Xbox Update sperrt Dateisystemzugriff und verhindert Minecraft Modding

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Meme mit folgender Aufschrift: and then we said this is for the players. Zusehen sind viele Leute, die sich köstlich amüsieren, um zu unterstreichen, dass man die Aussage nicht ernst meint. Eher ein Meme über Sony PlayStation, deren Motto this is for the players ist.

Es existieren diverse Möglichkeiten, Minecraft-Mods auf Xbox zu installieren. Da diese jedoch im Konflikt mit dem Minecraft Marketplace stehen, versucht Microsoft vehement, jegliche alternative Möglichkeiten zu verbannen.

Xbox-Konsolen können UWP-Apps ausführen, mit den gleichen Möglichkeiten wie unter Windows. Dazu zählen auch Datei-Explorer, die Zugriff auf das gesamte Xbox-Dateisystem hatten. Gepaart mit der Option, App-Pakete aus unbekannten Quellen querzuladen, eröffnete dies Wege zum Game-Modding auf Xbox. Besonders beliebt waren Minecraft-Mods.

Microsoft kommerzialisiert Minecraft-Mods

Screenshot des Minecraft Marketplace, worin man sich Skinpakete, Welten und Texturenpakete kaufen kann. Die Münzen sind eine Zwischenwährung, die man nur kaufen kann.

Minecraft hat den Ursprung auf PC, wo es immer noch floriert. Nicht nur, dass die Java-Edition kontinuierlich mit Aktualisierungen versorgt wird, auch die Modding-Community ist sehr aktiv. Täglich erstellen Fans neue Inhalte für das Spiel. Diese stehen so gut wie immer kostenfrei zum Download zur Verfügung und halten Minecraft am Leben.

Auf den anderen Spiele-Plattformen läuft auch eine andere Fassung von Minecraft, die sich Bedrock-Edition nennt. So auch auf der Xbox. Sie wird zeitgleich zur Java-Edition gepflegt und kann nicht unbedingt mit einer guten Mod-Unterstützung punkten. Das liegt unter anderem daran, dass die Spieldateien nicht mehr so einfach zu modifizieren sind.

Da Microsoft mit Minecraft Geld verdienen möchte, und Mods ein wichtiger Aspekt für den Langzeitspaß sind, hat man diese kommerzialisiert. Statt den Spielern offene Möglichkeiten zur Erweiterung des Spiels zu gewähren, eröffnete man einen Ingame-Shop. Darin können ambitionierte Entwickler ihre Projekte anbieten, immer gegen einen Echtgeld-Preis. Mit jedem getätigten Einkauf unterstützt man nicht nur den Modder, sondern auch Microsoft, die eine Provision in Höhe von 30% behalten.

Dementsprechend könnten für Microsoft andere Bezugsquellen ein Dorn im Auge sein. Denn wenn Spieler sich kostenfrei im Internet Mods herunterladen können, dann verdient man potenziell weniger Geld. Aus diesem Grund könnte man ein paar Maßnahmen ergriffen haben, die den Eindruck erwecken, als wolle man dies gezielt unterbinden.

Mods & Apps querladen unter Xbox erschwert

Xbox Dashboard, worauf die Microsoft Edge-Kachel zusehen ist

Auf dem Xbox-System ist eine vollwertige Version von Microsoft Edge vorinstalliert. Die erste Wahl, um sich komfortabel Mods und Apps herunterzuladen.

Mit einem Systemupdate im September blockierte Microsoft die Möglichkeit, Dateien aus dem Internet auf die Xbox herunterzuladen komplett. Durch diese Änderungen erschwerte man die Zugänglichkeit von Minecraft Mods.

Dateisystemzugriff nicht mehr gestattet

Dank der offenen App-Plattform der Xbox, haben Entwickler neue Wege gefunden, Datei-Downloads abseits von Edge weiterhin zu ermöglichen.

Als Umweg gab es Apps im Microsoft Store, mit denen man Dateien vom USB-Stick zur Konsole übertragen konnte. Diese Möglichkeit eröffnete eine App namens My Files Explorer, die zu einem wichtigen Tool für die Minecraft-Community wurde. Somit waren Mods weiterhin im Umlauf, doch lange hielt dies nicht.

Mit dem Oktober-Update des Xbox-Systems hat Microsoft den Dateisystemzugriff für alle Apps blockiert. Somit gehören die oben aufgeführten Umwege zur Vergangenheit an und das Xbox-System ist jetzt noch isolierter. Auch zum Nachteil derer, die die Xbox-Konsole als Multimediasystem nutzen.

Unser Leser Dennis hat ein Video erstellt, in dem er zeigt, dass Drittanbieter-Apps nicht mehr aufs Dateisystem zugreifen können:

My Files Explorer fliegt aus dem Xbox Store

Store-Screenshot von My Files Explorer

Vorerst blockierte Microsoft nur für Apps den Zugriff auf das Dateisystem, doch Spielen war er immer noch gestattet. Diese Lücke nutzte der Entwickler von My Files Explorer aus. Er veröffentlichte eine Erweiterung für seine App namens Expansion for Explorer, unter dem Deckmantel eines Spiels, um sie weiterhin im vollen Umfang im Store zu behalten.

Auch dieser Trick blieb nicht lange unentdeckt, Microsoft änderte die Store-Richtlinien so, dass Spiele nicht mehr auf das Dateisystem zugreifen dürfen.

Auf Nachfrage bei Marcelo de Souza, Entwickler von My Files Explorer, bestätigte er mir, dass Microsoft seine App ebenfalls aus dem Store entfernen wird. Allerdings mit zusätzlichen Begründungen.

Er habe mit dem letzten Update den Zugriff auf Systemordner und USB-Sticks entfernt. Damit man mit seiner App nur noch auf öffentliche Ordner zugreifen kann. Dazu zählen die klassischen Dokumente oder Bilder-Ordner, also Mods sind damit nicht mehr installierbar. Trotz dieser Änderung darf My Files Explorer samt dessen Extension nicht im Store bleiben.

Laut dem Store-Team beinhalte die Expansion nämlich die Möglichkeit, Apps oder Spiele außerhalb des Stores zu kaufen. Außerdem speichere die App Informationen des Microsoft-Accounts, was beides gegen die Richtlinien ist. Laut de Souza verhält sich seine App jedoch nicht so, weswegen er diese Begründung für unverhältnismäßig ansieht.

Die Versuche von Microsoft, solche Apps mit allen Mitteln auszuschließen, erwecke auch bei ihm den Eindruck, dass Microsoft primär das Ziel verfolge, das inoffizielle Modding von Minecraft zu verhindern.

Er hat an der E-Mail einen Screenshot von der Review des Store-Teams angehangen: 

Screenshot von der Microsoft Store Application Review Results zu Expansion for Explorer

MC Addons Manager ist ebenfalls nicht mehr im Xbox Store

Das gleiche Schicksal trifft übrigens auf MC Addons Manager zu, dessen Entwickler ihre Anwendung ebenfalls getarnt als Spiel im Store einreichten. Hierbei handelt es sich um eine dedizierte App, um Mods für Minecraft komfortabel installieren zu können. Sie ist nicht mehr im Xbox Store aufzufinden.

Die Entwickler von MC Addons Manager erstellten sogar eine Petition, in der sie Unterschriften sammeln, mit dem Ziel, den Zugriff auf das Dateisystem wieder zu erlangen. Hier klicken, um zu Change.org zu gelangen. In dem Beschreibungstext der Petition schildern sie nochmals ihre Sichtweise der Situation.

Fazit: Microsoft könnte aus finanziellen Gründen Minecraft Mods auf Xbox blockieren

Promo-Bild von Minecraft Dungeons

Die Situation ist recht komplex, weswegen man nicht direkt mit dem Finger auf Microsoft zeigen kann. Ob man extra Einschränkungen im System einbaut und sogar die Store-Richtlinien ändert, nur um die Installation von Minecraft Mods zu verhindern, ist nicht ganz klar. Es lässt sich jedoch nicht bestreiten, dass Microsoft sich sehr auffällig verhält. Somit erweckt es den Eindruck, dass Microsoft die Freiheit der Spieler einschränkt, nur um mehr Geld zu erwirtschaften. Aus diesem Grund ist es wichtig, diesen Umstand in die Welt herauszutragen.

An der Blockierung von Datei-Downloads via dem Edge-Browser merkt man ganz klar, dass man als Nutzer nun komplett auf den Store angewiesen ist. Somit ist man abhängig davon, was Microsoft zulässt und was nicht. Und genau diese Abhängigkeit hat den Umstand erzeugt, dass viele Spieler nicht mehr ihre Xbox in dem Umfang nutzen können, wie es vor den Einschränkungen der Fall war.

Trotzdem darf man nicht vergessen, dass wir hier über eine Konsole sprechen. Das eine Xbox oder eine PlayStation ein isoliertes Ökosystem darstellen, ist eine selbstverständlichkeit.

Vielen Dank an Dennis für den Tipp und für das Video. Außerdem vielen dank an den Entwickler von My Files Explorer, dass er so schnell und ausführlich auf meine E-Mail antwortete. ❤️

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Über den Autor

21 Jahre alt | Redakteur & Videoproduzent bei WindowsArea seit 2016

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