Divacore Nomad+ im Test: Echte kabellose In-Ear Kopfhörer

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Echte Wireless In-Ear Kopfhörer sind eine vergleichsweise neue Technologie, die erst in den letzten beiden Jahren eine wirklich breitere Masse an Kunden erreichen konnte. Zuvor waren Bluetooth In-Ear Kopfhörer stets unästhetisch groß und waren meist entweder über ein Neckband oder ein Kabel verbunden.

Erst in den letzten beiden Jahren hat sich die Kategorie der echten kabellosen In-Ear Kopfhörern wirklich entwickelt und dazu zählt auch die Nachfrage durch Konsumenten. Die In-Ear Kopfhörer ohne Kabel boomen, was sich auch an den unzähligen vorhandenen Produkten ganz unterschiedlicher Hersteller zeigt. Kaum ein Hersteller von Audiogeräten ist bislang nicht auf den Zug aufgesprungen. Wie das allerdings bei neuen Gerätekategorien nicht unüblich ist, gibt es natürlich einige Nachteile zu herkömmlichen Over-Ear oder Kopfhörern mit Kabel. Hierzu zählen Akkulaufzeiten, die Soundqualität und der Tragekomfort.

Divacore Nomad+ Test: Modelle und Lieferumfang

Ein Hersteller glaubt – zugegeben, wie viele andere auch – diese Hürden mit seinem Produkt nehmen zu können. Das französische Unternehmen Divacore hat auf der IFA 2018 in Berlin die Nomad In-Ear Kopfhörer ohne Kabel vorgestellt, wovon es zwei Modelle und insgesamt drei Farben gibt. Die Standard-Kopfhörer namens Nomad kosten 99 Euro und kommen in Schwarz oder Weiß daher. Geliefert werden sie in einer kompakten Ladehülle.

Die Nomad+ kosten 119 Euro und diese kommen in einer Powerbank-Box daher, welche neben den Kopfhörern auch das Smartphone aufladen kann. Diese Box ist zwar etwas größer, aber mit den Kopfhörern hat man somit auch immer eine 5.000 mAh Powerbank für das Smartphone im Gepäck.

Divacore Nomad+ Test: Verarbeitung, Design und Tragekomfort

Die Divacore Nomad-Kopfhörer sind außerordentlich kompakt und auch sehr gut verarbeitet. Die Kopfhörer selbst bestehend aus Plastik. Sie sind sichtbar aus zwei Teilen gebaut, wobei die Spaltmaße vergleichsweise gering gehalten sind. Die beiden In-Ear Kopfhörer haben jeweils einen Knopf an der Rückseite, worüber Musik pausiert, übersprungen und Anrufe angenommen sowie abgelehnt werden können. Lauter und leiser Tasten gib es an den Kopfhörern selbst nicht. Die Buttons bestehen aus einem etwas „gläsernen“ Plastik und haben eine gewölbte Oberfläche, sodass sie leicht zu ertasten sind. Die Knöpfe sind leicht zu drücken, allerdings muss man den Kopfhörer doch etwas ins Ohr drücken, um sie zu betätigen. Problematisch ist dies allerdings keineswegs und man bringt die Kopfhörer beim Drücken der Knöpfe höchstens besser in Position.

Powerbank-Box

Die Aufbewahrungsbox für die Nomad+ Kopfhörer ist etwas größer als herkömmliche Boxen von Wireless In-Ear Kopfhörern, aber dient immerhin auch als Powerbank für das Smartphone. Wer keine Powerbank braucht, bekommt auch die normalen Divacore Nomad mit einer kompakteren Ladebox. Der Behälter für die Nomad+ sieht aus wie ein kleiner Waffenkoffer und fühlt sich auch so an. Gebaut ist die Powerbank aus sehr qualitativem Polykarbonat, wo sich an der Innenseite zwei Auslassungen für die Kopfhörer befinden, die sogar an der Oberseite mit weichem Gummi gepolstert sind. Aufgeladen werden die NoMad-Kopfhörer dann über jeweils zwei Pins an beiden Geräten.

Tragekomfort und Aussehen

Der Tragekomfort der Nomad-Kopfhörer hat mich persönlich jedoch am meisten überrascht. Hat man die Kopfhörer erst einmal ins Ohr gesteckt und sie leicht nach hinten, sprich gegen den Uhrzeigersinn, gedreht, sitzen sie unglaublich fest.

Divacore Nomad Test: Akkulaufzeit und Aufladen

Geladen wird die Powerbank allerdings leider nur über MicroUSB, was zwar in der Branche noch üblich, aber trotzdem etwas enttäuschend ist für ein Produkt aus dem Jahr 2018. Mein Laptop, Smartphone und auch die Nintendo Switch lade ich mit einem Kabel. Die Powerbank hätte ich zweifellos auch gerne mit dem Kabel geladen, aber USB-C bei Zubehörgeräten ist bislang eher die Ausnahme als die Regel.

Akkulaufzeit

Der Hersteller bewirbt die Kopfhörer mit einer Laufzeit von bis zu vier Stunden mit einer Ladung, allerdings kamen wir in unserem Test nie annähernd auf diesen Wert. Ungefähr drei Stunden Laufzeit sind im Regelfall zu erwarten, wenn ihr lediglich Musik darüber hört. Beim Telefonieren über die Kopfhörer schafft ihr gerade einmal knapp zwei Stunden.

Der Hersteller gibt an, dass die Ladebox der Nomad+-Kopfhörer eine Gesamtlaufzeit von bis zu 180 Stunden ermöglicht, während die normalen Nomad bis zu 15 Stunden mit der Transportbox bieten. Interessanterweise vergleicht der Hersteller auf der Seite diese 15 Stunden unter anderem mit einem Flug von Paris nach New York, welcher 8 Stunden dauert. Dabei scheint man zu vergessen, dass die Kopfhörer selbst immer eine Stunde brauchen, um aufgeladen zu werden. Das heißt, dass man auf dem New York-Flug bei der von uns erreichten Laufzeit die Kopfhörer mindestens einmal für eine Stunde in die Box zum Laden zurücklegen muss.

Zweifellos kann man somit folgern, dass die Nomad-Kopfhörer eher nichts für längere Zug- oder Flugreisen sind oder generell für sehr lange ununterbrochene Anwendung. Die Kopfhörer kann man gelegentlich beim Sport, beim kürzeren Spazierengehen und für den Musikgenuss in der U-Bahn oder im Bus auf dem Weg zum Arbeit, zur Schule oder zur Uni nutzen. Sie sind vor allem für Szenarien gedacht, wo ihr die Kopfhörer nach höchstens etwa zwei bis drei Stunden durchgehender Nutzung wieder einpackt.

Divacore Nomad+ Test: Soundqualität

In Zeiten von Spotify-Streaming über ultramobile Bluetooth-Kopfhörer ist die Soundqualität längst nicht die oberste Priorität für den Mainstream-Anwender. Dennoch wird eine möglichst gute Ausgabe des Sounds von Anwendern geschätzt und hier können die Nomad+ überzeugen. Man merkt, dass sich der Hersteller bei den Kopfhörern vor allem auf die Soundqualität konzentriert hat. Für den Preis sind sie somit zweifellos gut, aber mit bereits etwas teureren Modellen wie den BeoPlay E8 von Bang & Olufsen können sie nicht mithalten.

Das Klangbild hat zweifellos mehr Volumen als irgendeines der günstigen Modelle, die man für 30 bis 80 Euro auf Amazon erwerben kann. Einzelne Instrumente in orchestralen Songs können durchaus noch unterschieden werden, aber bei manchen Songs insbesondere mit viel Bewegung in den höheren Frequenzen fühlt man sich davon immer wieder etwas überwältigt. Eine Schwäche haben die Kopfhörer etwas bei den Höhen und leicht bei den Mitten, sodass Stimmen beim Rap zum Beispiel ganz schwach gedämpft klingen. Verständlich sind die Texte trotzdem immer noch sehr gut.

Die Kopfhörer haben einen wirklich starken Bass, sodass R&B, Pop und Rap in der Regel darauf am besten klingen. EDM und Drum & Bass kann man ebenfalls noch wirklich darauf genießen, aber sie wären nicht meine erste Wahl für Podcasts, ruhigere Songs und typische Chillout-Playlists. Dafür sind die Bässe in vielen Fällen etwas zu stark.

Lautstärke und Outdoor-Sportmodus

Über die Lautstärke kann man sich keineswegs beklagen. Die Isolierung des Ohrkanals ist hervorragend, sodass man auch in lauteren Umgebungen die Umwelt mit eingeschalteter Musik wirklich gut ignorieren kann.

Die Kopfhörer verfügen auch über einen „Outdoor Sport Modus“, welcher über das dreimalige Drücken von einem der Knöpfe aktiviert werden kann. Das Mikrofon soll auf diese Weise die Sounds aus der Umwelt aufnehmen und über die Kopfhörer wiedergeben. So soll man, laut Hersteller zumindest, ankommende Autos beim Laufen hören können. Das funktioniert auch sehr gut…. wenn die Musik ausgeschaltet ist. Wenn die Musik an war, hörte ich über den rechten Kopfhörer immer einen immer lauter werdenden hochfrequenten Ton, der durch das Echo des Songs entstand, den man gerade hört. So ein hochfrequenter Ton im Ohr ist nicht lustig und daher habe ich das Feature nie verwendet.

Fazit: Sound

Für den Formfaktor und den Preis kann man mit den Divacore Nomad+ also wirklich zufrieden sein. Teurere Modelle liefern etwas mehr Klarheit bei höheren Frequenzen und man bekommt mehr, wenn man bereit ist, das Geld zu investieren. Meiner Ansicht nach liefern die Nomad+ allerdings ein sehr gutes Gesamtpaket, was den Sound betrifft, besonders in Anbetracht des Preises.

Divacore Nomad+ Test: Konnektivität

Die Divacore Nomad+ bieten eine sehr solide Konnektivität für ihre kompakte Größe. In unserem Test in Verbindung mit dem Microsoft Lumia 950 sowie dem Nokia 7 Plus hatte das Android-Smartphone interessanterweise häufiger länstige Verbindungsabbrüche.

Im Vergleich zu anderen Produkten mit diesem Formfaktor ist die Konnektivität der Nomad+ wirklich sehr gut. In offenen Räumlichkeiten kann man sich problemlos mehrere Meter vom Smartphone weg befinden und die Verbindung bleibt stabil bei sehr klarer Soundqualität. Anders sieht es jedoch aus, wenn man sehr viel Kleidung trägt und das Smartphone in der falschen Hosentasche hat. Wenn man einen dicken Mantel an hat und der rechte Kopfhörer als primäres Gerät mit dem Smartphone verbunden ist, das Smartphone aber in der linken Hosentasche verstaut ist, kann es zu Abbrüchen kommen. Beim Nokia 7 Plus kam es hier gelegentlich zu ärgerlichen Verbindungsabbrüchen und daher sollte man beim Paring darauf achten, den richtigen Kopfhörer mit dem Smartphone zu verbinden.

Windows 10-PC:

Unter Windows 10 ist es technisch nicht möglich, die beiden Kopfhörer als Audiogeräte zu verwenden. Dabei kann nur ein Kopfhörer einzeln verbunden werden und die Kopfhörer stellen keine Verbindung mehr miteinander her. Wenn ein Kopfhörer mit Windows 10 verbunden ist, befindet sich der zweite Teil des Paares im Pairing-Modus. Stellt man in den Windows 10-Einstellungen auch eine Verbindung damit her, wird der andere Kopfhörer getrennt.

Die Kopfhörer scheinen technisch nicht in der Lage zu sein, sich mit Windows 10 zu verbinden. Mit Windows 10 Mobile funktioniert die Verbdinung interessanterweise gut.

Divacore Nomad+ Test: Fazit

Divacore bietet zwei Modelle der Nomad an, wovon eines mit Powerbank-Box und eines in einer einfachen Transportbox daherkommt. Die Nomad+ Kopfhörer gibt es in Schwarz oder Grau, während es die Nomad ohne Powerbank auch in Weiß gibt.

Empfehlenswert empfinden wir besonders das Modell mit Powerbank, weil man das Kopfhörer-Etui somit deutlich seltener aufladen muss. Bei den Nomad+ reicht es im Grunde, die Kopfhörer-Box einmal im Monat an ein MicroUSB-Kabel zu hängen.

Wer also nach guten Bluetooth-Kopfhörern für den alltäglichen Einsatz sucht mit einer für den Preis sehr guten Soundqualität und starken Bässen, für den sind die Divacore Nomad+ eine gute Wahl.

 

WindowsArea.de Wertung
Verarbeitung & Design 77%
Tragekomfort 84%
Akkulaufzeit 58%
Soundqualität 82%
Konnektivität 73%
74% gut
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Die Divacore Nomad+ In Ear-Kopfhörer treten in einer schwierigen Kategorie an, wo eine gute Akkulaufzeit, Soundqualität sowie ein ansprechender Tragekomfort kaum unter einen Hut zu bringen ist. Dem französischen Hersteller gelingt es, sehr viel aus den Möglichkeiten aktueller Technologie herauszuholen, indem man sich auf den Sound konzentriert hat, die Verarbeitung und Tragekomfort gut hinbekommen und die kurze Akkulaufzeit durch die Ladebox kompensiert. Die Kopfhörer sind zweifellos nicht für Jedermann interessant, aber ein wirklich praktischer und gut klingender mobiler Begleiter.

Über den Autor

22 Jahre alt, Redakteur bei WindowsArea.de, Windows Insider MVP.

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Und wie sind die beim Telefonieren?

Armin Osaj
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„Lauter und leiser Tasten gib es an den Kopfhörern selbst nicht. “
So würde ich sie nie kaufen.

oida
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oida

Ist da ein einfacher dynamischer Treiber drinnen (wie groß?) oder auch ein oder mehrere Aperture?