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Microsoft Edge auf Chromium-Basis: Erster Eindruck – Leider geil

Microsoft arbeitet daran, den eigenen Edge-Browser auf die Chromium-Basis umzustellen. Für die Redmonder ist das ein sehr großer Schritt, immerhin wirft man die Arbeit der letzten drei Jahre damit praktisch einfach über den Haufen.

Man setzt nun aber auf jene Codebasis, die Google für seinen beliebten Chrome-Browser verwendet, hat aber eine ganze Menge umgestellt. Wir haben uns den neuen Microsoft Edge-Browser für euch angesehen und sprechen in diesem Artikel darüber, was damit möglich ist und was nicht.

Video

Einrichtung

Der Microsoft Edge-Browser ist rasch installiert mit dem internen Installationsprogramm und weist eine Größe auf von knapp 120 Megabyte. Der erste Start läuft flott und Nutzer sind dann bereits mit dem Microsoft-Account, welcher mit Windows 10 verknüpft ist, direkt eingeloggt. Der Browser macht jedoch einen erneuten Login erforderlich, um die bisherigen Daten von Edge zu synchronisieren.

Sychronisierung

Loggt man sich über den Account-Dialog ein, werden die Favoriten von Microsoft Edge sofort übernommen und auch die Passwörter synchronisiert. Die Synchronisation funktioniert perfekt. Augenblicke nach der Anmeldung tauchen die Favoriten in der Leiste auf und die Passwörter für alle Webseiten sind sofort verfügbar.

Microsoft Edge quälte mich zweieinhalb Jahre lang mit einer defekten Synchronisierung. Erst seit dem Oktober 2018 Update funktioniert diese bei mir ordentlich. Beim ersten Einrichten eines Computers braucht es rund 15 Minuten bis die Passwörter da sind. Das war für mich akzeptabel, weil man muss da immerhin nur einmal durch. Der Chromium Edge ist aber seinem Vorgänger hier meilenweit voraus. So eine schnelle und stabile Synchronisierung kannte ich bislang nur von Chrome.

Seitendarstellung

Microsoft Edge Version 75 stellt Seiten wie Chrome dar. Mehr muss hierzu im Grunde nicht gesagt werden. Öffnet man YouTube, hat man den Beweis. Die Sete funktioniert unglaublich flott und lädt mit jener Geschwindigkeit, wie man sich das erwartet. Dass Google Microsoft durch die Nutzung veralteten Codes zu dieser Maßnahme zwingt, hat allerdings doch einen bitteren Nachgeschmack für mich als Fan eines offenen, standardisierten Internets.

Scrollen und Zoomen

Einen großen Vorteil hat Microsoft Edge allerdings gegenüber Chrome und der ist auch schon in unserer durchgesickerten Version sichtbar. Scrollen und Zoomen in Microsoft Edge ist großartig. Hieran ändert sich mit der Chromium-Basis erfreulicherweise wenig. Ihr könnt mit eurem Touchpad wundervoll flüssig scrollen, allerdings nur im 90 Grad-Winkel horizontal und vertikal, nicht also komplett frei wie bisher. Das Zoomen funktioniert auch flüssig und nicht stufenweise wie bei Chrome, was meiner Meinung nach schon ein erheblicher Vorteil ist. Microsoft wird hoffentlich noch daran arbeiten, die Scroll-Funktion vollständig von EdgeHTML zu portieren.

Funktionen und Einstellungen

Das Chromium-Projekt ist allein schon wesentlich umfangreicher als der alte Microsoft Edge. Er bietet für Nutzer deutlich mehr Funktionalität, zusätzliche Einstellungsmöglichkeiten und natürlich Erweiterungen. Die Einstellungen hat Microsoft wirklich übersichtlich gestaltet, was besonders im Vergleich zu Chrome eine echte Verbesserung ist.

Durchsucht man allerdings die Einstellungen, stellt man auch schnell fest, dass entweder eine Menge nicht geht oder nicht eingestellt werden kann. Hierzu zählt zum Beispiel die Synchronisation von Passwörtern. Sie funktioniert, aber sie kann deaktiviert werden.

Andere Sprachen können zwar installiert werden, aber unterstützt werden diese noch nicht. Auch die Rechtschreibprüfung kann noch nicht genutzt werden.

Neben den umfangreicheren Einstellungen sowie der Unterstützung für Adressen und Speicherung von Bezahl-Informationen, gibt es in Microsoft Edge auf Chromium-Basis auch noch Unterstützung für die Installation von Progressive Web Apps aus dem Browser. Jede Webseite kann aktuell in Microsoft Edge als eigenständiges App-Fenster installiert werden.

Fazit: Leider geil

So ungern ich den Begriff geil auch verwende, so wenig Anderes fällt mir momentan zu Microsofts Chromium Edge-Browser ein. Ich habe vor wenigen Tagen ein Surface Pro 6 neu eingerichtet. Der vorinstallierte Microsoft Edge hatte nach rund 15 Minuten meine Favoritenleiste synchronisiert und die Passwörter sind im Laufe des ersten Tages auch irgendwann aufgetaucht. Allerdings nicht alle. Aufgefallen ist mir dann bei einer Seite, die ich seltener verwende und wo ich weder das Passwort, noch den Nutzernamen weiß. Es ist definitiv gespeichert, aber im EdgeHTML-Browser einfach nicht mit synchronisiert worden. Am Chromium-Edge waren alle Passwörter und Favoriten binnen weniger Sekunde da. Wirklich alle. Das ist einfach schon bezeichnend für den Qualitätsunterschied zwischen dem alten und dem neuen Edge.

Ich sage nicht, dass der alte Edge ein schlechter Browser ist. Seit dem Oktober 2018 Update verwende ich ihn auf allen Geräten als meinen einzigen Web-Browser. Er ist wirklich gut geworden, aber der Chromium Edge ist besser. Schon in der frühen Preview, die wir jetzt sehen können, zeigt der Chromium Edge eindrucksvoll, was er kann. Seiten-Performance, Kompatibilität und die Zuverlässigkeit sind schon bei diesem noch lange unfertigen Produkt besser als beim alten Edge. Wie gut wird dann erst der finale Chromium Edge sein?

Ruhe in Frieden, EdgeHTML.

Selbstverständlich bin ich ein bisschen wehmütig wegen EdgeHTML. Gerade, als ich begonnen hatte, mich richtig mit Edge anzufreunden, wechselt Microsoft zur Browser-Basis eines Google-Projekts. Nur Wochen nach meinem Umstieg auf Edge, wo ich ernstmals Hoffnung hatte, dass das jetzt was werden kann, gibt Microsoft auf und wirft alles über einen Haufen.

Aber, wenn ich daran denke, wie oft mir Edge auch Frust bereitet hatte, kann ich den Schritt auch irgendwie verstehen. Wahrscheinlich hätte es weitere zwei Jahre gedauert bis der Browser wirklich auf dem Niveau von Chrome wäre. Und selbst dann hätte Google durch unfaire Marktpraktiken wie der absichtlichen Verlangsamung von YouTube für Konkurrenz-Browser sein eigenes Produkt stärken können. Microsoft ist in einer Zwickmühle und für den schnellen Fortschritt muss man im Internet nach Googles Regeln spielen. Als Betreiber einer Webseite wissen wir das sogar ziemlich gut. Herzlich willkommen in unserer Welt, Microsoft.

Ich bin aber ein sehr großer Anhänger eines standardisierten und offenen Internets, wo jeder Anbieter, jeder Dienst und jede Webseite die gleichen Chancen hat. Egal, ob nun die Portfolio-Seite eines kleinen Fotografen oder die Nachrichten-Seite eines multinationalen Verlages, im Internet sind wir alle irgendwie gleich. Die Technologie, mit der man das Internet durchsucht, sollte nichts sein, worüber sich Kunden Gedanken machen müssen. Microsoft ist gleicher Meinung und wechselt eben deshalb zu jener Technologie, mit der das auch möglich sein wird.

Für eine allererste, inoffizielle und unglaublich unfertige Version des Microsoft Chromium Edge-Browsers, ist die Software bereits unglaublich gut und zeigt jetzt schon mehr Potenzial als EdgeHTML.

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"Entdeckung besteht darin, den gleichen Gegenstand wie alle anderen zu betrachten, sich aber etwas anderes dabei zu denken."
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