Apple: Der wahre Grund, dass Xbox Scarlett ein Laufwerk bekommt

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Vor einigen Wochen hat Apple vor dem US-amerikanischen Höchstgericht eine herbe Niederlage in einem aktuellen Fall, wo es um die Verletzung des Wettbewerbsrechts geht. Die Mehrheit der Richter des Obersten Gerichts hat nämlich eine wirklich wichtige Unterscheidung getroffen, welche den AppStore des iPhone-Konzerns betrifft. Aber was zur Hölle hat Apple mit Xbox Scarlett zu tun? Nun, viel mehr als man glauben möchte.

Bevor wir allerdings einsteigen, könnt ihr euch gerne unsere umfassende Zusammenfassung zu den Infos über Xbox Scarlett in unserem YouTube Video ansehen.

Konkret wollte Apple eine Klage von US-Konsumenten abgewiesen haben und die Abweisung wurde bis zum Obersten Gerichtshof verhandelt. Die Kläger werfen Apple vor, die Preise im AppStore künstlich hochzutreiben. Dies könne man tun, so das Argument der klagenden Partei, weil Apple ein Monopol auf iOS-Apps habe. Apple widersprach und argumentierte, dass die Klage ungerechtfertigt sei. Schließlich seien die Entwickler der Apps jene Parteien, welche die Apps verkaufen und über Preise entscheiden. Apple sei in diesem Fall nur der Marktplatz, nicht der Verkäufer.

Der AppStore ist ein Monopol

Das Höchstgericht der USA teilte Apples Meinung hierzu nicht und gab den Klägern recht. Das ist zwar nur ein erster Schritt in einem komplizierten Rechtsstreit, aber ein wichtiger Etappensieg für Konsumenten. Der Supreme Court entschied nämlich im Grunde, dass Apple somit ein Monopol halte über iPhone-Apps. Diese können auf iPhones nicht über andere Quellen bezogen werden. Sollte Apple das gesamte Verfahren verlieren, droht dem Konzern eine zwingende Öffnung der eigenen Plattform für App-Sideloading oder man wird alternative App-Stores erlauben müssen.

Ein Urteil in diesem Verfahren wird also richtungsweisend sein. Mit der Entscheidung der Höchstrichter contra Apple wird allerdings ein klares Signal gesendet. Wird der Fall ausverhandelt, könnte der AppStore-Zwang am iPhone fallen.

Xbox Scarlett: Store wäre ohne Laufwerk ein Monopol

Der Zusammenhang zur Xbox-Plattform ist nach dieser Erklärung schnell gefunden. Microsoft hält ebenfalls gänzlich die Kontrolle über den digitalen Spielen, die im Xbox Store verkauft werden. Digitale Käufe auf der Xbox-Plattform können einzig und allein über den Store erledigt werden. Selbst dann, wenn die Games auf Key-Seiten erworben werden, müssen diese über den Xbox Store aktiviert werden.

Das bedeutet: Sollte es im Fall Apple zu einem Urteil kommen, das den AppStore als unzulässiges Monopol deklariert, wird es nicht lange dauern, bis die erste Sammelklage gegen Xbox eingereicht wird. Direkt betroffen von diesem Risiko ist somit Microsofts nächste Generation. Bis es nämlich zu einem Urteil kommt, wird der Fall wohl noch einige Jahre verhandelt. Sollten dort solche Stores jedoch als unzulässig angesehen werden, hätte Microsoft mit einer Konsole ohne Laufwerk ein großes Problem.

„Xbox wird auch in 30 Jahren ein Laufwerk haben.“

Wie auch das Internet weiterhin ein alternativer Bezugsort für Windows-Programme ist, so wird der klassische Einzelhandel also künftig Disk-Verkäufe anbieten können. Ob die Nachfrage dabei in den nächsten Jahren steigen wird, dürfte an der Verfügbarkeit eines Laufwerks wohl nichts ändern. Natürlich nur in dem Fall, dass Apple den Rechtsstreit verliert.

Microsoft und jeder andere Konzern mit einem „AppStore Monopol“ wird nämlich auf diese Weise argumentieren können, dass Kunden doch die Wahl haben und dieses Geschäftsmodell seit Jahren akzeptiert ist.

Im Falle eines Urteils gegen Stores werden wir wohl erleben, dass die Konsole auch in 30 Jahren noch eine Form von physischen Inhalten unterstützen wird. Selbst dann, wenn Kunden schon längst nur noch digital kaufen, wird Microsoft auf der Xbox-Plattform wohl kaum den Download von Spielen aus dem Internet gestatten.

Der Markt braucht kein Laufwerk, optional

Microsoft hat im Mai 2019 die Xbox One S All-Digital Edition ohne Laufwerk vorgestellt, hauptsächlich, um damit den Markt auszuloten. Die Konsole wird in geringen Stückzahlen produziert und das am Ende ihres Lebenszyklus. Zweifellos wollte man sehen, wie die eigene Kundschaft auf die reine Digitalkonsole reagiert. Das Feedback dazu war zweifellos überaus negativ.

Die ersten Gerüchte zur Xbox Scarlett hatten suggeriert, dass Microsoft auch eine Scarlett-Konsole ohne Laufwerk angedacht hatte. Der Schritt wäre jedenfalls logisch gewesen. Denn die Reaktionen auf die Xbox One S All-Digital Edition sind zwar außerordentlich negativ, aber der Ärger der Fans konzentriert sich hauptsächlich auf den überhöhten Preis und nicht die Entfernung des Laufwerks selbst. Man bekommt weniger, zahlt aber mehr. Das stört die Nutzer daran. Nicht konkret die Tatsache, dass es kein Laufwerk gibt. Microsofts Marktforschung mit der All-Digital Edition ist abgeschlossen und das Resultat heißt: Kunden akzeptieren eine Option ohne Laufwerk, wenn diese dafür aber erheblich günstiger ist. Keine Mission Impossible für Microsoft.

Xbox-Chef: Laufwerk wird von Spielern gewünscht

Aber dazu wird es nicht kommen. Xbox-Chef Phil Spencer hat nicht mit großen Worten gespart, als er erklärt hat, dass Xbox nun auf das Feedback seiner Kunden hört und dem folgt. Eine einzige Xbox Scarlett ohne Laufwerk hätte die Gaming-Community nicht mitgetragen, daran besteht kein Zweifel. Aber ob das für eine günstigere Option ohne Laufwerk gilt?

Dass Microsofts Marketing das Laufwerk in Xbox Scarlett als eine Folge der Feedback-Hörigkeit des Xbox-Teams darstellt, war selbstverständlich. In Wahrheit spielt allerdings das Apple-Verfahren eine deutlich entscheidendere Rolle. Das Risiko einer günstigeren Xbox-Scarlett Option ohne Laufwerk kann sich Microsoft leisten. Das Risiko, den Xbox Store zu verlieren, allerdings nicht.

Über den Autor

23 Jahre alt, Redakteur bei WindowsArea.de, Windows Insider MVP.

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apollox
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apollox

Das ist in meinen Augen höchstens ein Teilaspekt pro Laufwerk für Microsoft.
Denn bei der Klage und generell dem Thema geht es insbesondere um die sog. Apple-Steuer. Also die bis zu 30 % Beteiligung seitens Apple auf alle Käufe unter iOS und das es halt keinen anderen Weg des Erwerbs gibt.
Das wäre aber nicht geben, wenn man die Keys auf anderen Plattformen erwerben kann und den Store nur zur Freischaltung des legal erworbenen Keys benötigt. Zumindest solange dieser Freischaltungsservice kostenlos ist, sowohl für den Kunden, als auch den Keyseller.

backpflaume
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backpflaume

Warum steigt Apple eigentlich nicht noch mal ins Konsolen Geschäft ein. Dass sie auch „günstig“ können zeigt doch das normale iPad. Chips auf dem Niveau der Switch haben sie so oder so.

tk69
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tk69

Ich fände das nicht gut. Wenn ich nachher bei zig Quellen erst nach einer passenden App suchen muss, ist das für mich kein Mehrwert, sondern eher Frust. Jetzt habe ich die Möglichkeit im Store zu suchen. Und wenn ich nichts finde, dann weiß ich wenigstens, dass ich nicht weiter suchen muss.

Androvoid
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Androvoid

Das Höchstgericht wäre gut beraten, dahingehend zu entscheiden, die zufällig gewachsenen und bereits verkrusteten Strukturen nicht nur im Gaming-Markt endgültig aufzubrechen und neuartigen Marktentwicklungen eine Chance zu geben.
Bezüglich Laufwerk: Würde stattdessen nicht auch bloß die Möglichkeit des Anschlusses eines externen reichen??

Smolo
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Smolo

Der „Artikel“ oder besser gesagt Kommentar/persönliche Meinung von Albert ist absolut an den Haaren herbei gezogen und inhaltlich noch dazu absoluter Blödsinn. Es wäre schön wenn solche „Kommentare“ auch als solches gekennzeichnet werden oder besser mal quer gelesen werden! – Laufwerk ungleich App Stores – Laufwerk ungleich Sideloading – Einzelhandel ungleich Zwang auf Discs (schon heute werden da breit flächig nur Lizenzen und Gutscheine verkauft!) – In 30 Jahren gibt es keine Bluray mehr und mit Sicherheit auch keine OneWay Speichermedien mehr – Hey ihr schaltet zwar jeden Tag Werbung für SD Karten Angebote auf WA aber darauf zu kommen… Read more »

backpflaume
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backpflaume

Bist du dir sicher dass MS nur 5-10€ für ein UHD Laufwerk zahlen muss?