8chan: Plattform für Attentäter oder gelebte Meinungsfreiheit?

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Das Imageboard 8chan steht erneut in der Kritik. Die Seite, welche sich damit rühmt, den freien Meinungsaustausch ohne jeglicher Zensur zu ermöglichen, wird nun von Medien, Politikern und Technologiekonzernen angegriffen.

8chan ist seit dem 5. August nicht mehr erreichbar. Im Anschluss an den Terrorakt in El Paso ist nämlich auf der Seite ein Hass-Manifest aufgetaucht. Daraufhin hat der US-Konzern Cloudflare den DNS für 8chan entzogen. Seitdem ist die Seite nicht erreichbar, da man praktisch kein Unternehmen findet, das als DNS Provider dafür agieren möchte.

Manifest des Täters wurde auf Instagram hochgeladen

Dass ein Konzern wie Cloudflare in Eigeninitiative eine Internetseite ohne entsprechender Rechtssprechung vom Netz nehmen kann, sorgt nicht nur in der 8chan-Community für Kritik. Dass aufgrund des politischen und medialen Drucks kein anderes Unternehmen als Provider einspringen kann, erweckt Ängste vor Zensur im Internet. Könnte eine Regierung demnach auf einige Unternehmen ausreichend Druck ausüben, um die Veröffentlichung von für die Öffentlichkeit relevanten Informationen zu verhindern? Könnten durch Druck auf private Konzerne gar Dissidenten zum Schweigen gebracht werden?

8chan-Beitreiber Jim Watkins meldete sich in einem Video zu Wort und er hat eine klare Meinung zum Thema. Das Manifest, welches auf 8chan veröffentlicht worden war, wurde dort nicht vom Täter hochgeladen. Der Täter selbst hätte Inhalte demzufolge nur auf Instagram veröffentlicht, nicht auf 8chan.

Fakt ist: 8chan hat in den USA keine Gesetze gebrochen, hat die Hass-Inhalte zeitnah gelöscht und wurde wegen keiner Straftat verurteilt oder gar angeklagt. Selbes gilt übrigens für Instagram. Während aber die Facebook-Tochter heute noch erreichbar ist, gilt das für 8chan nicht.

Meinung: 8chan ist nicht Schuld am Attentat

Die USA haben ein offensichtliches Problem mit Amok-Schützen und mit rechtsradikalem Terrorismus. Die US-Politik, aber offenbar auch die deutschen Medien, wiederholen dabei gebetsmühlenartig die wilde Fiktion des US-Präsidenten sowie vieler republikanischer Politiker, Schuld an den Attentaten seien Videospiele oder das Internet. Dass der US-Präsident selbst allerdings von Mexikanern als Mörder und Vergewaltiger sprach, demokratischen, afroamerikanischen Politikerinnen empfiehlt, dorthin zurückzugehen, wo sie hergekommen sind, davon soll doch diese Debatte um 8chan nur ablenken. Der US-Präsident legt diese hasserfüllte Rhetorik täglich an den Tag und jetzt sollen Call of Duty und das 8chan Schuld sein, wenn Menschen sterben? Schweden hat auch beides. Warum schießt dort nicht jedes Wochenende ein Rassist herum?

Sollte 8chan offline bleiben, wird das kollektive Rechtsbewusstsein das schon bald als die gerechte Konsequenz für diese grauenhaften Morde akzeptieren. Unter Umständen erlässt die USA das eine oder andere Gesetz, das Bump Stocks in „Killer-Spielen“ verbietet und die Sache ist vom Tisch. Bis zur nächsten Schießerei in einer Schule, in einem Krankenhaus, in einem Shopping-Center.

Schlusswort: Waffen sind das Problem

Es sei unbestritten, dass das Internet einen enormen Teil dazu leisten kann, Menschen von rassistischen Ideologien zu überzeugen und sie zu radikalisieren. Das Internet, aber auch Bücher, Magazine und andere Medien können radikalisieren. Es ist schließlich nicht so, als hätte es bis zum Internet keine radikalen Ideologien auf der Welt gegeben.

Beflügelt wird allerdings der rechtsextreme Terror in den USA nicht von kleinen Technologieunternehmen, die eine Plattform für fragwürdige Inhalte bieten, sondern von der praktisch uneingeschränkten Verfügbarkeit von tödlichen halbautomatischen Gewehren.

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