Snapchat bleibt auf hunderttausenden Spectacles-Brillen sitzen

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Snapchat war vor einigen Jahren die App schlechthin, welche vor allem jüngere Nutzer auf der mobilen Windows-Plattform vermisst hatten. Nicht selten war es die einzige App, die ihnen fehlte. Es war ein Aushängeschild dafür, was Windows Phone seinerzeit fehlte. Snapchat-CEO Evan Spiegel hatte sich damals über Windows Phone lustig gemacht und Nutzer per Twitter gefragt, ob das tatsächlich noch jemand verwendet.

Seinen persönlichen Groll gegen Microsoft ließ der Unternehmer über sein Produkt an den Redmondern aus, wahrscheinlich zur damaligen Zeit auch mit tatkräftiger Unterstützung durch Google, das einst jeden Versuch blockiert hatte, eine YouTube-App für Windows Phone bereitzustellen. Snapchat wurde nämlich auch von Google finanziert.

Nach einer gescheiterten Übernahme von Snapchat durch Facebook hat Mark Zuckerberg die Konsequenz gezogen. Er hat die Funktionen des konkurrierenden Dienstes kopiert und in die eigenen Dienste implementiert. Seitdem befinden sich die Nutzerzahlen von Snapchat auf Talfahrt, der Wert der Aktie hat sich seit dem Börsengang halbiert.

Snapchat könnte es in den nächsten Monaten finanziell allerdings noch schwerer haben. Das Unternehmen steht nämlich vor einer Mega-Abschreibung über „hunderttausende“ unverkaufte Spectacles-Brillen. Nach dem anfänglichen Hype rund um die Snapchat-Brillen ist die Nachfrage nun eingebrochen. Selbst nach der Reduktion des Preises von 180 auf 129 US-Dollar bleiben die Kunden aus.

Der Konzern hat sich ordentlich verkalkuliert. Während das Angebot zu Beginn begrenzt war durch Pop-Up-Stores, war die Nachfrage nach den Spectacles enorm. Seitdem gibt es die Spectacles-Brillen im regulären Handel und da sind sie Ladenhüter. Das Unternehmen hatte auch nach dem offiziellen Marktstart und der breiten Erhältlichkeit damit gerechnet, dass die Snapchat-Brillen verkauft werden. Ein Irrtum, der dem Konzern teuer zu stehen kommen könnte.

Die unverkauften Brillen wird Snapchat abschreiben müssen, was das Ende für den Konzern bedeuten könnte. Im Jahr 2016 machte Snapchat einen Verlust von 514 Millionen Dollar und gab gegenüber der Börsenaufsicht bekannt, dass man womöglich nie profitabel wird. Während Microsoft die Surface RT-Abschreibung in Höhe von 900 Millionen US-Dollar mit einem tränenden Auge hinnehmen und bekannterweise mit dem Produkt dennoch erfolgreich weitermachen konnte, dürfte interessant werden, ob Snapchat das überleben wird.

In einem Rennen um die Zeit wird sich zeigen, ob das von Snapchat-Chef verhasste Windows Mobile zuerst offiziell eingestampft wird oder ob sein Unternehmen in Konkurs geht. Microsoft scheint unterdessen allerdings bereits für die Zukunft zu planen mit Windows Core OS.


via mspu / Bildquelle (Comic): K.C. Green

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