
Nach 35 Jahren ist Schluss: Im Oktober 2026 wird der Microsoft Publisher eingestellt und verschwindet gleichzeitig aus dem Microsoft-365-Abonnement. Was nach einer nüchternen Produktentscheidung klingt, hat in den letzten Wochen eine überraschend emotionale Reaktion ausgelöst: Denn für Hunderttausende von Nutzern weltweit ist Publisher kein beliebiges Programm, sondern ein unverzichtbares Werkzeug, das ihnen Microsoft nun ohne echten Ersatz aus der Hand reißt.
Publisher wurde 1991 eingeführt und hat sich über die Jahrzehnte eine treue Nische erobert: Bibliotheken, Kirchengemeinden, Schulen, kleine Vereine und Unternehmen nutzten es, um Flyer, Broschüren, Handzettel und Etiketten zu gestalten. Publisher war genau das Richtige zwischen Word und einer professionellen Design-Software wie Adobe InDesign. Mächtiger als ein Textverarbeitungsprogramm, aber ohne die steile Lernkurve eines Profi-Tools für Designs und Illustrationen.
Microsoft begründet die Einstellung damit, dass Word, PowerPoint und der neuere KI-gestützte Dienst Microsoft Designer inzwischen ähnliche Funktionen bieten. Außerdem sei Publisher eine veraltete Desktop-App ohne Webversion, ohne Echtzeit-Kollaboration und kaum nutzbar auf mobilen Geräten. Es sei nicht mehr zeitgemäß in einer Welt, die sich auf Cloud-Anwendungen ausgerichtet hat.
Viele Nutzer trifft allerdings die Einstellung dennoch sehr hart. Was den Frust nun besonders anheizt, ist nicht das Ende des Programms selbst, sondern was danach passiert: Microsoft hat angekündigt, dass Publisher nicht nur nicht länger unterstützt wird, sondern, dass das Programm nach Oktober 2026 auch keine .pub-Dateien wird öffnen können. Microsoft Publisher speichert seit jeher sämtliche Dateien im proprietären .pub-Format, das kaum eine andere Software lesen kann. Ansehen und Bearbeiten wird nach diesem Datum somit äußerst schwierig, wenn nicht sogar unmöglich.
Microsoft empfiehlt, alle Dateien vorher in PDF oder Word umzuwandeln. Wer allerdings über die Jahre Hunderte von Vorlagen, Flyern und Broschüren in Publisher erstellt hat, steht vor einem mühsamen Migrationsprojekt. Und selbst wer es angeht, merkt schnell: die Konvertierung ist verlustbehaftet. Layouts verschieben sich, Textrahmen zerfallen, die sorgfältig gebaute Vorlage wird in Word sehr wahrscheinlich nicht korrekt funktionieren.
In mehreren Facebook-Gruppen haben sich in kurzer Zeit Hunderte von Nutzerinnen und Nutzern zu Wort gemeldet, die nun merken, was es bedeutet, wenn ein Programm eingestellt wird, das per Abonnement lizenziert wurde: „Es lässt dich deine eigenen Dateien nicht mehr öffnen? Das ist eine Unverschämtheit“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer: „Ich mache IT-Support in einer Bibliothek und nutze Publisher für fast alle unsere Handzettel. Ein Poster-Format in PowerPoint zu bauen wird ein Albtraum.“ Und ein weiterer: „Das ist das einzige Programm, das Microsoft nicht mit einer schlechten Benutzeroberfläche ruiniert hat, also mussten sie es natürlich einstellen.“
Der Ärger wird durch das Abomodell nur verstärkt. Wer monatlich für Microsoft 365 zahlt, bekommt nach Oktober 2026 schlicht weniger, jedoch ohne Preisanpassung. Einmalig gekaufte Software hätte zudem auch nach der Einstellung einfach weiter funktioniert.
Wer die Standalone-Version von Publisher besitzt, kann sie nach dem Stichtag tatsächlich weiternutzen, allerdings ohne Sicherheitsupdates und ohne offiziellen Support. Neue Lizenzen sind jedoch kaum noch zu bekommen, da Microsoft den Verkauf bereits eingestellt hat.
Für alle, die Publisher ersetzen müssen, gibt es Alternativen: Affinity besitzt eine Publisher-Persona und ist seit der Akquise durch Canva immerhin kostenlos. Das kostenlose Open-Source-Programm Scribus bietet professionelle DTP-Funktionen, hat aber eine steile Lernkurve. Und Adobe InDesign ist für die meisten Publisher-Nutzer schlicht überdimensioniert und zu teuer.
Der Microsoft Publisher muss nicht sterben, weil das Programm schlecht war, sondern, weil es eine Nische zu gut abgedeckt hatte, die für Microsoft jedoch zu klein geworden ist, um sie zu bedienen. Ein Klassiker, also.

