Telekom vs o2: Wer hat das bessere Mobilfunknetz? Ein Experiment

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Ist Telekom oder o2 besser? Das ist eine wichtige Frage, die bei der Suche eines neuen Mobilfunkvertrags aufkommt.

O2 bietet ein attraktiveres Preis-/Leistungsverhältnis. Datenvolumen in Höhe von 40 Gigabyte ist für nur 34,99€ im Monat zu bekommen. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, vor allem mit Kombi-Vorteilen und Freundes-Codes lockt o2 viele Kunden. Selbstverständlich dürfen die ganzen Drittanbieter nicht außer Acht gelassen werden, die sich ins O2-Netz einkaufen und noch günstigere Tarife im Angebot haben. Auf sim.de ist der Erwerb von 20 GB-Datenvolumen für nur 15€ im Monat möglich, wahlweise ohne Vertragslaufzeit.

Telekom dagegen spiegelt bei der Preisgestaltung einen völligen Kontrast wider. Die Preise sind um einiges höher und das Drittanbieter-Angebot sehr klein. Für 40€/Monat bietet der deutsche Konzern seinen Kunden schlappe 6 Gigabyte-Datenvolumen. Gute Chancen hat man ausschließlich als junger Mensch unter 28 Jahre, da man zum gleichen Preis immerhin 10 GB bekommt.

Telekoms großer Vorteil: die Netzabdeckung

Die Netzabdeckungskarte der Bundesnetzagentur

Wieso sollte man sich dann für die Telekom entscheiden? Aufgrund der Netzabdeckung. Der teurere Anbieter hat ohne Zweifel ein dichteres Netz an Mobilfunkantennen ausgebaut, von dem die Konkurrenz nur träumen kann. Besonders im ländlichen Bereich ist ein o2-Mobilfunkvertrag nutzlos. Denn was bringen 100 Gigabyte-Datenvolumen, wenn man keinen Empfang hat?

Eben das ist ein wichtiger Punkt. Die Netzabdeckung von o2 schwankt stark zwischen den Bundesländern und Regionen. In diesem Artikel möchte ich zeigen, dass sich zumindest im Bundesland Nordrhein-Westfalen die höheren Preise der Telekom einfach nicht rentieren.

Dazu habe ich das kostenlose Try and Buy-Angebot der Telekom in Anspruch genommen, welches längst ausgelaufen ist. Des Weiteren ist es wichtig zu erwähnen, dass ich keine professionelle Ausrüstung zur Messung der Netzabdeckung besitze. Ich bin nur etwas in NRW herumgekommen und habe an diversen Orten einen Speedtest durchgeführt. Außerdem habe ich die Empfangsbalken meines Smartphones zur Hilfe genommen.

Gegebenheiten

Folgende Dinge kamen für diesen Test zum Einsatz:

  • Smartphone: OnePlus 7 Pro mit Dual-Sim-Funktionalität
  • o2-Vertrag: o2 Free M (10 GB)
  • Telekom-Vertrag: Telekom Try and Buy, entspricht MagentaMobil S (6 GB)
  • Testraum: Nordrhein-Westfalen

Telekom vs o2 im Speedtest-Vergleich

Ort 1: Zuhause in meiner Wohnung

Speedtest: o2: Download 35,6 Mbps, Upload 3,19 Mbps ; Telekom: Download 4,70 Mbps, Upload 0,72 Mbps

Links auf dem Bild befindet sich immer der Speedtest von o2, während rechts der von Telekom abgebildet ist.

Anhand des Screenshots kann man sehr gut erkennen, dass ich in meiner Wohnung mit o2 deutlich besser aufgestellt bin. Hinzukommt, dass ich in manchen Räumen im Telekom-Netz lediglich eine lahme Edge-Verbindung bekomme, während o2 durchweg LTE bietet.

Somit ist zumindest an dem Ort, wo man auch einfach das WLAN nutzen könnte, o2 schon mal überlegen.

Ort 2: meine Bahnhaltestelle

Speedtest: o2: Download 93,8 Mbps, Upload 29,2 Mbps ; Telekom: Download 49,2 Mbps, Upload 19,4 Mbps

Ein weiterer, wichtiger Ort meines täglichen Lebens stellt meine Bahnhaltestelle dar. Hier sind beide Anbieter in Topform, ohne einen direkten Speedtest würde man keinen Unterschied spüren. Doch im Kontext des Vergleichs Telekom vs o2 gewinnt ganz klar o2.

Jetzt könnte man gegenüberstellen, dass ich mit meinem Wohnort einfach Glück habe und wahrscheinlich sehr nah an einem o2-Mast ansässig bin. Aus diesem Grund verlassen wir nun das eigene Gehege und machen uns auf, in die große, weite Wildniss. Auch bekannt als Zivilisation.

Ort 3: Duisburg-Innenstadt

Am Rathaus:

Speedtest: o2: Download 92,9 Mbps, Upload 35,6 Mbps ; Telekom: Download 56,5 Mbps, Upload 54,6 Mbps

Mit o2 kann man Dateien schneller Empfangen, während die Verbindung zur Telekom einen Vorteil beim Senden aufweist.

In der Innenstadt:

Speedtest: o2: Download 179 Mbps, Upload 51,5 Mbps ; Telekom: Download 131 Mbps, Upload 84,5 Mbps

Einer der wichtigsten Punkte in der Stadt. Denn hier bieten sich die meisten Einkaufsmöglichkeiten, sowie große Wiesenflächen zur Entspannung. Auch hier schneiden beide Anbieter hervorragend ab, da gibt es nichts zu kritisieren.

Erneut ist o2 etwas besser im Download, während die Telekom mehr im Upload bietet. Insgesamt ein Unentschieden.

Ort 4: Telekom Fernmeldeturm

Speedtest: o2: Download 120 Mbps, Upload 39,3 Mbps ; Telekom: Download 146 Mbps, Upload 78,1 Mbps

Jeder von euch kennt die großen Fernmeldetürme, die zum (Groß-)Teil im Besitz der Deutschen Telekom AG sind. Nahe des Duisburger Hauptbahnhofs steht ebenfalls einer, weswegen ich es mir nicht nehmen lassen konnte, davor ebenfalls einen Geschwindigkeitstest durchzuführen.

Das Ergebnis ist wie vermutet, die Telekom bietet die schnellere Verbindung. Allerdings muss man zugeben, dass die Differenz nicht allzugroß ausfällt.

Ort 5: Duisburg Hauptbahnhof (auf einem Bahnsteig)

Speedtest: o2: Download 49 Mbps, Upload 17,3 Mbps ; Telekom: Download 112 Mbps, Upload 9,37 Mbps

Kommen wir nun zum Spezialgebiet der Telekom. Zugverkehr.

Egal ob an Bahnhöfen oder während Zugfahrten, mit der Telekom ist man sowohl im Regional Express als auch in S-Bahn und ICE besser aufgestellt. Verbindungsabbrüche treten deutlich seltener auf und die Geschwindigkeit ist konsistenter. Die Konkurrenz kann nicht mithalten, weswegen bei Telekom vs o2 in diesem Bereich ganz klar die Telekom gewinnt.

Ich muss aber zugeben, dass auf ICE-Strecken das Netz von o2 mittlerweile hervorragend ist. Auf der Reise nach Berlin habe ich nicht einmal das Zug-WLAN verwendet, und hatte auch keinerlei Bedarf dazu. Ich hatte die meiste Zeit eine Internetverbindung, die sogar schneller war als der Vodafone-Tarif meines Mitfahrers. Nur auf zahlreichen RE-Strecken merkt man weiterhin, dass o2 hinterherhängt. Dies stellt einen großen Nachteil dar, wenn man Züge häufig als Fortbewegungsmittel nutzt.

Ort 6: Rheinufer

Speedtest: o2: Download 47,4 Mbps, Upload 52,0 Mbps ; Telekom: Download 134 Mbps, Upload 79,1 Mbps

Genug vom Großstadtleben, der nächste Speedtest wurde an einem Rheinufer durchgeführt. Insgesamt eine sehr starke Leistung von Telekom, die um einiges besser als o2 abschneidet. An den Verlaufslinien erkennt man zusätzlich noch eine deutlich höhere Konsistenz, als bei o2 wo die Downloadgeschwindigkeit kurz nach Speedtest-Start einbrach.

Ort 7:  Krankenhaus

Speedtest: o2: Download 5,13 Mbps, Upload 0,07 Mbps ; Telekom: Download 4,97 Mbps, Upload 1,49 Mbps

Während meiner Testphase hielt ich mich kurzzeitig im Krankenhaus auf, und der Dual-Sim-Betrieb half mir dabei, die lange Präsenz im Wartezimmer zu überbrücken. Denn beim ersten Besuch hatte ich überhaupt kein Netz mit o2, null Empfangsbalken. Als Retter stellte sich die Telekom heraus, mit einer angenehm schnellen LTE-Verbindung.

Der zweite Besuch, wenige Wochen später, war ausgeglichener. O2 bot ein nutzbares 4G-Netz, bei dem es nur an Upload mangelte. Mit der Telekom bekam ich zwar nur eine 3G-Verbindung aufgebaut, doch die war schneller und nutzbarer als die 4G von o2. Somit hat die Deutsche Telekom bei dieser ungeplanten Situation ganz klar besser abgeschnitten. Durch die dicken Wände der Einrichtung erreichten mehr Frequenzwellen mein Handy.

Dieser Vergleich enthüllt einen wichtigen Umstand. Zwar hat o2 beim LTE/4G-Netz stark aufgeholt, wie man dem Vergleich entnehmen kann. Doch das 3G/H+-Netz stellt eine ungepflegte Hinterlassenschaft aus früheren Zeiten dar. Wenn bei o2 also der nächststehende LTE-Mast zu weit entfernt ist, dann gibt es keine Alternativverbindung, worauf das eigene Endgerät zurückgreifen könnte. Ohne LTE geht bei o2 einfach nichts.

Fazit – Telekom vs o2

Telekom ist um einiges teurer als o2, also müsste deren Netz doch um einiges besser sein?

Mein kleines Experiment hat gezeigt, dass dem nicht so ist. In Nordrhein-Westfalen ist o2 hervorragend aufgestellt, an manchen Orten sogar besser als die Konkurrenz. Unumstritten hat die Telekom weiterhin ihre Vorzüge, die sich besonders bei Zugfahrten, ländlicheren Regionen oder in isolierten Gebäuden zeigen. Doch diese Vorzüge rechtfertigen m.M.n. den deutlichen Preisunterschied nicht. Es kommt nämlich selten vor, dass ich eine zu langsame Verbindung mit o2 habe und noch seltener bleibt die Verbindung komplett aus. Dafür spare ich einige Euro in Monat, summiert zu einem Jahresbetrag kommt einiges zusammen.

Wer seinen Wohnsitz in NRW hat, dem würde ich nur unter der Bedingung zu Telekom raten, dass er häufig innerhalb Deutschlands auf Reise geht oder sich häufig an abgelegenen, ländlichen Orten herumtreibt. Alle anderen sind mit o2 gut bedient und profitieren von attraktiven Deals.

Tatsächlich habe ich vor diesem Test auch die Meinung vertreten, dass das Netz von o2 sowieso schlecht sei und das von der Telekom viel besser. Während der Testphase enttäuschte mich dann die Telekom, weil ich ursprünglich eine Steigerung in jeglichem Bereich erwartete. Jedoch sollte ich vielmehr überrascht von o2 sein, weil sie sich über die letzten Jahre stark besserten.

Das Netz von Vodafone konnte ich leider nicht testen, dass wäre in diesem Kontext noch interessant gewesen. Im Durchschnitt lässt sich sagen, dass Vodafone genau die Mitte zwischen o2 und Telekom trifft. Sowohl preislich, als auch im Aspekt der Netzabdeckung.

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Über den Autor

21 Jahre alt | Redakteur & Videoproduzent bei WindowsArea seit 2016

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