Meinung: Microsoft, wie wär’s mit einem YouTube-Konkurrenten?

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Google hat Microsoft aus dem mobilen Markt gedrängt und dem Suchmaschinengiganten war dafür jedes Mittel recht. Das Unternehmen hatte sogar bewusst eine YouTube-App für Windows Phone blockiert, obwohl YouTube selbst eine Anwendung anbieten wollte. Dasselbe Manöver hat Google später auch bei Amazon versucht und hat ohne wirklichen Grund YouTube auf den smarten Lautsprechern blockiert.

Wird es nicht langsam Zeit für eine Retourkutsche aus Redmond? Gibt es einen besseren Weg, als Google genau jene Waffe zu nehmen, die man in der Vergangenheit immer wieder gegen aufstrebende Plattformen missbraucht hat? Besonders jetzt, wo YouTube sehr angreifbar ist.

YouTube in der Krise – Das ist passiert

YouTube steckt in der Krise und das liegt allein daran, dass der Dienst seine treueste Nutzerschaft ordentlich vor den Kopf gestoßen hat. Die einflussreiche YouTuber-Community kritisiert den Dienst seit Monaten, weil viele von ihnen nicht mehr von den Werbeeinnahmen leben können.

Ausgangspunkt dafür war, dass der YouTuber Logan Paul durch ein sehr pietätloses und geschmackloses Video das Fass zum Überlaufen gebracht hatte. Der junge Video-Creator sorgte häufiger für Kontroverse, doch das Filmen eines Selbstmordopfers in einem sehr verstörenden Video fand eine mächtige Zielgruppe von YouTube ganz und gar nicht lustig: Die Werbetreibenden.

Kein Unternehmen möchte, dass die eigene Werbung für ein Auto, eine Handcreme oder einen Webseiten-Builder vor oder während eines Videos zu sehen ist, worin geschmacklose Inhalte gezeigt werden.

Demonetization – YouTubes Reaktion

YouTube hat reagiert, die Anforderungen für neue Partner angehoben und begann damit, Videos mit potenziell „unliebsamen Inhalten“ von der Monetarisierung automatisiert auszuschließen. Dabei ergab sich natürlich ein Problem: YouTube entschied, welche Inhalte den Werbetreibenden möglicherweise nicht passten und das sorgte wiederum für Empörung bei YouTubern.

Grundsätzlich sind die Regeln ganz einfach. YouTube wird Videos vorsichtshalber eher nicht monetarisieren, die Schimpfwörter enthalten, Verschwörungstheorien verbreiten, Gewalt verherrlichen bzw. nur erwähnen oder explizit sexuell sind.

Viele YouTuber sehen darin allerdings eine Art von Zensur, indem YouTube basierend auf dem Inhalt festlegt, ob das Video Finanzierung verdient oder nicht.

Zwei Klassen Gesellschaft

Betroffen sind davon natürlich nicht die Kanye Wests, Taylor Swifts und John Olivers dieser Welt, die in ihren Videos so viel fluchen und schimpfen dürfen wie sie gerne möchten. Es sind die einzelnen Creators, die YouTube zu dem gemacht haben, was es heute ist, die ihren Beruf dadurch oftmals nicht mehr ausüben können.

Philip DeFranco zeigte in einem seiner Videos kürzlich diese Sonderbehandlung auf: Casey Neistat hatte in einem seiner Videos aufgerufen, für die Opfer der Schießerei von Las Vegas zu spenden und wollte die Einnahmen des Videos ebenfalls dem wohltätigen Zweck widmen. YouTube machte dem sehr einflussreichen Video-Creator allerdings einen Strich durch die Rechnung. Sein Video wurde nicht monetarisiert. YouTube erklärte ihm sogar auf Twitter, dass man leider keine Tragödien monetarisieren kann. Immerhin will kein Unternehmen damit in Verbindung gebracht werden.

Anders sieht es allerdings beim YouTube-Kanal des bekannten US-amerikanischen Moderators einer Late Night-Show aus, nämlich Jimmy Kimmel. Sein Video, worin er über die Schießerei von Las Vegas spricht, war mit Werbung versehen. Dort war die Tragödie offenbar kein Problem für YouTube.

Trending-Fiasko

Die großen Fernseh- und Musik-Publisher sind von dieser Demonetarisierung ausgeschlossen. Sie verdienen auch weiter mit den Clicks auf YouTube, während selbst die großen YouTuber oftmals stark darunter leiden. PewDiePie ist weiterhin der größte Kanal auf der Plattform und kann laut eigenen Angaben von der Werbung auf YouTube nicht mehr leben, da er kaum Werbeeinnahmen mehr erzielen kann.

Gleichzeitig macht sich bemerkbar, dass YouTube die Videos unterschiedlicher Kanäle auch anders behandelt. Obwohl Jake Paul binnen weniger Stunden mehrere Millionen Aufrufe auf sein Video hat, ist es im Trending-Tab nicht zu finden. Zudem berichten viele Nutzer, dass manche Abonnenten die Videos nicht mehr in ihrer Abo-Box sehen. YouTube zensiert demnach Videos selbst dann, wenn der Nutzer aktiv den Kanal abonniert hat.

Google zerstört die YouTube Community selbst

YouTube steckt in der Krise und diese Krise ist hausgemacht. Man behandelt jene Community, welche die Plattform überhaupt erst zu dem gemacht hat, was sie heute ist, wie den letzten Dreck. Man verbiegt sich für die Wünsche der Werbetreibenden zugunsten des Profits und zum Leid der vielen Kreativen auf der Plattform, die viel Mühe investiert haben, um von ihrem Traum leben zu können und im Endeffekt die Plattform überhaupt erst zur heutigen Größe verholfen haben. YouTuber sind bekannt, einflussreich und vor allem eine sehr große Community, die in so gut wie allen großen Entscheidungen zusammenhält.

YouTube behandelt seine treuesten Fans allerdings so, als seien sie reine Schmarotzer und Nutznießer einer Plattform, die ihnen alles gegeben hat. Dabei war es für die YouTuber von Anfang an eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Heute sieht das die Google-Tochter längst nicht so und zerstört auf diese Weise eine große Community an talentierten Schaffenden.

Microsoft + Creators = ❤

Microsoft verfügt bereits über die Ressourcen, die Plattform sowie auch die Erfahrung für einen YouTube-Konkurrenten. Die Redmonder könnten Mixer praktisch über Nacht zu einer brauchbaren Alternative zu YouTube machen. Mixer kann bereits Aufnahmen von Streams für die spätere Wiedergabe-Speichern. Jetzt fehlen grundsätzlich nur noch Uploads. Allein schon der Versuch, mit Google in diesem Bereich zu konkurrieren, würde für enorme mediale Aufmerksamkeit sorgen, die Mixer sicherlich nicht schadet.

Gleichzeitig wäre es nicht schwer, einige bekannte Publisher von YouTube auf die eigene Seite zu holen. Wenn man sich einige große YouTuber als Partner sucht, sie bei der Gestaltung dieser neuen Plattform aktiv einbindet, auf sie zugeht und auf ihre Wünsche eingeht, könnte man allein mit PewDiePie, einem einzigen großen YouTuber, mehrere Millionen aktive Nutzer auf die eigene Seite locken. Wenn ein oder mehrere bekannte Namen mitziehen, werden schnell viele andere Publisher das ebenfalls tun.

Das Rezept ist ganz einfach und über die Ressourcen verfügt Microsoft zweifellos auch. Die Publisher wissen, dass diese Abhängigkeit von YouTube jederzeit gefährlich werden kann und hätten zu gerne eine alternative Lösung, auf die sie im Zweifelsfall vertrauen können. Und für Microsoft wäre es eine beinahe risikofreie Möglichkeit, sich bei Google für die „Unterstützung“ von Windows Phone zu bedanken und sicherzustellen, dass so etwas nicht mehr so schnell passieren kann.

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