Google Cloud: Künstliche Intelligenz für das Geschäft mit dem Krieg

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Während der Google I/O-Entwicklerkonferenz präsentierte das Unternehmen ein freundliches Bild der eigenen künstlichen Intelligenz für Smartphone-Nutzer und Heim-Anwender. Künstliche Intelligenz könne unser aller Leben besser machen und das wurde mehrfach demonstriert.

Dass Google auf der anderen Seite genau diese Erkenntnisse und Forschungsarbeiten an künstlicher Intelligenz nutzt, um das US-amerikanische Militär zu unterstützen, wurde mit keinem Wort erwähnt. Ist man da einfach nicht patriotisch genug oder weiß man, wie die Öffentlichkeit zu dem Thema steht? Die großen militärischen Mächte der Welt rüsten sich für einen Krieg, welcher mithilfe von künstlicher Intelligenz noch tödlicher, noch schneller und im noch größeren Maßstab geführt werden kann.

Google Cloud und das Militär

Im Juli 2017 trafen sich 13 hochrangige Militärbefehlshaber mit einigen Google-Mitarbeitern, um die Möglichkeiten zu besprechen, wie Technologie auf dem Schlachtfeld genutzt werden kann. Ein Google-Manager namens Milo Medin erklärte, dass man künstliche Intelligenz in virtuellen Kriegsspielen nutzen könnte. Der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt schlug vor, diese Technologie zu nutzen, um eine Strategie zu planen für einen potenziellen Krieg mit China in den nächsten 20 Jahren, denn er vermutet, dass China mit künstlicher Intelligenz in der Kriegsführung bereits weiter fortgeschritten sei als die USA.

Einige Monate später hatte die Google Cloud-Sparte einen Auftrag des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums, um an Project Maven zu arbeiten. Google soll dabei die Überwachung per Drohnen mit den eigenen KI-Technologien verbessern. Bei dem Deal könnten für Google mehrere Milliarden US-Dollar herausspringen.

Widerstand innerhalb Googles – Mitarbeiter kündigen

Google ist ein Konzern, wo sehr offene Werte gelebt werden, im Grunde typisch für die San Francisco Bay Area. Dieser Vertrag mit der US-Regierung ist dort ähnlich beliebt wie der aktuelle US-Präsident selbst.

Mehr als 4.000 Mitarbeiter haben bereits eine Petition unterschrieben, welche von Google-CEO Sundar Pichai verlangt, die Arbeit an Project Maven nicht fortzusetzen und das „Geschäft mit dem Krieg“ zu beenden. Es sieht derzeit allerdings nicht so aus, als würde das passieren. Der Google Cloud-Deal mit dem Pentagon könnte dem Unternehmen bis zu 10 Milliarden US-Dollar einbringen. Der Google-Chef soll allerdings an einer Liste an ethischen Prinzipien arbeiten, um die Entwicklung und Bereitstellung von Googles künstlicher Intelligenz zu beschränken.

Auf der anderen Seite sitzen Medin und Schmidt allerdings nicht nur in den Führungsetagen von Google, sondern auch im Defense Innovation Board des US-Verteidigungsministeriums. Sie haben somit großen Einfluss auf beide Seiten und befürworten die Zusammenarbeit zwischen Google und dem US-Militär. Auch Googles Cloud-Chefin Diane Greene steht voll und ganz hinter dem Pakt mit der US-Regierung und sie erklärte, dass es für Google kein Novum sei:“Google arbeitet seit einer langen Zeit mit der Regierung zusammen.“

Einstieg in das Geschäft mit autonomen Waffen?

Die Google-Mitarbeiter sind besorgt, dass einerseits die Arbeit an Project Maven nicht nur das beinhaltet, was man der Öffentlichkeit preisgibt und andererseits, dass Google über diesen Weg in das Geschäft mit autonomen Waffen einsteigen könnte.

Mehrere hochrangige Mitarbeiter von Googles AI-Forschungsabteilung DeepMind haben erst letztes Jahr einen offenen Brief an die Vereinigten Nationen unterschrieben, wo man strenge Maßnahmen fordert gegen die Herstellung von autonomen Waffen. „Tödliche autonome Waffen [werden] es ermöglichen, dass bewaffnete Konflikte in einem größeren Maßstab als je zuvor und in kürzerer Zeit als Menschen zu begreifen in der Lage sind geführt werden.“

Die größte Sorge von Experten ist derzeit, dass aktuelle Technologien schlichtweg nicht zuverlässig genug sind, um autonom eingesetzt zu werden. Ein Beispiel dafür ist der Fall der beiden Al Jazeera-Journalisten, die auf der „Todesliste“ vom US-amerikanischen Drohnenprogramm gestanden sind.

Googles Vergangenheit mit Regierungsaufträgen

Der Aufstand der Mitarbeiter bei Google ist angesichts der Tatsache verständlich, dass das Unternehmen in der Vergangenheit sehr streng gegen solche Aufträge war. Nachdem Google im Jahr 2011 das Startup für Gesichtserkennung Pittsburgh Pattern Recognition übernommen hatte, kündigte man alle Regierungsverträge des Unternehmens. Dasselbe gilt für den Roboter-Hersteller Boston Dynamics, wo im Jahr nach der Übernahme durch Google sämtliche Verträge mit der US-Regierung endeten.

Seit Diane Greene allerdings an der Spitze der Google Cloud-Einheit steht, ist das Unternehmen nicht mehr derart konsequent. Greene hat beschlossen, um die Regierungsaufträge zu kämpfen und der US-Regierung gerne auch künstliche Intelligenz anzubieten. Intern soll Greene die Zusammenarbeit mit der US-Regierung folgendermaßen vor Mitarbeitern gerechtfertigt haben:“Wenn wir es nicht tun, wird es ein anderer skupelloserer Konkurrent tun.“

„Die Technologie reflektiert unsere Werte“, sagte Googles AI-Chef Fei-Fei Li während der Google I/O-Konferenz und Diane Greene nickte zustimmend. Google-Mitarbeiter vertrauen aktuell noch darauf, dass CEO Pichai ihrer Bitte Folge leisten wird und Project Maven auf Eis legt. Es bleibt jedenfalls interessant, ob mit Google eines der größten Unternehmen in der Forschung mit künstlicher Intelligenz diese Technologie auch für militärische Zwecke bereitstellen will.

Gibt es bei Microsoft das Geschäft mit dem Krieg?

Microsoft hat mit Satya Nadella an der Spitze einen CEO, der sich in der Vergangenheit sehr häufig für ethische Grundlagen für künstliche Intelligenz ausgesprochen hat. Satya Nadella hat 2016 bereits sechs Regeln für künstliche Intelligenz festgelegt und darunter auch den Punkt, dass man die Würde des Menschen stets achten muss.

In diesem Zusammenhang mit AI und Militär ist ein Mann bei Microsoft allerdings noch viel wichtiger als Satya Nadella selbst. Eric Horvitz ist führender KI-Forscher bei Microsoft Research und im Prinzip Microsofts Sprachrohr, wenn es um Ethik bei künstlicher Intelligenz geht.

Microsoft lehnt Aufträge ab

Er teilte erst im April 2018 mit, dass Microsoft bedeutende Umsatzeinbußen hinnehmen würde, wenn man vermutet, dass ein potenzieller Kunde die künstliche Intelligenz des Unternehmens nicht für gute Zwecke verwenden könnte. Man hat zwar noch nie den Vertrag eines bestehenden Kunden fristlos gekündigt, allerdings bereits viele Kunden dafür abgewiesen.

Horvitz teilte in einem Interview mit, dass Microsoft strenge vertragliche Grenzen festlegt, wofür die künstliche Intelligenz verwendet werden kann und wofür nicht. Microsoft hat dafür auch ein eigenes Ethik-Komitee eingerichtet, das solche Fragen klären soll.

Microsoft hat derzeit zwar Regierungsaufträge vom US-Verteidigungsministerium, allerdings betreffen diese aktuell hauptsächlich Windows, Office sowie Xbox-Controller und nicht künstliche Intelligenz.


via bloomberg

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