Ratgeber: Was ein PC fürs Home-Office mitbringen sollte

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Homeoffice Büro

Was einem der Arbeitgeber an Materialien zur Verfügung stellt, stellt nicht immer das Optimum für den Job dar. Häufig ist es bloß „gut genug“ mit Fokus auf einen möglichst günstigen Anschaffungspreis. Zweckorientiert eben…

Wer jedoch zu den Glücklichen gehört, die als Selbständige oder danke einer Bring your own Device (BYOD)-Richtlinie von zu Hause aus arbeiten können, bekommt damit nicht nur die volle Freiheit in Sachen Einrichtung und Büro-Dekoration, sondern eben auch die Option, sich einen PC nach seinem Gusto zusammenzustellen. Doch wie sollte der Home-Office PC denn konkret aussehen? Eine mögliche Antwort darauf soll dieser Beitrag liefern: Allerdings mit Fokus auf die große Masse derjenigen Anwender, die keine speziellen (= leistungshungrigen) Anwendungen wie etwa Bild- oder Videobearbeitung durchführen müssen.

Und es mag durchaus sein, dass einige unter euch hier nichts Neues lesen. Dies gilt aber keineswegs für alle Leser. 😉

1. Windows 10 ist faktisch Pflicht

Hardware-Anforderungen können sich unterscheiden. Aber was das Betriebssystem angeht, sollte dieser PC nur eine Stoßrichtung kennen: Windows 10. Und zwar mindestens in der Pro-Version, besser allerdings als Enterprise, weil diese Version vollends auf Unternehmen abgestimmt ist und es gewisse Kritiken an der niedrigschwelligen Business-Variante Pro gibt – vielleicht stellt ja die Firma einen Key bereit.

Das hat schlicht mit einer Tatsache zu tun: Das Redmonder Betriebssystem ist auf der ganzen Welt bekannt, akzeptiert und vor allem ist es breitgefächert mit Hard- und Software kompatibel. Klar, es gibt Branchen, die nutzen tendenziell eher Apfel-Produkte, andere fahren Linux-Distributionen. Doch sofern einem der Arbeitgeber nichts anderes vorgibt, sollte Windows 10 installiert sein. Für Windows 10 sprechen übrigens auch ökonomische Gründe.

2. Desktoprechner ist sinnvoll

Richtig: Die heutige Computerwelt besteht zu einem erheblichen Teil aus Notebooks bzw. mobilen PCs. Doch auch wenn die Klapprechner, Tablets, Hybride und Mischformen eine große Daseinsberechtigung haben, gilt das meines Erachtens für den reinen Heimbetrieb – aus folgenden Gründen – nur bedingt:

  • Sie sind in der Regel unergonomisch. Ist die Tastatur in richtiger Höhe und Abstand zum Bediener, ist aber der Bildschirm zu dicht und niedrig und umgekehrt. Bei normaler, d.h. längerfristigen, Büroarbeit ist das fast ein Garant für Rücken- und sonstige Schmerzen.
  • Man ist gezwungen, für eine ergonomische Körperhaltung zusätzliche Komponenten (Dockingstation, Bildschirm, Tastatur etc.) zu kaufen und gibt Geld aus, das an anderer Stelle unter Umständen besser investiert sein könnte.
  • Die Zahl der Anschlüsse zwischen USB und HDMI ist bei Notebooks begrenzt. Durch die notwendigen Zusatzgeräte werden sie zudem unnötig blockiert. Dieser Nachteil entfällt im Falle einer Dockingstation.
  • Es gibt viele proprietäre Bauteile (insbesondere im Falle von Dockingstations), die sich nur schwer austauschen oder upgraden lassen.

Es muss gewiss kein ausgewachsener Tower sein. Dessen (Einbau-)Raum wird man höchstwahrscheinlich für das Office niemals benötigen. Aber schon ein Small-Form-Factor-PC wie Intel NUC oder Zotac ZBOX dürfte den meisten eher zusagen als ein Notebook.

Was die Leistung anbelangt, kommt man zwar mit 4 GB RAM für normale Büroarbeit hin. Aber für mehr Zukunftstauglichkeit sollte der Blick eher in Richtung 8 GB und aufwärts, SSD-Speicher und ausreichend dimensionierten CPUs wandern.

3. Grafikkarte sollte mindestens zwei HDMI-Anschlüsse mitbringen

Egal ob es ein XXL-Monitor ist oder zwei, drei Bildschirme in Normalgröße: Diese Arbeitserleichterung sollte man sich zuhause in jedem Fall gönnen.

Doch unabhängig davon, für welches Gehäuse ihr euch letzten Endes entscheidet, solltet ihr darauf achten, dass eine Grafikkarte verbaut ist, die mindestens zwei, besser drei HDMI-Ausgänge aufweist.

Der Grund ist simpel: Windows 10 macht es herrlich einfach, eine Multi-Monitor-Umgebung aufzubauen, ohne auf Drittanbieter-Software zurückgreifen zu müssen: es geht alles mit Bordmitteln.

Natürlich, man könnte sich auch einen wirklich großen Einzelbildschirm wie den HP Envy 34 Curved zulegen. Aber dessen Preis – ob reiner Bildschirm oder AiO – wird kaum ein Chef bezahlen wollen und man selbst wird in den meisten Fällen auch nicht so viel ausgeben wollen.

Neben der finanziellen Seite sprechen weitere Gründe dafür, mehrere Monitore zu nutzen:

  • Man kann seine Arbeitsumgebung sauber aufteilen. Ein Bildschirm fürs Arbeiten, einer zum Kommunizieren, ein Dritter für „Nebenbei-Anwendungen“.
  • Man profitiert gleichzeitig von einer gewissen Redundanz: Wenn ein Bildschirm ausfällt, bleibt man trotzdem arbeitsfähig.
  • Mehrere Einzelmonitore lassen sich flexibler auf- und einstellen.

Bloß eins sollte man eher nicht tun: Sich mit einem einzelnen Bildschirm im klassischen Format zufriedengeben. Den Luxus sollte man sich tatsächlich gönnen, denn er macht das Arbeiten ungleich angenehmer.

4. Auf jeden Fall im Netz umschauen

Wenn es darum geht, sich einen PC Stück für Stück zusammenzubauen und man nicht ein bereits versierter IT-Nerd ist, empfiehlt es sich, seine Komponenten im Ladengeschäft zu erwerben und sich hierbei beraten zu lassen.

Allerdings: Hier geht es nicht um High-End-Rechner fürs Gaming, sondern einen soliden Heimbüro-Computer. Dessen Komponenten benötigen weit weniger tiefgehende Kenntnisse und Beratung. Vor allem ob der Tatsache, dass man im Netz zahlreiche vergünstigende Goodies nutzen kann, d.h. Rabatte und Gutscheine, bietet sich durchaus ein Blick in Onlineangebote an.

Doch das hat noch einen anderen Grund: Was die Kostenübernahme anbelangt, ist Home-Office ein nach wie vor rechtlich etwas schwammiger Bereich. In der Praxis sieht es oftmals so aus, dass der Chef nur die Basis-Ausstattung bezahlt. Indem man – einen oberhalb jener Basis angesiedelten – PC im Netz und mit Gutscheinen – teilweise erheblich – günstiger als im Einzelhandel erwirbt, kann man vielleicht dennoch den Spagat schaffen und die Kosten (größtenteils) auf den Arbeitgeber abwälzen.

5. Redundante Sicherheit schaffen

Home Office Sicherheit

Trotz Cloud-Technologien ist es sicherlich nicht falsch, auf eine externe Festplatte als Backup zu setzen – zumal diese, sofern es keine SSD mit hoher Kapazität sein muss, mittlerweile relativ günstig sind.

In manchen Berufen wird man auch zu Hause via Remote-Zugang auf den Servern des Unternehmens arbeiten und so alle dortigen Backup-Funktionen nutzen. Dann kann dieser Punkt vernachlässigt werden.

Bei wem die Heimarbeit jedoch lokal stattfindet, der sollte zumindest eine, bei besonders relevanten Arbeiten gerne zwei Rückfallebenen bereithalten:

  • Wer ohnehin Office-365 nutzt, sollte man den dazugehörigen OneDrive-Cloud-Speicherdienst nutzen, soweit mit unternehmenseigenen Richtlinien vereinbar. Das entkoppelt die Dateien von sämtlichen heimischen Hardware-Risiken.
  • Zusätzlich oder alternativ ist jedoch eine zweite (gern externe) Festplatte zu empfehlen. Auf dieser wird entweder regelmäßig ein Systemabbild gespeichert oder ihr nutzt Live-Backups mithilfe von Drittanbieter-Software. Das läuft dann im Hintergrund und sichert automatisch. Auch hier ist eine vorherige Absprache z.B. mit dem jeweiligen IT-Sicherheitsbeauftragen des Unternehmens ratsam.

Beides verhindert effektiv, dass ein Schaden am Rechner bzw. den Speichermedien wichtige Dateien unwiederherstellbar zerstört.

6. Skype-Account / MS Teams in Betracht ziehen

Skype gehört bei Windows 10 zu den Bordmitteln. Und es empfiehlt sich, das Programm auch für die Heimbüro-Umgebung zu nutzen, soweit aus Arbeitgebersicht nichts dagegen spricht. Sofern man nicht zur Zielgruppe für die großen Skype-Versionen -Besprechungen und -for Business gehört, reicht die normale Version aus.

Der Grund: Die Echtzeitkommunikation macht es enorm simpel, mit Kollegen und Vorgesetzten in Kontakt zu treten, ohne Telefon bzw. E-Mail bemühen zu müssen. Der Ansatz ist schlicht niedrigschwelliger und stört somit den Arbeitsfluss weniger. Ähnlich verhält es sich übrigens mit Microsoft Teams!

7. Nicht an der Tastatur sparen

Home-Office Tastatur

Für gerade Tastaturen muss man meist eine unergonomisch abgeknickte Handhaltung einnehmen. Für Vielschreiber im Heimbüro ist eine ergonomische Tastatur deshalb besonders sinnvoll.

Seit jeher suchen zahlreiche Büroarbeiter den Arzt auf, weil sie Probleme im Hand- bzw. Handgelenkbereich haben. Und in den meisten Fällen dürfte die Diagnose „unergonomische Tastatur“ lauten: Mit anderen Worten, das sogenannte RSI-Syndrom, es steht für „Repetitive Strain Injury“, also Verletzung durch wiederholte Überlastung – eine Art „Tennisarm“ der Büroarbeit.

An diesem Punkt sollte man sich einmal mehr vor Augen führen, welchen großen Vorteil das heimische Büro bietet: Man kann alles der eigenen Bequemlichkeit unterordnen. Und idealerweise sollte sich dies nicht nur auf die Meidung eines einengenden Business-Outfits und die Anschaffung eines maximal bequemen Bürostuhls beschränken. Das Augenemerk solltet ihr auch auf das wichtigste Arbeitsgerät richten, die Tastatur.

Denn Tastatur ist nicht gleich Tastatur. Wer pro Tag abertausende Wörter tippen muss, sollte keinesfalls auf ein 15-Euro-Stück aus dem Netz vertrauen. Schon, weil derartige Modelle meist nicht auf derartige Dauer-Hochbelastung ausgelegt sind und recht schnell den Geist aufgeben.

Praktisch jeder namhafte Tastaturhersteller führt auch besonders ergonomische Modelle im Programm, auch Microsoft führt mit dem Sculpt Ergonomic Desktop ein solches Modell; dazu auch Logitech und Konsorten.

Natürlich, für eine solche Tastatur-Maus-Kombination bezahlt man rasch dreistellige Summen. Diese Summen investiert ihr aber an dieser Stelle gerade nicht nur in Bequemlichkeit, sondern eure Gesundheit. Und an die sollte man bekanntermaßen kein Preisschild hängen.

Home-Office PC Ratgeber: Schlusswort

Im Grunde genommen braucht man auch im Home-Office „nur“ einen Office-PC. Doch gerade, weil man dort fernab seines firmeneigenen Büros arbeitet und sich mit niemandem das Büro teilen muss, sollte man sich meines Erachtens auch innerhalb dieses Rahmens einige Extras gönnen. Das Home-Office ist schließlich nicht nur deshalb so beliebt, weil man dann nicht jeden Tag pendeln muss – oft sind es auch die kleinen Dinge.


Bildquellen: unsplash.com © Slava Kayzman, unsplash.com © Christin Hume, unsplash.com © Caspar Camille Rubin, pixabay.com © josemiguels, pixabay.com © stokpic

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Guter Artikel, bin mit dem Formfaktor aber nur teilweise einverstanden.

Anstelle eines separaten Desktops, NUC oder ZBOX eigenen sich einigermassen leistungsfähige Notebooks oder ein Surface. Ich betreibe zuhause erfolgreich ein Surface mit externer Tastatur, Bluetooth Maus und 34“ Widescreen. Bei der Arbeit ein Notebook mit Docking oder USB-C Dock, ebenfalls externe Maus/Tastatur und zwei externen Monitoren. So kann man auch mal die Lokation wechseln oder einfach mal im Garten etwas arbeiten.

Extra Desktop, NUC oder ZBOX nur wegen Home Office anzuschaffen, ist aus meiner Sicht unflexibel und rausgeschmissenes Geld.

FZ61
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FZ61

Genau, inzwischen brauche ich keine „Power PC „mehr und habe lediglich noch ein Tablet mit Atom 8350 und hat noch eine 256 GB Micro SD. (Der Chuwi Hi10 Pro kostete beim Chinamann im Angebot 110 ,-€ , Monitor, Funktastatur, Hub zusammen keine 150) Zuhause ist via USB-C ein 24“ Monitor , USB-Hub und Funk Tastatur/Maus dran.
Unterwegs wenn nötig nee Bluetooth Tastatur und Maus und fertig.
Ich bin ziemlich überrascht wie gut es sich mit dem Atom im Netz /Office und etwas Foto Bearbeitung schaffen lässt und verstehe den Hype nach noch mehr Prozessorleistung nicht. Ok, Spiele habe ich keine…

Basti
Editor

Leistungstechnisch stimmt das schon. Insgesamt empfinde ich aber einen Desktop PC als deutlich angenehmer. Alleine schon deshalb, weil ich so nicht jedes Mal ein Gerät mit dem Dock verbinden muss, das dann Platz auf dem Schreibtisch wegnimmt.