4 Jahre Windows 10: Ein System in stetiger Entwicklung

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Windows 10 erschien vor 4 Jahren, am 29. Juli 2015. Damals war es für Microsoft eine besonders wichtige Veröffentlichung, da man erstmalig ein kostenloses Upgrade anbot. Alle Windows 7 und 8.1-Nutzer durften im ersten Jahr gratis auf Windows 10 umsteigen. Auch wenn das Angebot seit geraumer Zeit abgelaufen ist, lässt es sich bis heute über Umwege in Anspruch nehmen.

Video: Die neuste Windows 10-Version im Vergleich zur ersten

Falls ihr euch einen optischen Eindruck über die Evolution von Windows 10 machen möchtet, dann solltet ihr unser neustes Video anschauen. In diesem vergleichen wir Systemelemente und Apps aus der Version 1903 mit denen, wie sie in der ersten Version 1507 vorzufinden waren.

Lieben die Leute Windows 10?

Auf der Bühne kündigte Microsoft CEO Satya Nadella das System mit folgenden Worten an: „We want to move from people needing Windows, to choosing Windows, to loving Windows“, zu Deutsch: Wir möchten, dass Leute Windows nicht mehr nur zwingend benötigen, sondern auch freiwillig wählen und lieben lernen. Geglückt ist dieses Ziel leider nicht, denn selbst Jahre nach der Veröffentlichung liest man immer wieder negative Berichte über Windows 10 im Internet.

Negativer Ruf aufgrund eines schlechten Starts

Der ursprüngliche Start wurde geprägt durch eine aggressive Vermarktung seitens Microsoft. Mit einem Update für die alten Systeme implementierte man eine zusätzliche App, welche den Nutzer förmlich dazu zwang, schnellstmöglich umzusteigen. Kontinuierlich blendete sich das Logo in der Taskleiste ein und bei jedem PC-Start ploppte ein Fenster auf, welches einem Windows 10 ans Herz legte. Der Schließen-Button wurde seinem ursprünglichen Sinn beraubt. Statt das Fenster zu schließen und den Nutzer von jeglichen Pflichten zu befreien, wurde damals das Upgrade bejaht. Man versuchte die Liebe zu Windows mit einer Zwangsheirat aufzubauen.

Ebenfalls negative Schlagzeilen lösten große Datenschutzbedenken aus. Mit Windows 10 fügte Microsoft sich erstmals in die Moderne Zeit und legte die Datenschutzbestimmungen aller Microsoft Dienste zusammen. Entsprechend hoch war der Schrecken, als plötzlich in den AGBs vorzufinden war, dass Microsoft die Möglichkeit einräumt, illegal erworbene Software zu deaktivieren oder persönliche Dateien im Falle von Straftaten zu durchsuchen. Die Abschnitte bezogen sich jedoch auf Xbox-Systeme und Cloud-Speicherdienste. Zudem wurde das Thema Cortana überdramatisiert, die digitale Assistentin wurde als Spionage-Software dargestellt.

Wie steht es um Windows 10 heute?

Sehen wir vom unglücklichen Start ab, treffen wir auch heute noch auf zahlreiche negative Stimmen. Beklagt wird sich über Feature-Updates, welche zahlreiche PC-Probleme auslösen. Wichtig ist ebenfalls anzumerken, dass bei Microsoft der Ruf voraus eilt, wodurch jede Neuerung negativ aufgenommen wird. Natürlich existieren damals sowie heute noch Nutzer, die Windows für das Versagen ihrer Hardware verantwortlich machen, obwohl ein Linux oder Mac OS unter diesen Umständen genau so überfordert wäre.

Die ursprünglichen Bedenken bezüglich Zwangsupdates haben sich bewahrheitet. Damals fürchtete man sich vor fehlerhaften Updates, die Nutzer widerwillig installieren müssen. Mit jedem kumulativen Update schleicht sich aktuell ein Fehler ein, zu dem ein entsprechender Medienbericht verfasst wird.

Um zurück zur ursprünglichen Frage zu kommen: Nein, die Leute lieben Windows 10 nicht. Die Geister scheiden sich. Dank Microsofts vergangenen Anstrengungen sehen mehr Leute Windows nun positiv, andere drohen weiterhin mit einem Wechsel zur Konkurrenz. Wie es für Produkte üblich ist, sind die negativen Stimmen immer am lautesten, wodurch sich ein Bild voller unzufriedener Nutzer ergibt.

Was änderte sich in den 4 Jahren?

Arbeitet ein riesiger Software-Konzern jahrelang an einem wichtigen Projekt, an dem mehrere hundert oder gar tausend Mitarbeiter involviert sind, so ist die Erwartungshaltung sehr groß. Vor allem wenn man bedenkt, dass Windows 8 drei Jahre Entwicklungszeit in Anspruch nahm. Windows 7 erschien nur zwei Jahre nach seinem Vorgänger Vista. Der Vergleich mit letzteren ist jedoch ein wenig Unfair, denn Windows 7 bot kaum technische Änderungen.

Ein unfertiges System

Die erste Windows 10-Version kann man ohne Zweifel als unfertig betiteln. Im Vergleich zu 8.1 gab es kaum neue Funktionen, nur ambitionierte Konzepte. Diese lagen in den Kinderschuhen und blühen auch heute nicht auf. Die neue universelle Windows-Plattform ermöglicht die Ausführung einer App auf mehreren Geräten, ohne einen Mehraufwand seitens Entwicklern zu beanspruchen. Durch den Tod von Windows Phone gibt es sowieso keine anderen Plattformen mehr, auf denen Windows genutzt wird. Entsprechend macht kein Entwickler sich die Mühe, auf UWP umzusteigen, weswegen die massiven Vorteile dieser Plattform nie genutzt werden. Selbst von Microsoft selber nicht, denn diese sind mittlerweile zu beschäftigt mit React-Web-Apps.

Die vielversprechende flexible Benutzeroberfläche war auch ein sehr gutes Konzept. Sobald die Tastatur vom Convertible abgezogen wird, wechselt Windows ohne Wartezeit in einen Tablet-Modus. Der speziell für Touch ausgelegte Modus ist jedoch sehr ernüchternd und man hat auch 4 Jahre nach Veröffentlichung nichts verbessert. Im Vergleich zu Windows 8.1 ist die Bedienung nur zweckmäßig und fühlt sich nicht natürlich an. Das ist unter anderem ein Grund, weswegen Nutzer mittlerweile selbst auf Tablets den normale Modus vorziehen.

Jedes Update verbesserte Windows 10 ein Stückchen

Doch genug kritisiert, es hat sich auch einiges getan. Durch halbjährige Funktionsupdates wird Windows immer ein Stückchen besser, in kleinen Teilen, wodurch es kaum auffällt. Blickt man jedoch zurück zur ersten Version, wird einem sofort auffallen, wie rudimentär das System damals war. Apps ließen sich nicht auf die SD-Karte verschieben, Edge bot keine Unterstützung für Erweiterungen und die Hitboxen im Startmenü waren fälschlicherweise an die Animation gekoppelt. Diese drei Punkte sind essenzielle Dinge, die bereits von Anfang an hätten implementiert sein müssen.

Alle vorinstallierten Apps waren auf das nötigste beschnitten. Für Smartphone-Nutzer ausreichend, doch für PC-Nutzer absolut ungeeignet. Das ist auch der Grund für die geringe Nutzerbasis. Man sah sich die Apps damals einmal an, wurde enttäuscht und hat diese nie mehr angefasst. Mittlerweile stellen Apps, wie Fotos oder Mail, eine gute alternative dar. Die Mail-App ist mit ihrem dunklen Modus der Konkurrenz sogar weit voraus. Außerdem lässt sich ein Trend in der Bedienung erkennen. Damals versuchte man zwanghaft überall Hamburger-Menüs zu implementieren, heute wiederum werden auch gerne Pivots oder sogar Menüleisten eingesetzt.

Microsoft implementierte auch oft Funktionen, die nach Erscheinen direkt in Vergessenheit gerieten. Auf dem Papier waren Kontakte auf der Taskleiste, Timeline oder Paint 3D gute Konzepte. Jedoch nutzt einfach niemand die Funktionen. Entsprechend hat man den Fokus der Entwicklung mittlerweile umgeschwenkt, weg von unnötigen Neuerungen, hin zur Verbesserung vorhandener Dinge.  Ein guter Trend, welcher Opfer bringt.

Ein Blick in die Zukunft

Die größten Veränderungen stehen erst bevor!

Mit dem nächsten großen Funktionsupdate lässt Microsoft sich Zeit, denn die Veröffentlichung ist auf 2020 angesetzt. Durch bisherige durchgesickerte Informationen wurden Pläne offenbart, welche die Benutzeroberfläche stark verändern. Beispielsweise plant man die Beerdigung der Live Tiles. Außerdem wird 2020 sowieso ein spannendes Jahr für Windows, denn das ist die Deadline für den neuen Kernel und das neue moderne Betriebssystem von Microsoft, welches es mit Chrome OS aufnehmen soll. Ein schlankes Windows, völlig befreit von Altlasten und einem unauffälligen Update-Prozess.

Über den Autor

18 Jahre alt, Redakteur bei WindowsArea.de, besitzt umfangreiches Wissen über Windows und ist ab jetzt mit dem OnePlus 6T unterwegs.

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Peter.
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Peter.

Seit ich Windows 10 mit meinem MateBook benutze, finde ich Windows 10 wirklich gut. Es kommt eben doch darauf an auf welchem PC das Windows 10 ist, das eine oder andere ist noch nicht optimal, aber es wird immer besser.

tk69
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tk69

Ein guter Artikel, den ich so auch unterschreiben würde.