Andromeda OS – Wir erklären Microsofts modulares Windows 10-System

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Schon häufiger ist in unserer Berichterstattung der Codename „Andromeda“ gefallen, doch wirklich ein Zusammenhang zu CShell, Redstone 3 und Windows 10 konnte nie hergestellt werden. In diesem Artikel klären wir, was es mit Andromeda OS auf sich hat.

Andromeda OS – Microsofts Smartphone-Zukunft hat einen Namen

Die Begrifflichkeit Andromeda hängt schon länger in der Windows-Community in der Luft, aber nicht nur für Microsoft hat dieser Name eine Bedeutung. In der griechischen Mythologie ist Andromeda beispielhaft für die Rettung durch einen Helden, ein literarisches Thema, das bis in die Neuzeit beliebt war. Abseits davon gibt es noch den Konkurrenten Google. Dieser will das Smartphone-Betriebssystem Android und Chrome OS zusammenführen, um nach der Marktführerschaft im Smartphone-Markt langsam auch den Desktop zu erobern. Der Codename des Betriebssystems: Andromeda.

Microsoft scheint den Namen von Google übernommen zu haben, denn die ersten Gerüchte über den Codenamen tauchten erst kurz nach Leaks im Google-Lager auf. Die Redmonder sehen in Andromeda eine Chance, erneut im mobilen Markt mitzumischen.

Im Gegensatz zu Google will man allerdings nicht versuchen, das Smartphone-Betriebssystem auf den PC zu bringen, sondern das umfangreichere Computer-Betriebssystem auf das Smartphone. Dieses Projekt fasst Microsoft unter dem Codenamen „Andromeda“ zusammen.

Andromeda OS – Erst nur Software

Anfangs waren wir davon ausgegangen, dass Microsofts Project Andromeda ausschließlich Software sei. Microsoft plante eine „universelle Desktop-Experience“, welche die Shell aller Windows 10-Geräte vereinen soll. Derzeit haben Windows 10 PCs, Xbox One, HoloLens, Surface Hub, Windows 10 IoT und noch Windows 10 Mobile denselben Kern, den OneCore. Darin finden sich einige Kernkomponenten eines Betriebssystems, wie Schnittstellen für Entwickler sowie Treiber für unterschiedliche Eingabegeräte und Komponenten. Der OneCore ist der Grund dafür, dass Universal Windows Apps auf allen Geräten laufen können.

Wo sich allerdings alle Windows 10-Editionen unterscheiden, ist die Shell. Die Shell eines Betriebssystems ist im Grunde das, was wir davon sehen, das Interface, was uns als Benutzer mit einem Betriebssystem interagieren lässt. Mit CShell plant Microsoft auch diese Komponente von Windows 10 über alle Formfaktoren hinweg zu vereinen, ob nun Windows 10 am Desktop-PC, Notebook, kleinem Tablet, Smartphone oder Fernseher. Dafür muss die Shell von Windows 10 modular werden und sich entsprechend anpassen können. Schon jetzt funktioniert der Übergang zwischen Tablet und Desktop fließend, doch in Zukunft soll das noch weiter gehen. Windows 10 soll nach Fertigstellung der CShell über alle Geräte hinweg skaliert werden können, sodass es für all diese Formfaktoren keine eigenen Versionen mehr brauchen wird. Windows 10 Mobile, aber auch das Xbox-System werden redundant.

Wie weit ist Microsoft mit CShell?

Mit Redstone 3, also dem Windows 10 Fall Creators Update, sollte bisherigen Informationen zufolge die Entwicklung von CShell beginnen und erste Spuren davon sind bereits im Betriebssystem gesichtet worden. So ist zum Beispiel die neue Tastatur in Windows 10 bereits eine CShell-Komponente, aber auch das Startmenü wurde in internen Builds bereits entsprechend angepasst, dass es mit kleineren Geräten, zum Beispiel Smartphones, funktionieren kann.

Mit Redstone 4 will Microsoft diese Entwicklung fortsetzen und nachdem in Windows 10 ein „Smartphone-Modus“ implementiert wurde, soll dann auch eine eigene Shell für Fernseher folgen. Mit dem Redstone 4-Update dürfte auch Xbox ein volles Windows 10 bekommen.

Andromeda, das „Surface Phone“

Im Laufe der Zeit haben wir dann auch gelernt, dass Andromeda nicht nur ein Codename für Microsofts Vorhaben für das Windows 10-Betriebssystem ist, sondern, dass es sich dabei höchstwahrscheinlich auch im Hardware handelt.

Erste Hinweise darauf wurden bereits in Windows 10 gesichtet. Einerseits wurde der Name „Andromeda“ in der Windows-Registry erwähnt, interessanterweise genau in der Windows-Shell. In der „DefaultClassId“ in der „CoreShell“ ist „Andromeda“ als Wert eingetragen. Zudem gibt es eine Schnittstelle, welche die „Haltung“ eines Geräts definiert und für die Erkennung interessanterweise nicht einen, sondern zwei Beschleunigungssensoren benötigt. Kein normales Smartphone oder Tablet braucht zwei solche Sensoren, während sie bei einem faltbaren Gerät sinnvoll sein könnten. Die Shell kann dadurch erkennen, wie dieses Gerät gehalten wird, um das Interface für den Nutzer entsprechend anzupassen. So zum Beispiel beim Wechsel zwischen Smartphone und Tablet.

Andromeda OS: Wann kommt es?

Monate nachdem bekannt wurde, dass Microsofts Andromeda-Projekt nicht nur ein Andromeda OS ist, sondern das Unternehmen auch die Hardware dafür bauen will, gab es erneut einen sehr zuverlässigen Bericht eines langjährigen Microsoft-Kenners. Darin hieß es, dass bei Microsoft tatsächlich bereits ein Prototyp eines „Surface Phone“ existiert, welches man intern entweder als Andromeda oder als „Smartphone-ähnlich“ bezeichnet. Dabei meidet man vor allem die Begrifflichkeit Smartphone, immerhin verbindet man damit keine wirklichen Erfolge. Wenn das Gerät erscheint, könnte es zwar tatsächlich der Surface-Reihe angehören, aber, dass es tatsächlich Surface Phone heißen wird, ist sehr, sehr unwahrscheinlich. Microsoft möchte mit dem Smartphone endgültig Schluss machen.

Dieser zuvor erwähnte Andromeda-Prototyp werde unter der Leitung des HoloLens-Erfinders Alex Kipman entwickelt. Dieses Gerät werde LTE-Konnektivität besitzen und Desktop-Programme ausführen können, was vermutlich über Windows 10 ARM gelingen wird. Es gab sogar eine Erwähnung eines möglichen Preises: Dieses Andromeda-Gerät soll angeblich das Äquivalent des Surface Book-Preises unter Notebooks bei Smartphones kosten. Microsoft wird es als Premium-Produkt vermarkten und den Preis entsprechend hoch ansetzen.

Microsofts Neustart im Smartphone-Bereich wird kommen und nachdem man Windows 10 Mobile langsam ausbluten lässt, wird man sonst ohne mobilem Betriebssystem dastehen. In einer Zukunft, die immer mobiler wird, muss Microsoft mit Windows 10 etwas zu bieten haben, denn ohne Windows 10 wäre das Unternehmen auch im Business-Bereich weit nicht so relevant.

Will man die eigene Stärke dort weiter ausbauen, wird man verhindern müssen, dass Google mit dem eigenen „Andromeda OS“-Projekt noch vor Microsoft den Desktop und das Smartphone verbindet. Beide Unternehmen haben dieselbe Ausgangslage. Während aber Google mit einem Monopol am Smartphone-Markt startet und sich „nach oben“ kämpfen will, wird Microsoft versuchen, Windows 10 erfolgreich auf den Smartphone-Formfaktor zu bringen. Es kündigt sich ein außerordentlich spannender Wettkampf zweier Technik-Giganten an, der auch sicherlich für Innovation im stagnierenden Smartphone-Markt sorgen wird.

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