
Der massive Kursrückgang von Microsoft nach den jüngsten Quartalszahlen zeigt klar: Der Markt erwartet hohe Renditen von den bisher exorbitanten Ausgaben und Investitionen in Künstliche Intelligenz.
Nach Präsentation der jüngsten Quartalsergebnisse fiel Microsofts Aktie in einem Tag mehr als 5 Prozent, immerhin über 440 Milliarden US-Dollar an Marktwert in einem einzigen Tag. Was viele Nutzer schon länger beobachten, wird nun auch Investoren klar: Die Erwartungen an künstliche Intelligenz waren überzogen, und Microsofts aggressive KI‑Strategie zeigt kurzfristig mehr Kosten als Erträge.
Historischer Einbruch trotz starker Zahlen
Die Aktie fiel um 5,37 % und liegt im Januar 2026 insgesamt 14 % im Minus. Dabei entwickeln sich klassische Microsoft‑Sparten wie Windows, Xbox oder Gaming den Erwartungen entsprechend: Der kleine 3 % Rückgang im „More Personal Computing“-Segment spielte für Anleger praktisch keine Rolle. Microsofts Kerngeschäft heute ist Cloud und KI.
Azure wächst nicht schnell genug
Azure legte um beeindruckende 39 % zu, die Cloud‑Erlöse überstiegen 50 Mrd. USD. Microosft begann auch seine Office-Lösung sowie Github als „KI-Produkt“ zu deklarieren. So werden jetzt die Einkünfte mit Office-Abonnements als „MIcrosoft 365 Copilot“ deklariert, sprich als „KI-getriebenes Produkt“. Hier gab es zwar ein Plus von 160 Prozent, ähnlich auch beim Github Copilot (75%). Dass hier mehr Office und Github drin sind als „Copilot“, haben allerdings auch Investoren an der Wallstreet mittlerweile erkannt: Die Börse reagierte enttäuscht. Man wollte mehr.
Die Kosten explodieren
Gleichzeitig steigen Microsofts Ausgaben, obwohl man im Vorjahr über 500 Millionen US-Dollar einsparen konnte, indem man über 15.000 Mitarbeiter vor die Tür setzte. Dafür gab es immerhin für einen Mitarbeiter einen stolzen Bonus von knapp 100 Millionen US-Dollar.
Microsofts Investitionsausgaben stiegen auf rund 40 Mrd. USD, ein Plus von 70 % gegenüber dem Vorjahr. Der Großteil fließt dabei in neue, teure Nvidia-GPUs und den Bau und Betrieb von neuen Rechenzentren. Investoren zweifeln zunehmend, ob diese Ausgaben rechtzeitig Rendite bringen, bevor die Hardware veraltet.
OpenAI als Unsicherheitsfaktor
Gleichzeitig sorgt auch Microsofts Investition in OpenAI für große Unsicherheit: OpenAI verbrennt weiterhin enorme Summen und sucht zusätzliche Milliardeninvestitionen, um weiter existieren zu können. Gleichzeitig sind OpenAI ohne eigener Smartphone-Plattform vergleichsweise schlecht aufgestellt für den nächsten Schritt der KI-Revolution, nämlich die selbsttätige Erledigung „agentischer Aufgaben“, vor allem im Vergleich zu Apple und Google.
Die enge Bindung zwischen Microsoft und OpenAI wird von Anlegern zunehmend als Risiko gesehen, insbesondere, weil OpenAI selbst noch kein stabiles Geschäftsmodell oder signifikante Umsätze (im Vergleich zu den Kosten) durch Abonnements oder Werbung vorweisen kann.
Vielleicht hatte Satya Nadella gar Recht mit seiner Prognose für 2026: Womöglich wird sich 2026 wirklich die Spektakel von Substanz trennen. Die bessere Frage ist eher, auf welcher Seite davon Microsoft am Ende dieses Jahres stehen wird.

