
Apple hat sein Billig-MacBook offiziell vorgestellt und könnte damit den Windows-Markt auf den Kopf stellen. Das MacBook für 699 Euro ist da. Offiziell heißt es MacBook Neo, kommt mit 13-Zoll-Display und wird vom Apple A18 Pro angetrieben, also demselben Chip, der auch im iPhone 16 Pro steckt.
Und ich hatte es bereits Ende 2025 gesagt: Das könnte ein verdammt großes Problem für den Windows-Laptop-Markt werden.
Wer meinen Content kennt, weiß: Ich komme aus der Windows-Ecke. Windows ist mein Zuhause. Aber mein erster „Premium“-Laptop war ein MacBook 7,1, dieses weiße Plastik-Unibody-Teil aus 2010. Das Ding war technisch nicht überragend, aber es fühlte sich besser an als alles, was ich damals im Windows-Lager für vergleichbares Geld bekommen hätte. Apple bot ein Erlebnis zu dieser Zeit, das in vieler Hinsicht von einem Windows-Laptop nicht erreicht werden konnte, von der Akkulaufzeit bis hin zum Touchpad.
Das Plastik-MacBook war seinerzeit allerdings keineswegs günstig (Neupreis 2010 fast 1200€) und ich konnte es auch nur per Gebrauchtkauf mit Freundschaftspreis günstig ergattern. Das neue MacBook Neo kostet allerdings im Jahr 2026 „nur“ 699 Euro.
MacBook-Besitzer für unter 1000€
Windows-Laptops sind im Premium-Bereich, ausgenommen Business und Gaming, bei Privatnutzern und Kreativen oft zweite Wahl: Apple verkauft dabei nicht nur ein exzellentes, aber hochpreisiges Produkt, sondern zweifellos auch ein gewisses Image. Dafür hat man allerdings auch saftig bezahlt, was Windows-Laptops im günstigeren Preisbereich oftmals ohne Konkurrenz dastehen ließ.
Mit dem 699€ MacBook Neo könnte sich das allerdings ändern: Es gibt nun eine „Premium“-Option für relativ wenig Geld. 699 Euro ist kein Elite-Preis mehr und Apple arbeitet mit dem MacBook Neo daran, auch im PC-Bereich im Mainstream Fuß zu fassen.
Und, wenn wir ehrlich sind: Der Ruf von Windows 11 und der Copilot+PCs ist momentan nicht auf dem Zenit. Oder höchstens auf dem Zenit der Negativität. Microsofts hartnäckiger Fokus auf KI hat viele Nutzer vom System weggedrängt und Apple liefert nun eine erschwingliche Alternative, gefühlt ganz ohne lästiger KI.
Windows-OEMs sollten schwitzen
Langfristig ist es eine extrem kluge Strategie von Apple und das Timing könnte besser nicht sein: Für viele Nutzer gibt es keine oder nur wenige Abhängigkeiten, die insbesondere im mobilen Alltag ein Windows-System zwingend notwendig machen: Viele Dienste und Programme laufen mittlerweile im Web und viele Microsoft-Programme, wie beispielsweise Outlook, bieten unter macOS eine wesentlich bessere, native Anwendung im Vergleich zu Windows 11.
Insbesondere Schüler und Studenten könnte das günstigere MacBook ansprechen: Die meiste Standard-Software für den Betrieb in Bildungseinrichtungen, abgesehen von spezifischen Studiengängen, ist auch unter macOS verfügbar. Mit wachsendem Marktanteil dürfte sich allerdings auch diese Situation verbessern.
Zudem der Nachwuchsmarkt auch einen weiteren Aspekt mitbringt: Wenn macOS für viele junge Menschen zum Standard-System wird, werden diese auch im Arbeitsleben diese Software präferieren. Nicht ohne Grund war Microsofts und Adobes Strategie mit Office und Photoshop für Bildungseinrichtungen derart erfolgreich.
Smartphone-Chip als Geniestreich
Apple schafft nun, was Microsoft und Qualcomm schon 2016 versucht hatten, aber daran kläglich gescheitert sind: Man packt einen vergleichsweise günstigen Smartphone-Chip in einen Laptop. Im Gegensatz zum Snapdragon 835 und 855 ist der A18 Pro aus dem iPhone 16 allerdings keineswegs eine lahme Ente: In Geekbench liegt er bei rund 9000 Punkten im Multicore-Test, also auf Augenhöhe mit dem Apple M1 von 2020 und kann diesen bei Single Core-Ergebnissen sogar schlagen. Zusammen mit den sehr limitierten 8 GB RAM dürfte das allerdings auch im Jahr 2026 noch für einfachere Aufgaben reichen. All das verpackt Apple in ein elegant verspieltes und hochwertiges Aluminium-Gehäuse.
Es gibt daneben zwar Windows-Laptops mit mehr Leistung und mehr Arbeitsspeicher, teils auch Laptops mit dem Snapdragon X Plus wie den sehr spannenden MEDION SPRCHRGD 14 für exakt 599 Euro. In Sachen Kompatibilität hat allerdings Windows ARM kaum Vorteile mehr gegenüber macOS, sondern hat mit noch größeren Herausforderungen zu kämpfen als Apple, die ihre gesamte PC-Plattform erst 2020 auf ARM umgesattelt haben.
Das MacBook Neo ist ein direkter Angriff auf das Mid-Range-Segment und Windows hat momentan nur wenige gute Antworten darauf. Wenn ich bei Microsoft irgendetwas zu entscheiden hätte, würde ich genau hinschauen.
Würdet ihr zum 600€ MacBook Neo greifen?

