6 häufige Windows-Fehler, an denen Windows selbst aber keine Schuld trägt

14

When in doubt, blame the OS. Zu Deutsch: Im Zweifelsfall dem Betriebssystem die Schuld geben. Nach dieser Maxime denken und handeln leider viele User. Heraus kommt das seit Windows 95 über alle Versionen hinweg kolportierte Klischee, dass die MS-Betriebssysteme „ja so oft abstürzen“ würden – ein Argument, welches besonders häufig von denjenigen weiterverbreitet wird, die mit Windows gar keinen Kontakt haben. Das soll zwar keine Generalabsolution für das OS sein – auch dieses Programm kann Fehler beinhalten. Aber weitaus häufiger ist nicht das Betriebssystem Schuld, wenn etwas hakt, sondern andere Gründe. Sechs besonders häufige zeigen wir nun.

1. Extrem langsamer Shutdown

Windows soll heruntergefahren werden, bleibt aber mitten in diesem Prozess hängen. Bis der Rechner endgültig ausgeschaltet ist, vergehen mitunter Minuten. Und obwohl es viele Gründe für dieses Verhalten geben kann, bricht doch meistens alles auf zwei Dinge zurück: Hard- bzw. Software.

Um herunterzufahren, sendet das OS an sämtliche offenen Programme und Geräte (etwa Drucker, Tastaturen usw.) das Signal „Klarmachen zum Herunterfahren“. Und erst wenn die angesprochenen Systeme „Klar“ zurücksenden, fährt Windows herunter. Das Problem resultiert daraus, dass das Betriebssystem jedem Programm eine voreingestellte Zeitspanne zumisst, innerhalb der es antworten kann. Bloß weigern sich eben oft Geräte bzw. Programme, zu antworten – ein typischer Kommunikationsfehler, an dem nicht das OS Schuld ist, sondern meist nicht aktualisierte Treiber.

Wenn es öfter hängt, sollte demnach der erste Schritt daraus bestehen, die Treiber der infrage kommenden Anwendungen zu updaten. Hat auch das keinen Erfolg, bleibt nur die „Kissen aufs Gesicht“-Option. Dazu drückt man [Win-Taste] + [R] und tippt dort regedit ein. Im sich öffnenden Registrierungseditor sucht man nach HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Control. Rechts im Feld zeigt sich dann unter WaitToKillServiceTimeout die Zeit in Millisekunden, die Windows auf die oben erklärten Antworten wartet, bevor es das Programm von selbst abschaltet. Hier kann man nun editieren und einen Wert zwischen 1000 (= 1s) und 20.000 (= 20s) eingeben und so die Shutdown-Zeit beschleunigen.

Achtung: Dieser Workaround wird jedoch nur erfahrenen Nutzern empfohlen. Setzt den Wert keinesfalls auf nur 1 Sekunde, nutzt stattdessen eher einen Wert um 15 Sekunden als Ausgangspunkt.

2. VLC Bildschirm bleibt schwarz

Der VLC-Videoplayer gehört zu den Programmen, welche sich die meisten User herunterladen, schon weil es unter Windows 10 mit den normalen Bordmitteln nicht mehr möglich ist, DVDs oder Blu-rays abzuspielen – Microsoft möchte nämlich mit seiner Windows-DVD-Player App Geld verdienen. Verständlich ist es bei der Menge an VLC-Downloads daher, dass ebenfalls Probleme auftreten können – die aber ebenfalls in aller Regel nichts mit Windows zu tun haben, sondern dem Programm selber. Einer der häufigsten VLC-Fehler ist dabei, dass das Dateiformat nicht abgespielt werden kann. In aller Regel liegt dieser Fehler nur darin begründet, dass in der Bibliothek von VLC nicht das passende Codec vorhanden ist. Dann lässt sich die Sache schon meist damit beheben, dass man das Passende installiert – oder alternativ das Video in ein gängigeres Format konvertiert.

3. Kein Sound im Edge Browser

Man will ein Video im Web anschauen, das Bild läuft, aber der Ton bleibt aus. Wem gibt man natürlich zunächst die Schuld? Microsoft. Dabei liegt es in den allermeisten Fällen am berühmt-berüchtigten Flash Player, den Experten schon längst als enormes Sicherheitsrisiko eingestuft haben.

Und weil das auch bei Microsoft bekannt ist, wird nun auch bei Edge seit geraumer Zeit das automatische Ausführen von Flash-Inhalten blockiert – einfach aus Sicherheitsgründen. Will man die Inhalte trotzdem konsumieren (und sein Gerät somit wie erwähnt einem gewissen Risiko aussetzen), muss man im Edge-Browser oben rechts auf die drei Punkte klicken. Im sich öffnenden Dropdown-Menü dann auf Einstellungen > Erweiterte Einstellungen anzeigen gehen und die Schaltfläche unter Adobe Flash Player verwenden aktivieren. Danach sollten die Inhalte zu sehen und zu hören sein.

4. Kein Norton nach Win-10-Update

Besonders die User, die von einer älteren Windows-Version auf Nummer 10 upgraden, stellen hernach oft erstaunt fest, dass ihr externes (für teures Geld erworbenes) Sicherheitspaket von Norton sich offenbar nicht mehr auf dem Rechner befindet. Natürlich wird Windows dafür als Verursacher entlarvt. Dabei liegt es auch hier am Programm selbst, denn wo viele andere Softwares den Umstieg auf das neue Betriebssystem ohne Probleme mitmachen, reagiert das Norton-Sicherheitstool etwas eigenbrötlerisch und passt sich nicht von selbst Windows 10 an. Selbiges gilt für andere namhafte Hersteller, auf die ihr die folgende Methode anwenden könnt.

Um die Sache zu kurieren, muss einfach nur die Windows10NortonUpgrader.exe heruntergeladen und als Administrator ausgeführt werden. Das Programm aktualisiert sich dann von selbst und lädt die notwendigen Updates herunter, um auf Windows 10 reibungslos zu funktionieren.

5. Schlechtes Druckbild nach Upgrade

Eben noch unter Win 8.1 hochauflösende Drucke angefertigt, nach dem Update auf Windows 10 kommt dann nur noch Mittelmaß aus dem Ausgabeschacht von Tinten- oder Laserdrucker. Besonders häufig passiert das bei älteren Modellen. Mit Windows hat es allerdings nichts zu tun, denn gerade die Druckertreiber-Datenbank ist mit voller Absicht sehr umfangreich bestückt worden und enthält auch sehr viele ältere Geräte, die weiterhin unterstützt werden.

Das Problem ist jedoch in aller Regel, dass der Drucker sich, oder besser gesagt seine auf Windows installierten Funktionen, während des Upgrades auf das neuere Betriebssystem selbst wieder in den Ursprungszustand zurücksetzt – und der ist bei den allermeisten Geräten nun mal die Toner- bzw. Tinten-sparende Economy-Funktion, die zu den erwähnten schlecht auflösenden Bildern führt. Der Drucker setzt sich also quasi selbst auf die Werkseinstellungen zurück. Natürlich ist die Lösung von Druckermodell zu -modell verschieden, es läuft aber praktisch immer darauf hinaus, in das Einstellungsmenü des Geräts zu gehen und dort die Qualität wieder auf „hoch“ zu setzen, damit dürfte das Problem bereits behoben sein. Falls nicht, die Windows-Einstellungen aufrufen, dort auf Geräte klicken, Drucker oder Scanner hinzufügen und von dort aus den zum Drucker gehörigen Treiber manuell updaten. Nach einem Neustart dann abermals die Druckeinstellungen aufrufen und dort die Qualität überprüfen.

6. Firefox-Probleme

Obwohl Microsoft mit Edge einen durchaus leistungsfähigen Browser anbietet, der überdies auf mobilen Endgeräten viele andere Browser mit der erreichbaren Akkulaufzeit in ihre Schranken weist, gibt es dennoch manche User, die gerne auf den weit verbreiteten Open-Source-Browser Firefox oder sonstige Drittanbieter-Browser setzen.

Und kommt es dann zu den typischsten Problemen mit diesem Browser, wird der „Schwarze Peter“ ganz schnell wieder Microsoft zugeschoben. Oft mit der Begründung, dass man dort die Kompatibilität mit anderen Browsern mit Absicht verhindere. Das ist zu eng gesehen. Nehmen wir beispielsweise folgende „Probleme“:

  • Geänderte Startseite
  • Google-Suche zeigt vor den eigentlichen Ergebnissen eine Menge „merkwürdiger“ Ergebnisse
  • Unerwünschte Leisten, Add-ons oder Toolbars
  • Werbe-Pop-ups

Dann ist in aller Regel nicht Windows der Übeltäter, sondern vielmehr das Surf-Verhalten des Benutzers. Die obigen Symptome sind nämlich ziemlich sichere Zeichen dafür, dass man sich eine Schadsoftware eingefangen hat, die über irgendeine browserseitige Sicherheitslücke ins System gelangte und nun dafür sorgt, dass der Feuerfuchs sich merkwürdig verhält.

In diesem Fall sollte man sofort den implementierten Defender, (für Windows 7) Security Essentials oder zumindest den Microsoft Safety Scanner auf sein System herunterladen und das Programm seine Arbeit machen lassen – es sucht Malware, schickt diese in Quarantäne und löscht sie. Und anschließend sollte man sein Surf-Verhalten einer kritischen Kontrolle unterziehen. Denn in den allermeisten Fällen fängt man sich solche Malware nicht auf Facebook und anderen „großen“ Seiten ein, sondern auf irgendwelchen obskuren Videodiensten oder beim Herunterladen von Dingen aus nicht sicheren Quellen. Um letzteres zu vermeiden, sollte jeder Download vor dem Ausführen durch einen Scanner überprüft werden.

Schlusswort

Auch wenn es leicht ist, bei Problemen auszurufen „Thanks, Microsoft“, so ist in den meisten Fällen diese Kritik jedoch an den falschen Empfänger adressiert. Natürlich hat auch Windows 10 Verbesserungspotenziale – das ist aber kein singuläres Microsoft-Problem, sondern liegt in der Natur einer so komplexen Software, wie es ein Betriebssystem nun mal ist. Und oft liegt es einfach daran, dass die Hersteller externer Soft- und Hardware schlicht nicht mit dem gleichen Elan daran arbeiten, die Kompatibilität ihres Produkts zu verbessern, wie es zumeist bei den Redmondern getan wird.


(Bild-)Quellen: energepic.com / Pexels, Life Of Pix / Pexels, typographyimages / pixabay

Über den Autor

Student, Nerd & Xbox-Fan.

14
Hinterlasse einen Kommentar

Please Login to comment
6 Comment threads
8 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
10 Comment authors
CopyConstructortomwaretowaderformfaktorantonrumata Recent comment authors
  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
CopyConstructor
Mitglied
CopyConstructor

Wtf? Für diese Fälle machen User tatsächlich Windows verantwortlich?

BerndOH
Mitglied
BerndOH

Und bei mir ist es so, dass meine Telefonanlage nur an einem ganz bestimmten USB-Anschluss funktioniert. Trotz aktuellem Treiber.

plohish1966
Mitglied
plohish1966

„Obwohl Microsoft mit Edge einen durchaus leistungsfähigen Browser anbietet“
Ich lache schon.

Knight
Mitglied
Knight

Wieso? Ich bin mir momentan gar nicht sicher ob ich einen Alternativ-Browser auf dem System habe und „Oh Wunder“
ich hatte bis jetzt noch keine erwähnenswerten Probleme.
Also ich find den Edge gut!

tomware
Mitglied
tomware

Edge ist wirklich gut, solltest den Browser erst einmal testen, bevor du so etwas schreibst!!!

CopyConstructor
Mitglied
CopyConstructor

Edge ist ein moderner browser auf dem Niveau anderer moderner Browser. Wer anderes behauptet beweise es bitte. Der Kommentar ist reichlich deplaziert.

derformfaktor
Mitglied
derformfaktor

Wer nutzt denn noch ernsthaft Norton und bezahlt für diesen Mist? Da gibt’s wirklich bessere und bedienfreundlichere AV zu günstigeren Preisen…
Ich find’s gut, dass soetwas mal angesprochen wird. Doch leider ist der gemeine Nutzer nicht immer so aufmerksam im Internet bzw. so gut geschult mit seinem Betriebssystem, dass er auf alles achtet, was schlecht sein könnte… In den meisten Fällen haben sie auch gar keine Lust, sich damit auseinanderzusetzen – ein leichtes Ziel für Angreifer.

Okan Doğan
Webmaster

Hast schon recht. Aber oft habe ich den Eindruck, dass Norton das „Tempo“ der Antivirensysteme ist. Deshalb führen wir es hier als Beispiel an.

towa
Mitglied
towa

Früher war das sicherlich so, ich habe vor zig Jahren auch gute Erfahrungen damit gesammelt. Aktuell läuft bei mir noch eine G DATA Lizenz, die ich aber nicht nutze da ich damals noch eine der letzten Dauerlizenzen für Malwarebytes ergattert habe. 😉

antonrumata
Mitglied
antonrumata

Ich benutze diesen „Mist“ und komme damit seit Jahren wunderbar klar.
Sie sollten Ihre Meinung nicht für den Nabel der Welt halten!

derformfaktor
Mitglied
derformfaktor

Wie schon gesagt. Man kann sein Geld auch besser anlegen. Aber wenn’s „reicht“…

towa
Mitglied
towa

Norton macht seinen Umsatz mittlerweile vermutlich hauptsächlich mit ahnungslosen Telekomkunden die für 3,99 EUR im Monat das Sicherheitspaket gebucht haben (und davon gar nichts wissen), einige wenige davon nutzen den Norton 360 dann wohl auch noch. 😀

towa
Mitglied
towa

Guter Artikel, eine Kleinigkeit gibt es aber doch zu korrigieren.
„Und weil das auch bei Microsoft bekannt ist, wird nun auch bei Edge seit geraumer Zeit das automatische Ausführen von Flash-Inhalten blockiert“
Soweit korrekt, das Ausführen wird blockiert, der FlashPlayer ist aber NICHT in den Einstellungen deaktiviert, sondern man muss Flash rechts von der Adressleiste einfach nur bestätigen. 😉

DevilDesire
Mitglied
DevilDesire

Sehr schön geschrieben 👍