Surface Laptop Test – Das zweitbeste Notebook von Microsoft

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Der Microsoft Surface Laptop ist das erste echte Notebook aus der Hardware-Schmiede der Redmonder. Das Surface Book ist laut Microsoft der „ultimative Laptop“, aber in Wahrheit auch ein Detachable. Und während man das Surface Pro einst noch als Tablet, das den Laptop ersetzen kann, vermarktet hat, ist es heute ein „vielseitiger Laptop“.

Der Surface Laptop liegt laut Microsoft irgendwo dazwischen und richtet sich an alle, die einfach nur einen ganz normalen Laptop wollen. Seine Besonderheit ist laut Microsoft, dass der Surface Laptop einfach ein ausgewogenes Notebook ist, das Performance, Akkulaufzeit und Mobilität perfekt verbinden soll. Aber das sagen doch alle Hersteller. Microsoft behauptet mit dem Surface Laptop ein besonderes Notebook gebaut zu haben und in unserem Test wollten wir herausfinden, ob das denn stimmt.

Surface Laptop Test – Video

Surface Laptop Test – Design & Verarbeitung

Objektiv gesehen hat der Surface Laptop keine wirkliche Besonderheit, die ihn von der bestehenden Konkurrenz abheben könnte. Der Surface Laptop ist a-typisch für die Surface-Reihe, welche immer an die Grenzen der Innovation gehen und Risiken eingehen sollte, um neue Formfaktoren zu kreieren und die anderen Hersteller zu leiten. Microsoft selbst hat die Surface-Reihe so definiert.

Den Formfaktor Laptop gibt es allerdings schon lange und der Surface Laptop ist daher äußerlich nichts Neues. Der Surface Laptop ist wunderschön und fühlt sich wertiger an als jedes andere Notebook, das ich bislang in der Hand halten durfte. Es hat ein angenehmes Gewicht und fühlt sich trotz der geringen Tiefe sehr robust an. Die Displayklappe lässt sich mit einem Finger öffnen und daraufhin wird man sofort – wirklich absolut ohne Verzögerung – von Windows Hello eingeloggt. Alles fühlt sich so nahtlos an.

Surface Laptop ist nicht perfekt

Aber das ist es nicht. Der Surface Laptop bietet mit Abstand die beste Verarbeitung und ein wundervolles Design, aber er ist eben nicht perfekt.

Rein äußerlich gibt es zum Beispiel die kleinen Plastik-Auslassungen links und rechts am Gehäuse, wo die WLAN-Antennen angebracht sind. Sie haben eine leicht andere Farbe als der Rest des Gehäuses und sind für mich so unglaublich störend, nicht, wegen des Designs, sondern wegen dem Gefühl, das sie dem Nutzer geben. Sie machen den Eindruck, als sei an dieser Stelle irgendetwas nachträglich geschlossen worden, was hätte da sein können, wie bei zugemauerten Fenster alter Gebäude. Manche kennen dieses Gefühl vielleicht vom neuen Auto. Es gibt im Auto oft diese Knöpfe, welche keine sind. Dort, wo beim teureren Modell die Klimaanlage oder die elektrischen Fensterheber sind, hat man in der Einstiegsvariante einfach einen schwarzen Knopf, der sich nicht drücken lässt und nichts tut.

Dieses Gefühl geben einem diese Plastik-Auslassungen an der Seite des Surface Laptop. Sie wirken einfach billig und vermitteln das Gefühl, man würde auch irgendwelche optionalen Features verzichten. Hat man aber nicht, denn es gibt auch optional keinen SD-Kartenslot oder ein LTE-Modul. Geschweige denn einen USB Typ-C Anschluss…

Rote Flecken vom Surface Laptop

Das weit schlimmere Gefühl beim Surface Laptop als die ständige Vermutung, es gäbe ein Modell, wo diese Auslassungen gefüllt sind, ist allerdings der Schmerz, den der Surface Laptop verursacht.

Trägt man im Sommer kurze Hosen, was zum Beispiel Studenten ganz gerne tun, und klappt man den Laptop auf den nackten Beinen auf, zwickt das Scharnier häufig die Haut zwischen dem Display und der Unterseite des Notebooks ein. Ich habe am Oberschenkel nun einen mehrere Zentimeter langen roten Fleck dank des Surface Laptop. Es passiert nicht jedes Mal, aber immer dann, wenn man den Surface Laptop schnell im Schoß aufklappt und am wenigsten damit rechnet. Ich habe dasselbe daraufhin bei mehreren anderen Notebooks getestet und sowohl das Dell XPS 13 als auch das HP Spectre x360 zwicken nicht beim Aufklappen.

Das sind Kleinigkeiten und das Zwicken ist natürlich verkraftbar, aber es sind eben Dinge, welche kleine Spalte in diese perfekte Fassade reißen, welche Microsoft durch das eigene Marketing sorgfältig kreiert hat. Wie hat jenes Unternehmen nicht daran denken können, das den Begriff „Lapability“ erfunden hat?

Surface Laptop Test – Display

Das Display des Surface Laptop ist genauso wie die Verarbeitung auf absolutem Top-Niveau. Die Blickwinkel sind perfekt und die Farben leuchten wie bei kaum einem anderen Notebook. Die Farbdarstellung ist sehr satt und Fotos darauf zu betrachten ist wirklich ein Traum. Das Display ist etwas wärmer kalibriert, was sich vor allem bei weißen Flächen bemerkbar macht. Die Schwarzwerte sind gut und die Helligkeit auch für den Betrieb draußen bei Sonnenlicht ausreichend.

Die Besonderheit beim Surface Laptop ist allerdings neben der Qualität des Displays auch das Seitenverhältnis von 3:2. Damit ist das Display dieses Notebooks wesentlich höher als bei anderen Geräten. Das hat durchaus Vorteile. Ein Interface, wie jenes von Photoshop, profitiert von diesem Seitenverhältnis, während man bei Videobearbeitung eher Platz verliert. Letzteres wird man am Surface Laptop allerdings ohnehin nicht tun wollen. Im Web oder in Dokumenten hat das hohe Display im Prinzip nur Vorteile. Man kann auf Webseiten mehr erkennen und muss seltener scrollen. Die Balken, welche bei der Betrachtung von Videos im Vollbildschirm auftreten, empfinde ich überhaupt nicht als störend.

Tastatur und Touchpad

Ich mag die Tastatur des Surface Pro sehr, weil sie hervorragend ist, dafür, dass sie in einem höchstens 5 Millimeter dünnen Tablet-Cover Platz finden darf. Das Type Cover des Surface Pro ist der Gold-Standard bei Tablet-Tastaturen und man vermisst sie wirklich bei Geräten wie dem Lenovo Miix 510. Diese Tastatur hat Microsoft offenbar beim Surface Laptop verbaut und meiner Ansicht nach war das ein Fehler. Das Surface Book hatte diese perfekte Tastatur, welche Microsoft von Apples alten MacBook „gestohlen“ hat, während sich Apple aufgemacht hat, um diese sinnlosen Butterfly-Tastaturen zu bauen.

Die Tastatur des Surface Laptop ist gut zum Arbeiten, aber sie ist weitaus schlechter als beim Surface Book und meiner Ansicht nach auch nicht besser als die aktuellen Tastaturen, welche beispielsweise HP bei den eigenen High-End Notebooks verbaut. Sie fühlt sich beim Surface Laptop einfach irgendwie billig an und passt nicht zum außerordentlich hochwertigem Rest des Notebooks. Auch das Tastaturlayout ist nicht ganz perfekt. So ist die linke Shift-Taste unglaublich klein, was manchmal Tippfehler provoziert. Als Surface Pro-Nutzer kann man sich leicht daran gewöhnen, jedoch macht man als Nutzer eines der vielen anderen Premium-Ultrabooks eher ein Downgrade in dieser Hinsicht. Der Anspruch des Surface Laptop ist allerdings ein weit Höherer.

MacBook-Touchpad unter Windows 10

Dafür kann man Microsoft beim Touchpad am Surface Laptop absolut nichts vormachen. Es ist mit Abstand das beste Touchpad auf einem Premium-Ultrabook und konkurriert wirklich nur mit dem SurfaceBook oder Apples MacBooks. Es ist schnell, präzise, reagiert außerordentlich zuverlässig und bietet auch ausreichend Fläche, was bei heutigen 13-Zollern nicht mehr selbstverständlich ist. Beim Touchpad hat Microsoft ganze Arbeit geleistet und zeigt allen anderen Hersteller, dass Touchpads in Windows-Notebooks schon lange nicht schlecht sein müssen. HP, Lenovo, Dell und Co. – Bitte nachmachen!

Surface Laptop Test – Audio

Genauso verhält es sich auch beim Audiogerät, welches beim Surface Laptop nochmals einen Tick besser ist als alle bisher von uns getesteten Notebooks. Der Sound ist klarer als bei der Konkurrenz, die Bässe kräftiger und sogar noch eine Spur lauter. Was Soundqualität betrifft, haben wir bislang kein besseres 13-Zoll Notebook gehört und das, obwohl sich viele Hersteller im Gegensatz zu Microsoft Parnterschaften mit einigen Premium-Audioherstellern haben und deren Logos die Geräte zieren.

Software und Performance

Ausgestattet mit einem aktuelle Intel Core i5-Prozessor der Kaby Lake-Generation, 8 Gigabyte Arbeitsspeicher und 256 Gigabyte SSD schafft der Surface Laptop sämtliche Alltagsaufgaben gänzlich ohne Probleme und vielleicht sogar etwas mehr.

Begrenzt wird der Surface Laptop nur durch das Betriebssystem, nämlich Windows 10 S. Man ist dadurch auf Windows Store-Programme beschränkt und wenn man mit Microsoft Edge zufrieden ist und alle Anwendungen aus dem Store beziehen kann, die man braucht, dann reicht es völlig. Windows 10 S reicht für mich am Surface Laptop völlig aus, solange ich diesen nur privat nutze. Spotify, Telegram, Office und ein Webbrowser sind da, aber sobald etwas mehr Arbeit erledigt werden soll, ist das Betriebssystem ungeeignet. Die Adobe Creative Suite gibt es nicht im Store, genauso wenig einen alternativen Browser, der absolut robust und immer zuverlässig läuft. Edge ist das leider nicht und insgesamt ist der Surface Laptop mit Windows 10 S für produktives Arbeiten eher ungeeignet. Für einen Studenten, der nur oben genannte Programme verwendet, reicht das wahrscheinlich. Wer etwas mehr braucht, muss wohl wechseln.

Der Nutzer kann natürlich innerhalb eines Jahres auf Windows 10 Pro upgraden und das dürften wohl auch die meisten Käufer machen, spätestens, sobald ihnen eine Anwendung fehlt. Dann wird der Surface Laptop zum echten Produktivgerät und das Upgrade auf Windows 10 Pro ist kinderleicht.

Surface Laptop Akkulaufzeit

Microsoft nennt beim Surface Laptop eine Laufzeit von bis zu 14 Stunden. Wir wissen aus der Vergangenheit, dass Microsoft bei den Surface-Modellen allerdings auch ganz gerne etwas übertreibt. Beim Surface Laptop kann der Wert von 14 Stunden aber auch in der Praxis erreicht werden.

Wir haben das Notebook mehr als 10 Stunden lang bei höchster Helligkeit durchgehend nutzen können bei leichten Aufgaben, beispielsweise dem Surfen im Internet, Beantworten von Emails usw. Wer die Helligkeit auf die Hälfte zurückdreht, was zuhause dank der sehr guten Helligkeit des Displays problemlos geht, könnte durchaus auf die versprochenen 14 Stunden kommen.

Anstatt eines USB Typ-C Anschlusses zum Laden verbaut Microsoft weiterhin den proprietären Surface Connect-Stecker. Zum vollständigen Aufladen benötigt der Surface Laptop etwas länger als 2 Stunden.

Hitzeentwicklung

Während des Ladens wird der Surface Laptop im Betrieb sehr unangenehm warm bzw. sogar heiß. Allzu lange will man dann die heiße Oberfläche auf der Unterseite selbst mit der Handfläche nicht anfassen und die Nutzung im Schoß ist somit praktisch unmöglich.

Aber auch während des Akkubetriebs wird der Surface Laptop wärmer als andere Notebooks und die kleine Lüfterschlitze an der Rückseite scheint nicht für die Kühlung auszureichen. Häufig muss der Lüfter aufdrehen und wird dabei gelegentlich auch recht laut.

Surface Laptop Test – Fazit

Im Pflichtenheft kann Microsoft hinter allen Vorgaben einen Haken setzen, aber zu einem guten Notebook gehört viel mehr als das. Es macht sehr viele Dinge besser als alle anderen Notebooks: Es hat ein besseres Display, bietet besseren Sound, ist perfekt verarbeitet und hat ein schönes, dezentes und einzigartiges Design.

In beinahe allen einzelnen Kategorien schlägt der Surface Laptop seine Konkurrenz, aber das macht ihn trotzdem nicht zu einem vernünftigen oder besseren Laptop. Der Surface Laptop ist ganz einfach unvernünftig und das nicht auf eine positive, wilde Art, wie ein 15 Millimeter dünnes Gaming-Notebook oder ein 3500-Euro-17-Zoll-Koloss. Der Surface Laptop ist einfach unvernünftig.

Im Jahr 2017 darf man von einem Laptop, einem Tablet und einem PC mehr erwarten. Dafür steht auch die Surface-Reihe! Microsoft selbst hat uns 2015 mit dem Surface Book gezeigt, dass wir von einem Laptop mehr erwarten dürfen. Ein besseres Display, die Vielseitigkeit eines Tablets, einen Stift, eine großartige Tastatur, ein tolles Touchpad, eine großartige Performance für das Arbeiten unterwegs kombiniert mit einer Akkulaufzeit für den ganzen Tag. All das, um uns knapp zwei Jahre später zu erzählen, der beste Laptop sei ein ganz normaler Laptop.

Wir widersprechen klar. Wenn ihr einen Surface Laptop wollt, kauft euch ein Surface Book. Und wenn ihr ein Premium-Notebook wollt, gibt es von Dell, HP, Lenovo, ASUS und vielen anderen Herstellern viele sehr gute, sehr schöne und vor allem wesentlich günstigere Alternativen.

Wäre der Surface Laptop dann auch wirklich einwandfrei, wofür es eine bessere Tastatur, eine geringere Hitzeentwicklung, einen zukunftsfähigen Typ-C-Port und ein Scharnier bräuchte, welches nicht zwickt, dann könnte man den Surface Laptop wirklich als bestes Notebook titulieren. Aber davon ist er weit weg, denn im Bereich über 1000 Euro ist schon der kleinste Fehler ein grobes Versagen und diese kleinen Fehler machen andere Geräte nicht.

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WindowsArea.de Wertung
Design & Verarbeitung 75%
Tastatur & Touchpad 76%
Display 92%
Audio 94%
Performance & Software 70%
Akkulaufzeit 90%
82% normal
Readers Rating 0%
0 Bewertungen

Microsoft hat uns beigebracht, dass wir von der Surface-Reihe mehr erwarten dürfen und uns vor knapp zwei Jahren schon das ultimative Notebook präsentiert. Jetzt macht man einen großen Schritt zurück und will uns erklären, der beste Laptop sei ein normaler Laptop. Wir widersprechen klar.

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Über den Autor

21 Jahre alt, Redakteur bei WindowsArea.de. You had me at "beta".

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8 Kommentare auf "Surface Laptop Test – Das zweitbeste Notebook von Microsoft"

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Dauerburner
Mitglied

Gilt das 1 Jahr Upgrade auf Pro ab Kaufdatum oder ab Erscheinungsdatum des Gerätes auf dem Deutschen Markt?

Ratrick Preiser
Mitglied

Können wir denn dieses Jahr noch mit einem Surface Book 2 bzw. einer Neuauflage rechnen ?

Basti
Mitglied

Schwer zu sagen. Gerüchte gibt es dazu noch keine. Ich könnte mir aber einen Nachfolger vorstellen, wenn er gegen November kommt.

Basti
Mitglied

Für mich hat sich das Surface Laptop wohl erledigt. Schade eigentlich. Den Alcantara Bezug hätte ich mir anders vorgestellt. Im Microsoft Store konnte ich mir den Laptop neulich mal kurz anschauen. Irgendwie fühlte sich der Bezug sehr „plump“ an. Es kann daran liegen, dass es einfach ein Ausstellungsstück war, allerdings soll man das Gerät ja auch etwas länger verwenden. Dazu kommt noch die nicht vorhandene Reparierbarkeit. Momentan würde ich sogar eher zum MacBook (Pro) greifen als zum Surface Laptop.

carioca
Mitglied

Nur 13,5 Zoll ist für mich ohnehin nur ein Format eines Spielzeugnotebooks.

Für ein richtiges Notebook bzw. Laptop braucht es zum produktiven Arbeiten (und speziell als Desktopersatz) mindestens 15,6 Zoll und vor allem deutlich mehr Schnittstellen!!

Zudem wären heutzutage 512GB Speicherkapazität auch eine Minimalgröße für ein vollwertiges Notebook.

So wie das „Surface Laptop“ momentan daherkommt, viel zu klein und praktisch ohne Anschlußmöglichkeiten, wäre mir auch die 512GB Version nur 1000,- € wert. Stattdessen wollen die dafür sagenhafte 2.500,- Euronen. Unfaßbar!

Das Ding ist doch nur ein gnadenlos überteuertes LifeStyle Produkt zum Angeben im Biergarten.

Basti
Mitglied

Die Marke Surface ist nun aber nicht für ihr sagenhaftes Preis-Leistungs-Verhältnis bekannt.

Kommando
Mitglied

Und deshalb kaufen die auch nur Markenfetischisten. Schade, aber selbst schuld…

fredi_830
Mitglied

Würde ich die 256 GB Version für 1000€ bekommen, dann würde ich fürs Surface Book sogar mein Pro 4 verkaufen… aber 1.450€ sind mir zu viel, es sei denn es hätte eine Iris 640 Plus drinnen.

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