Android: Google antwortet der EU im Microsoft-Stil

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Die Kommission der Europäischen Union hat im Juli bereits eine Rekordstrafe in Höhe von 4,3 Milliarden Euro gegen Google verhängt. Grund dafür waren unterschiedliche Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht mit dem Android-Betriebssystem.

Konkret ging es der EU um zwei Dinge: Erstens stellte die Bündelung der Google Suche und Google Chrome mit den übrigen Google-Apps (PlayStore, Maps, usw.) laut EU Kommission eine Wettbewerbsverletzung dar. Zweitens durften Hersteller keine Smartphones mit inoffiziellen Betriebssystem-Varianten ausliefern, wenn sie gleichzeitig auch Android von Google lizenziert hatten.

Höhere Smartphone-Preise: Google will EU eins auswischen

Google hat gegen die Strafe Widerspruch und gegen das Urteil Berufung eingelegt. Gleichzeitig hat das Unternehmen aus Mountain View einen Plan vorgelegt, wie man die Bedingungen der EU erfüllen will. Der kurze Blogpost des Suchmaschinengiganten liest sich wie ein passiv-aggressiver Brandbrief, ganz im Stile des alten Microsoft von vor über 10 Jahren. Und bei Google scheint man sehr davon überzeugt zu sein, dass diese angekündigten Maßnahmen dem europäischen Markt mehr schaden werden als der Status Quo.

Google wird den Anforderungen der EU Kommission gerecht, ändert allerdings eine ganze Menge für Hersteller und Partner. Man ändert die Lizenzbedingungen für die Google-Apps, sodass diese bei Android-Smartphones wie von der EU gewünscht nicht mehr die Google-Suche sowie den Google Chrome-Browser enthalten müssen. Stattdessen werden Smartphone-Hersteller in Europa zusätzliche Lizenzgebühren für diese Google-Apps bezahlen müssen. Google gibt an, dass die Einnahmen aus der Suche sowie dem Browser die Entwicklung von Android finanziert haben. Nachdem diese Gelder wegfallen, verlangt man von den Herstellern Gebühren für den Google PlayStore, Google Maps und die übrigen Google-Anwendungen.

Google verlangt nun also von Herstellern zusätzliche Gebühren für die eigenen PlayStore-Apps. Diese Gebühren dürften letzten Endes auf die Endkunden abgewälzt werden. Smartphone-Käufer in Europa können sich darauf vorbereiten, dass die Smartphone-Preise entsprechend höher werden könnten. Und Google kann die Schuld hierfür einfach auf die Europäische Union schieben.

Änderungen nur für die EU – Damit wirkungslos?

Die zweite Maßnahme beinhaltet die Erlaubnis für Hersteller, Google-fremde Android-Varianten anzubieten. Smartphone-Hersteller dürfen nun neben Googles Android auch eigene Android-Varianten installieren.

Der Coup dabei ist, dass Google diese Änderungen der Lizenzbedingungen nur für den Europäischen Wirtschaftsraum ändern wird. Im Rest der Welt bleiben die Bedingungen für die Nutzung von Android für die Hersteller unverändert.

Das bedeutet auch, dass die zweite Maßnahme effektiv nichts bringt. Nur Smartphones, die in Europa verkauft werden, dürfen von Google aus andere Android-Varianten verwenden. Ob Samsung, Nokia, Huawei und Co. sich nur für den europäischen Markt das Verhältnis zu Google ruinieren werden, ist fraglich.

Hersteller haben in Zukunft aber dadurch die Möglichkeit, in Europa die Google-Suche sowie den Chrome-Browser aus Android wegzulassen. Sie könnten stattdessen auch Microsofts Bing und den Edge-Browser installieren. Momentan stellt sich aber die Frage, ob die Hersteller dies jetzt schon wagen werden.


Quelle: Google

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