Neues Patch Tuesday Update blockiert EdgeDeflector für Windows 10 und 11

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Microsoft hat vor einem Monat damit begonnen, Anwender daran zu hindern, den Browser ihrer Wahl für Links aus der Windows-Suche sowie Microsofts Apps zu benutzen. Nun kommt das „Feature“ zum Edge-Zwang per Patchday-Update für alle.

Das microsoft-edge://-Protokoll nutzt Microsoft, um Links aus Apps wie „Ihr Smartphone“, Cortana oder der Suche direkt an den eigenen Edge-Browser weiterzuleiten. Wer also aus einer Microsoft-App auf einen Internetlink klickt, öffnet damit stets den Microsoft Edge-Browser. Das gilt auch dann, wenn ein anderer Browser als Standard ausgewählt wurde.

Entsprechend wurden Apps geschaffen, die das microsoft-edge://-Protokoll „kapern“ und diese Links an den Standardbrowser weiterleiten, den der Anwender zuvor gewählt hat. Gegen diese Apps geht Microsoft jetzt mit den gestern ausgerollten Patchday-Updates vor, namentlich mit KB5008212 und KB5008215 für Windows 10 und Windows 11.

Anwendungen wie der EdgeDeflector funktionieren mit dem neuen Update nicht mehr und Microsoft erklärt, dass man das Protokoll exklusiv halten möchte für den eigenen Browser, um ein „berechenbares“ Benutzererlebnis für die Anwender zu bieten. Internetlinks aus eigenen Apps nur im eigenen Browser öffnen zu lassen, würde Anwendern ein „Ende-zu-Ende“-Benutzererlebnis bieten, argumentiert der Konzern.

Entwickler haben allerdings bereits auf diese Änderung reagiert und greifen noch tiefer ins System ein, um das Protokoll zu umgehen. Die neue Anwendung MSEdgeRedirect erfüllt denselben Zweck, leitet allerdings die Befehle per Kommandozeile an den Standardbrowser weiter anstatt an Microsoft Edge. Dafür muss die Anwendung jedoch dauerhaft im Hintergrund laufen.

Microsoft lässt Nutzern keine freie Wahl

Das Argument von Microsoft ist in dieser Hinsicht einfach unglaubwürdig. Ob die MSN-Seite oder das Bing-Suchergebnis im Standardbrowser des Nutzers oder in Microsoft Edge angezeigt wird, spielt angesichts standardisierter Web-Standards absolut keine Rolle. Microsoft hat immerhin sogar die Chromium-Engine von Google Chrome übernommen, um dieselbe Webseiten-Darstellung von Google Chrome bieten zu können. Weshalb man Nutzern dann ausgerechnet verbieten möchte, die eigenen Seiten beispielsweise in Google Chrome darzustellen, leuchtet mir persönlich nicht ein.

Das Ziel der „Ende-zu-Ende-Experience“ ist unglaubwürdig, denn würde man bei Microsoft ein proprietäres, „besseres“ Benutzererlebnis schaffen wollen als man im Web im Web-Standards bieten kann, hätte man für die News-Widgets, die Bing-Suchergebnisse sowie die Cortana-Links auch einfach eigene Apps programmieren können. Das Ziel ist jedoch ein anderes: Browser-Dominanz. Und mich persönlich als begeisterten Edge-Nutzer schreckt das eher von der Nutzung ab.


Bildquelle: Vivaldi

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