News

Windows-Chef fragte Jeffrey Epstein um Rat zu Surface-Geräten

Hätte mir jemand vor 10 Jahren von einem geheimen Kabal aus US-Eliten erzählt, welcher junge Mädchen und Frauen sexuell missbraucht und, wo Präsidenten, CEOs und Milliardäre direkt involviert sind, hätte ich das ohne zu zögern in die Kategorie „QAnon-Verschwörungen und andere Geschichten“ eingeordnet. Die US-Regierung hatte sich allerdings im Vorjahr dazu verpflichtet, sämtliche Epstein-Ermittlungsdateien bis 19. Dezember 2025 zu veröffentlichen. Diese Deadline hat das US-Justizministerium längst überschritten und vor wenigen Tagen erst weitere drei Millionen Dokumente veröffentlicht. Darin direkt impliziert sind hochrangige Regierungsmitglieder und CEOs wie Donald Trump, Ehud Barak, Elon Musk, Bill Gates, Bill Clinton, Richard Branson, Howard Lutnick oder Google-Mitbegründer Sergey Brin. Einige von ihnen waren wohl nur zufällige Kontakte, andere scheinen von den „wilden Partys“ auf der Insel gewusst zu haben.

Jeffrey Epstein war allerdings auch lange nach seiner ersten Verurteilung im Jahr 2008 wegen Anwerbung einer 14-Jährigen zur Prostitution mit vielen einflussreichen Personen in Kontakt. Er beriet scheinbar auch Microsofts ehemaligen Windows-Chef Steven Sinofsky und die Emails deuten auch darauf hin, dass er Epstein zumindest einmal auch besuchte, nämlich am 20. Februar 2013 zwischen 16 und 16:30 Uhr. Zuvor sollen Epstein und Sinofsky sich mit einer in den Dateien zensierten Person getroffen haben, nämlich am 27. Oktober 2012. Laut Epstein-Gesetz sollen nur die Namen von Opfern zensiert werden, allerdings hat die US-Regierung ein sehr eigenes Verständnis von „Opfern“ in dieser Causa.

In den Emails zwischen Sinofsky und Epstein geht es um das gescheiterte Surface RT, Ausstiegspläne des Windows-Chefs, aber auch Pläne von einer in den Dateien zensierten Absenders, ein kleines Filmstudio in Somaliland aufzubauen, das „so etwas wie die Sesamstraße“ oder andere Kinderprogramme für Afrika produziert.

„FUN FUN FUN“ in Somaliland

2011 schrieb Steven Sinofsky einen Blogpost für das Windows-Team über das Finanzsystem von Somaliland und hob darin den Dienst Zaad hervor. Hierbei handelt es sich um ein Bezahlsystem des lokalen Mobilfunkanbieters TeleSom und es zeigt laut Sinofsky eindrucksvoll, wie ein Bankensystem von Grund auf entstehen kann.

Monate darauf schrieb ein zensierter Absender eine Email sowohl an Steven Sinofsky als auch an Jeffrey Epstein die oben eingebettete Email. Man könnte doch ein Filmstudio für Kinder in Afrika in Somaliland aufbauen, inspiriert von Nollywood in Nigeria. Der Absender fügte Epstein ins CC hinzu, weil dieser die Idee für „FUN FUN FUN“ halten könnte.

Der zensierte Absender kannte den verurteilten Sexualstraftäter also entweder extrem gut oder extrem schlecht, um so etwas vorzuschlagen.

Beratung zur Abschreibung des Surface RT

Die direkten Konversationen zwischen Epstein und Sinofsky sind allerdings größtenteils professioneller Natur. Der Windows-Chef schrieb den schon damals verurteilten Sexualstraftäter in Bezug auf Microsofts geplante Abschreibung des Surface RT an. Sinofsky teilte auch interne Emails zwischen CEO Steve Ballmer sowie COO Kevin Turner mit Epstein.

Die Emails zeigen ein internes Dilemma bei Microsoft rund um die Abschaltung der Produktion des Surface RT: Vorbestellungen blieben bekanntlich weit hinter den Erwartungen zurück und Microsoft hatte das Tablet massiv überproduziert. Microsoft plante offenbar noch vor dem Start eine Abschaltung der Produktion, jedoch hätte diese ebenfalls hohe Kosten als Folge. Es bildeten sich zwei Lager: Sinofsky forderte die sofortige Ausweitung der Distribution an weitere Märkte und Retailer bis zum 1. Dezember 2012. Er wollte die Geräte auch in traditionelle Shops bringen und nicht nur über den Microsoft Store verkaufen, was allerdings traditionelle Windows-OEMs extrem verärgert hätte. COO Kevin Turner forderte andererseits, den Start am Massenmarkt aufs erste Quartal 2013 zu verschieben.

All diese Details aus internen Emails schickte Sinofsky am 18. Juli 2013 an Jeffrey Epstein, am gleichen Tag als Microsoft die 900 Millionen-Abschreibung zum Surface RT offiziell ankündigte.

Beratung über Abfindung und Weggang von Microsoft

Epstein dürfte in dieser Hinsicht eher Informationen von Sinofsky erhalten haben, als, dass der Pädophile hier wirklich wertvollen Input hätte liefern können. Immerhin waren zum Zeitpunkt der Email sämtliche Details bereits intern bei Microsoft geklärt.

Sinofsky leitete auch eine interne Email von Microsoft-Anwalt Brad Smith an den Windows-Chef an Epstein weiter. Darin geht es um den Abgang von Sinofsky von Microsoft und die vertraglichen Implikationen davon. Sinofsky teilte Epstein mit, dass Microsoft seinem Team von 8 Leuten aktuell einen „Treuebonus“ von einer Million US-Dollar pro Jahr zahlt. Microsoft habe die Sorge gehabt, Sinofsky würde diese Leute in eine andere Firma mitnehmen. Laut Sinofsky hätten sie alle Microsoft verlassen, sofern Sinofsky eine „stabile Firma findet, die coole Dinge macht.“, heißt es in der kurzen Email an Epstein.

Der verurteilte Sexualstraftäter riet Microsofts ehemaligem Windows-Chef dazu, sich (anwaltlichen) Rat zu holen.

Interessant, aber auch absolut widerlich…

About author

"Entdeckung besteht darin, den gleichen Gegenstand wie alle anderen zu betrachten, sich aber etwas anderes dabei zu denken."
Related posts
News

Claude kommt in Word und zeigt, wie Microsoft seinen Vorsprung verspielt

News

Microsoft hat das Vertrauen der Entwickler verspielt und zahlt jetzt den Preis

News

Microsoft räumt das Insider Program endlich auf: Das ist neu

News

10 Jahre 4K Ultra HD Blu-ray in Deutschland – Warum das Format 2026 noch überzeugt

Schreibe einen Kommentar