Manchmal reicht ein Tag des intensiven Shitstorms doch, damit aus einer „technischen Notwendigkeit“ plötzlich doch nur eine Option wird. Wenn das nur bei Microsoft noch funktionieren würde…
Am Dienstag hatte Google angekündigt, dass unterschiedliche KI-Funktionen wie Gemini standardmäßig für Schüler an US-Schulen (K-12) standardmäßig deaktiviert sein werden. Administratoren müssen somit im Zuge eines Opt-In diese Funktionen für ihre Schüler aktivieren, sodass sie darauf zugreifen können. Klingt grundsätzlich wie eine gut durchdachte Initiative, um mehr Kontrolle zu schaffen für die Implementierung von KI-Diensten. Könnte man meinen, allerdings hat Google natürlich daran gedacht.
Wer nämlich die KI-Funktionen ablehnt, verliert automatisch auch Zugriff auf die Google Suche. Google verknüpft also seine Gemini-KI mit der Suchfunktion, womit man Nutzern in Wahrheit keine wirkliche Wahl lässt. Laut Google seien die Suche und KI einfach „tief integriert“ miteinander und schlichtweg untrennbar. Microsoft aus den 1990ern lässt grüßen.
Microsoft argumentierte nämlich im Kartellverfahren der 90er genauso: Der Internet Explorer sei kein eigenes Produkt, sondern Teil von Windows.
Die Reaktionen fielen entsprechend aus. New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani warf Google Machtmissbrauch vor, Senator Bernie Sanders sprach von Erpressung, auch Ex-FTC-Chefin Lina Khan übte Kritik. DuckDuckGo stellte trocken fest, es gebe keinen technischen Grund, die KI nicht abzuschalten.
Google rudert zurück
Jetzt folgt die Kehrtwende per Post auf X: Schulen können Gemini, Gemini Notebook und die Suche nun doch unabhängig voneinander aktivieren. AI Overviews und der AI Mode lassen sich innerhalb der Suche allerdings weiterhin nicht abschalten. Wer die Google-Suche will, bekommt KI dazu und damit auch das entsprechende Tracking.
Immerhin sollen beide Funktionen für Schulen eigens angepasst werden. Bei Hausaufgaben sollen sie Schritt für Schritt erklären, statt die Lösung direkt auszuspucken. Guided Learning ist in Google Classroom bereits weltweit verfügbar. Ein Pilot in der Suche startet noch diesen Monat an ausgewählten US-Schulen.
Unterm Strich hat Google nicht nachgegeben, sondern die Zwangsbündelung nur eine Ebene tiefer verlegt. Eine klassische Suche ohne KI bleibt für Schulen somit nicht erreichbar. Damit entscheidet nicht das Bildungsministerium oder die Schule, an der das Produkt eingesetzt wird, darüber, ob KI für die Schüler ein wertvolles Werkzeug ist oder nicht, sondern das Interesse eines Großkonzerns an Trainingsdaten.

