht leicht. Wenn mich jemand fragt, ob ich ihm Android oder iOS empfehlen würde, dann stelle ich immer die Rückfrage: „Gehörst du einer Religion an oder nicht?“ Damit hat sich die Frage meistens schon beantwortet. Der Künstler „Bodo Wartke“ hat diese Thematik in einem Lied zusammengefasst:

Doch im Ernst: Zwar habe ich mich für ein Smartphone mit Android entschlossen. Doch gibt es auch den ein oder anderen Vorteil von iOS, den ich im weiteren Verlauf des Artikels noch aufgreifen werde. In diesem Artikel soll es aber primär um den Wechsel von Windows 10 Mobile auf Android gehen.

Was könnten wir vermissen?

Gleichgesinntes

Fragen wir uns zunächst, was wir beim Wechsel von Windows 10 Mobile auf Android vermissen könnten: Apps sind es sicherlich nicht (auch wir haben eine App für Android) – da sind wir uns wohl alle einig. Regelmäßige Updates können es auch nicht sein, obwohl Microsoft diesen Aspekt zu einem großen Pluspunkt herausarbeiten hätte können. Hätte, wäre, könnte – Microsoft hat es nicht getan: Mehrfach versprochene Updates für Windows Phone und Windows 10 Mobile wurden aus weniger verständlichen Gründen nicht ausgeliefert. Durch teils stark modifizierte Android-Versionen und unwillige Hersteller sieht die Situation bei Android zwar nicht besser aus, aber viel schlechter ist sie auch nicht, um ehrlich zu sein.

Also was ist es, das wir wirklich vermissen könnten? Und wie können wir diese Dinge auf Android wettmachen?

Integration von Microsoft-Diensten

Die Integration von Outlook.com, Office 365 und weiteren Exchange-Konten, die gerade im Geschäftsumfeld den Standard darstellen, gestaltet sich unter Microsofts mobilen Betriebssystem schon immer spielend einfach. Unter iOS funktioniert ein solches Vorhaben ebenso recht problemfrei. Wählt man Android, so stürzt man in eine tiefe Krise, wenn man nicht viel Geduld und eine hohe Toleranzgrenze mitbringt: Es ist schon vielmehr die Regel, dass bei der Einrichtung eines solchen Kontos Probleme und Unklarheiten auftreten. Gerade neulich ist es mir beispielsweise passiert, dass ein nicht modifiziertes Android erst eine halbe Stunde nach dem Hinzufügen eines Exchange-Kontos die Nachfrage stelle, ob auf den Kalender zugegriffen werden kann, sodass dieser auch in der Standard-Kalender-App angezeigt werden durfte. Eine halbe Stunde Fehleranalyse, eine halbe Stunde Frust, eine halbe Stunde vergoldet. So etwas darf nicht passieren und so etwas sind wir (in der Regel) nicht gewöhnt, da Windows 10 Mobile in dieser Hinsicht als sehr simpel gestaltet und funktional ausgerichtet ist.

Da sich der Ottonormalverbraucher vor einer solchen Tortur tendenziell drückt und lieber auf Apps zurückgreift, bietet Microsoft die Outlook-App für Android an. Diese soll E-Mails, Kontakte, Kalender und mehr zentral bereitstellen und auch in das Android-Betriebssystem integrieren. Grundsätzlich eine wunderbare Idee, wenn damit nicht erhebliche Einbußen in dem Nutzungsumfang von Android einhergingen:

  • Es ist nicht möglich, mit der Outlook-App synchronisierte Kontakte zu bearbeiten oder neue Kontakte hinzuzufügen.
  • Die Outlook-App bindet das Konto nicht (wie oben beschrieben) in das Android-System ein. Das hat zur Folge, dass andere E-Mail-Apps, die euch besser gefallen, nicht auf die E-Mails zugreifen können; das Konto ist ja nicht an einer zentralen Stelle hinterlegt. Somit kann auch nur die Outlook-App verwendet werden. Dies gilt nicht nur für E-Mails, sondern auch für den Kalender.

Daher ist mein Rat, das Microsoft-Konto als Exchange-Konto in Android einzubinden. Der erster Schritt ist jedoch der, dass ein Outlook.com-Nutzer überhaupt wissen muss, dass sein Konto seit der Umstellung auf die Office 365-Infrastruktur das Exchange-Protokoll unterstützt! So werden neben E-Mails auch Kalender und Kontakte synchronisiert – und zwar (dank der Nutzung des Microsoft-Protokolls) in beide Richtungen. Änderungen an den Kontakten sind somit möglich.

Microsoft macht viel Werbung für die Outlook-App und preist sie an unterschiedlichen Stellen an. Leider stellt der Konzern jedoch nur wenige Informationen darüber zur Verfügung, wie man ein Outlook.com-Konto als Exchange-Konto einbinden kann. Das ist sehr schade, da erprobterweise alles besser funktioniert (nachdem gegebenenfalls ein paar Hürden während der Einrichtung überwunden wurden). Vermutlich möchte man zumindest auf Android (und iOS) möglichst viele Apps an den Mann bringen.

Sofern ihr auf Outlook.com jedoch mit mehreren Kalendern arbeitet, lasst mich euch einen persönlichen Rat geben: Wenn ihr eurer Konto als Exchange-Konto im Android-System einbindet, wird nur der primäre Kalender synchronisiert. Nicht synchronisiert werden  – ich habe jedoch schon einmal Ausnahmen gesehen – alle anderen Kalender (auch nicht abonnierte Kalender). Die Outlook.com-App beherrscht diese Funktion jedoch. Ein wenig ironisch, wenn man bedenkt, dass das Nutzen mehrerer Kalender für den Ottonormalverbraucher eher eine Rarität darstellt, das Bearbeiten von Kontaktdaten jedoch eher alltäglich vorkommt. Beim Umstieg auf mein Android-Smartphone wurde auch ich vor die schwere Entscheidung gestellt, meine Kalender – aufgeteilt in Persönliches, Karriere und Termine – in einen Kalender zu fusionieren oder alternativ die Outlook.com-App nur für den Kalender zu nutzen. Ich habe mich dazu entschieden, meine Kalender auf einen einzigen Kalender zu reduzieren und mit Kategorien zu arbeiten.

Dateisystem und Offenheit

Eine große Umgewöhnung wird die Offenheit des Betriebssystems sein. Dieser Umstand bringt einige positive Eigenschaften mit sich: So lassen sich beispielsweise Modifikationen am System vornehmen, die man sich nicht einmal in den kühnsten Träumen unter Windows 10 Mobile geschweige Windows Phone vorstellen konnte. Andererseits muss die Offenheit nicht immer nur Positives mitbringen: Unter Android können sich die Apps in einem Maße austoben, wie wir es nicht gewohnt sind. Das beste Beispiel ist hierfür die Verteilung von Fotos, die sich über das gesamte Android-System erstreckt: Einige Fotos werden in dem Ordner DCIM, andere in dem Ordner Pictures gespeichert. Viele Apps speichern die Fotos jedoch auch direkt in deren eigenen Ordnern, wozu beispielsweise auch WhatsApp zählt. Ein geordnetes Backup aller Fotos wird somit zu einer Herausforderung.

An dieser Stelle ist der automatische Foto-Upload von OneDrive oder vergleichbaren Diensten ein echter Segen – denn so kann man wenigstens sicher sein, alle Fotos gesichert zu haben. OneDrive erkennt Ordnern mit Fotos automatisch und fragt, ob auch diese Ordner zum automatischen Foto-Upload hinzugefügt werden sollen.

Metro UI und Modern UI

Die Benutzeroberfläche mit Live-Tiles und einem Fokus auf die Typografie stellt ein besonderes Merkmal von Microsofts „neuer Welt“ dar. Microsoft hat mit der Designsprache ‚Metro UI‘ eine extrem schlichte und stark auf das Schriftbild fokussierte Designsprache vorgestellt. Im Zuge der aufkommenden Universal Apps wurde dieses einzigartige Konzept teilweise ausgedünnt und mit dem Hamburger-Menü ergänzt. Bereits damals gab es einen großen Aufschrei in der Windows-Community, denn das innovative Konzept hat durchaus gefallen und war sehr angenehm bedienbar. Mit den neusten Versionen der Microsoft-Apps und mit der neuen Designsprache ‚Neon‘ setzt der Konzern augenscheinlich wieder einen größeren Fokus auf die Typografie. Im gleichen Zuge scheint man das Hamburger-Menü wieder zu entfernen. Vielleicht sehen wir ja schon bald eine Kontakte-App, die der von Windows Phone 8 ähnlich sieht:

Auch die Live-Tiles (auf dem Startbildschirm von Windows Phone und sowie inzwischen auch im Startmenü von Windows 10) bieten einen einzigartigen Vorteil der Windows-Plattform: Statt wie bei iOS oder Android nur Symbole für die installierten Apps zu sehen, erhält der Windows-Nutzer direkt weitere Informationen über sich dynamisch anpassende Kacheln auf dem Startbildschirm: So werden beispielsweise aktuelle Nachrichten, neue E-Mails oder Wetterprognosen ohne das vorherige Öffnen einer App dargestellt. Unter iOS gibt es diese Funktionalität gar nicht. Einige Apps unter Android bieten Widgets, um weitere Informationen darzustellen. Diese Widgets folgen jedoch – im Gegensatz zu Windows – keinem festen Designschema und stellen immer nur eine Ergänzung zum eigentlichen App-Symbol dar. Auch die Möglichkeiten der Farbgestaltung des gesamten Betriebssystem und die damit einhergehende Personalisierung findet man nur beim Betriebssystem von Microsoft.

Welche Android-Version ist zu mir kompatibel?

Allgemeines

Für mich persönlich ist das Design von Windows 10 Mobile eine sehr wichtige Komponente, die mich lange bei dem Betriebssystem gehalten hat. Klar definierte Kanten, Abgrenzungen und die Schlichtheit sowie die bereits thematisierte Fokussierung auf die Typografie sind Elemente, die ich mit Windows assoziiere. Vermutlich gibt es viele von euch, die auch so denken. Mein Auswahlprozess für ein Android-Smartphone war somit maßgeblich durch das Design des zukünftigen Betriebssystems geprägt. Woran auch sonst? Apps gibt es ja fast keine mehr, sage ich einmal provokant.

Es gibt unter Android unterschiedliche Launcher, die die Oberfläche farblich und gestalterisch modifizieren. Mit dem Arrow Launcher bietet Microsoft auch einen sehr populären Launcher an, der regelmäßig aktualisiert und verbessert wird. Was aber, wenn nicht nur die Oberfläche der Startseite und des Sperrbildschirms geändert werden soll? Was, wenn wir das gesamte System weiter personalisieren möchten, da uns das Standard-Android nicht besonders gefällt? Dann gibt es zwei bekannte, stark modifizierte Android-Versionen, die man sich anschauen kann – MIUI von Xiaomi und Flyme von MEIZU.

Flyme 6 vs. MIUI 8

Ein Thread im Flyme Forum gibt Auskunft über die visuellen Unterschiede der beiden Systeme in jeweils aktueller, stabiler Version, die auch international zur Verfügung steht. Auf dieser Basis habe ich euch eine Gegenüberstellung ein paar wichtiger Apps gestaltet. Links seht ihr die MIUI 8-Oberfläche, rechts die Flyme 6-Oberfläche.

Updatepolitik

Eine Updatepolitik mit Herz für den Kunden liegt uns allen am Herzen. Aus eigener Erfahrung und ausführlichen Recherchen kann ich Folgendes hierzu beisteuern:

  • MEIZU stellt längerfristig Updates bereit. Der Release-Zyklus ist jedoch nicht sonderlich hoch. Im Laufe des Jahres werden viele Smartphones von Flyme 5 auf das aktuelle Flyme 6 aktualisiert. Die Versionsnummer von Flyme ist unabhängig von der darunter liegenden Android-Version. Zurzeit wird für die internationalen Versionen Android 6 als höchste Android-Version angeboten. Es laufen doch bereits Beta-Tests für Android 7, das Ende des Jahres für einige Geräte ausgeliefert wird. Das Flyme Forum ist oft eine gute Anlaufstelle.
  • Xiaomi hat sehr schnelle Release-Zyklen und stattet Smartphones schnell mit neuen Updates und Android-Versionen aus. Zurzeit ist MIUI 8 die aktuelle Version des Betriebssystems. Für MIUI 9 gibt es bereits ein Beta-Testprogramm; das neue System wird für viele Geräte ausgeliefert. Abgekoppelt ist auch hier die Version von MIUI von der darunter liegenden Android-Version. Aktuelle Geräte basieren im Gegensatz zu Flyme jedoch bereits auf Android 7.

Andere Smartphone-Hersteller, wie beispielsweise SONY, bieten zwar kein stark modifiziertes Android. Das resultiert jedoch (je nach Hersteller) in schnelleren Update-Zyklen. Dies sollte auch bei der Auswahl eines neuen Android-Smartphones beachtet werden.

Und noch ein Tipp am Schluss: Solltet ihr euch entscheiden, ein Gerät aus Asien zu importieren, seid ihr gut damit beraten, das aufgespielte Betriebssystem kritisch zu betrachten: Es kommt nicht selten vor, dass selbst renommierte Händler (so auch GearBest) eigene Versionen des Betriebssystem aufspielen, mit denen keine OTA-Updates mehr funktionieren. Ob und inwiefern weitere Software integriert wurde, ist nicht so einfach nachzuvollziehen. Das Aufspielen des originalen Betriebssystems kann sich – je nach Hersteller – als eine kleine Herausforderung herauskristallisieren. Daher empfehle ich einen direkten Kauf in Hong Kong; dort werden meistens die internationalen Versionen der Smartphones bei offiziellen Shops angeboten.

Emotionsbändigung at final

Ich hoffe, euch in diesem Artikel den ein oder anderen Tipps zur Bewältigung der Emotionen bei dem Wechsel von Windows 10 Mobile auf Android geben können. Ein solcher Wechsel hat mit Vertrauen, Loyalität und Verbundenheit zu tun – ein sicherlich nicht ganz einfacher Prozess für euch. Auch nicht für mich. Doch wer von euch also einen Generationenwechsel plant, dem kann ich guten Gewissens sagen: Ja, es ist wirklich möglich!

Wie seht ihr die Thematik und habt ihr bereits Erfahrungen mit Flyme oder MIUI sammeln können?

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Über den Autor

Windows Insider MVP • Dynamics 365 • Power Platform • Azure • Office 365

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