Microsoft belebt Movie Maker wieder – als Web-App namens Clipchamp

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Eine Gif von der Timeline in Clipchamp

Microsoft verkündete soeben, dass sich Clipchamp zu den vorinstallierten Apps unter Windows 11 einreiht. Bei dem Neuzugang handelt es sich um eine Software zur Video-Editierung, wodurch ein Vergleich mit Movie Maker vorbestimmt ist. Allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, ab dem man feststellt, dass es sich bei Clipchamp um eine reine Web-App handelt. Neu ist die Webseite ebenfalls nicht, denn das Projekt geht zurück bis ins Jahre 2013 und wurde erst vor wenigen Monaten von Microsoft akquiriert.

Im Vergleich zu anderer Einstiegssoftware zeigt sich Clipchamp überraschend umfangreich. Besonders hervorzuheben ist die vollwertige Timeline, mit der man Videoclips genauso schneiden und zusammenstellen kann, wie mit professioneller Software. Dank stark verringerter Komplexität bleibt die Einsteigerfreundlichkeit trotzdem gegeben. Auch möglich ist die Überlagerung von Videosequenzen, um Einblendungen zu schalten, ohne die Hauptsequenz zu unterbrechen, wie es mit Movie Maker nie möglich gewesen war.

Zum Funktionsumfang gesellen sich diverse Übergänge, Text-Vorlagen, Grafiken und sogar ganze Projekt-Vorlagen. Besonders praktisch für die Erstellung von Präsentationen ist der integrierte Bildschirmrekorder. Alternativ kann man auch alte YouTube-Zeiten wiederbeleben, mit Video-Tutorials, vertont von einer Computer-Stimme, die dank Text-To-Speech-Integration von Azure besonders authentisch spricht. Insgesamt vermittelt Clipchamp also den Eindruck, als wäre es der bislang mächtigste Video-Editor der jemals in Windows mitgeliefert wurde.

Die Schattenseite von Clipchamp: das Abomodell

Microsoft betont in ihrem Blog-Eintrag die weiteren Vorzüge von Clipchamp. Dazu zählt der unlimitierte Zugriff auf ein großes Archiv an kostenlosen Videos, Audios und Bildern. Das ist sehr beeindruckend, da es in der Regel Videoproduzenten haufenweise Geld kostet.

Wie ich erst bei der Nutzung des Dienstes festgestellt habe, stellt Clipchamp in diesem Bereich keine Ausnahme dar. Auch hier muss man monatlich Geld bezahlen, um Stock-Footage nutzen zu dürfen. Der Preis variiert je nach Paket und dessen Umfang. Den günstigsten Einstieg stellt das Creator-Paket dar, welches für nur 9 USD im Monat einen unbegrenzten Cloud-Speicher für die Sicherung von Videos bietet.

Es wäre ein faires Bezahlmodell, wäre da nicht die Beschränkung beim Videoexport. Die kostenlose Version erlaubt nämlich nur die Erstellung von Videos mit einer Auflösung von maximal 480P. Dies entspricht nicht mal dem HD-Standard und ist im Jahre 2022 sehr unterdimensioniert. Betrachtet man die Preise nun aus der Perspektive, dass man das Audio-Archiv nicht benötigt, sondern nur den 1080P-Export, dann sind 19 USD pro Monat für einen einfachen Editor recht teuer. Legt man nur wenige Euro oben drauf, dann kann man sich schon Adobe Premiere Pro kaufen. Ein Werkzeug für Profis.

Fazit und eigene Meinung

Microsoft möchte Windows lukrativer machen, denn ausschließlich mit Lizenzschlüsseln finanziert man keinen langjährigen Update-Service. Erst recht nicht in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, bei der Microsofts Aktionäre nur zufrieden sind, wenn ein Wachstum zu verzeichnen ist. Dementsprechend dürfen wir solche Integrationen in Windows häufiger sehen, doch immerhin sind sie einfach zu deinstallieren und klauen dem Windows-Team keine wertvollen Ressourcen. Zum Schluss äußere ich noch den Wunsch, dass der Video-Editor in der Fotos-App beibehalten werden sollte. Es bleibt ein gutes Tool für absolute Beginner und erlaubt kostenlose HD-Exporte.

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Über den Autor

21 Jahre alt | Redakteur & Videoproduzent bei WindowsArea seit 2016

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