Microsoft schlampt bei der Zulassung von Apps für Windows Phone

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Der Google Play Store. Ein finsterer, chaotischer Marktplatz. Einzig und allein dazu ersonnen, Legionen von virenverseuchten „Furz-Apps“ auf den Smartphones leichtgläubiger Kunden einzuschleusen. Ganz anders hingegen der Windows Phone Store. Eine wahre Trutzburg. Eine Edelboutique, in der nur handverlesene Produkte ausliegen, die selbst höchsten Ansprüchen genügen.

Dieses Zerrbild der Realität malen Fans der Kacheloptik tagtäglich. Verschwiegen werden die zahlreichen Anwendungen grauenhafter Qualität sowie die Anstrengungen der Softwareschmiede Tobit, selbst noch dem letzten Bielefelder Kegelverein zum eigenen mobilen Auftritt zu verhelfen.

Urheberrechtsverletzungen im Windows Phone Store

Microsofts Kontrollen passieren sogar noch weitaus ungeeignetere Kanditaten. Bestes Beispiel hierfür war die vermeintlich offizielle App von Zedge, der beliebten Bezugsquelle für Klingeltöne und Hintergrundbilder. Herausgegeben wurde diese nicht von der gleichnamigen Zedge Holding Incorporation, wie es bei den Versionen für iOS und Android der Fall ist. Stattdessen zeichnete ein nichtssagendes Entwicklerkonto namens „S.M.“ verantwortlich. In Redmond bzw. bei Intertek, dessen Mitarbeiter die Zertifizierung durchführen, gab dies niemandem zu denken. Genauso wenig verbaute es den Weg ins digitale Kaufhaus, dass abgesehen von Werbebannern, lediglich die mobile Webseite via In-App-Browser geladen wurde.

Noch härter traf es Hannes Biribauer, den Entwickler des populären Kalenders Week View 8. Obwohl seine App Microsoft zweifellos bekannt ist, erhielt ein dreistes Plagiat nicht nur die Zulassung, sondern wurde auch noch in der Kategorie Neu + angesagt gelistet (Diese Kategorie wird automatisch bestückt und nicht redaktionell betreut). Bei diesem handelte es sich um eine frühere Version des Originals, wiederum ergänzt um Werbung. Da deren Einblendung nicht korrekt funktionierte und Biribauers Kontaktdaten innerhalb der App nicht entfernt worden waren, machten ihn Beschwerden bzw. Fehlermeldungen von Nutzern auf die Kopie aufmerksam. Er verständigte daraufhin umgehend Microsoft, das träge und bürokratisch reagierte. Wochen gingen ins Land. Mehrere Schriftwechsel waren letztendlich nötig, um die verantwortlichen Mitarbeiter davon zu überzeugen, die Nachahmung vom Markt zu nehmen. Immerhin sind mittlerweile auch die anderen Plagiate (gMapsPro, PhotoEffects) aus dem Hause „Happy Days“ nicht mehr verfügbar.

Der Windows Phone Store rühmt sich seiner Sicherheit und seinen eisernen Zertifizierungsanforderungen? Warum schlüpfen dann trotzdem Anwendungen, die eindeutig gegen Punkt 3.1 der „Content Policies“ verstoßen, durch die Maschen? Weshalb gibt es keine verifizierten Entwicklerkonten? Wieso können mehrere Apps unter demselben Namen eingereicht werden?

Wir haben bei Microsoft nachgefragt. Die Antworten indes waren ausweichender Natur. Selbstverständlich nehme man Urheberrechtsverletzungen äußerst ernst und Entwickler könnten sich bei Problemen jederzeit an das Unternehmen wenden. Allerdings wäre es aufgrund der Menge an eingereichten Apps nicht möglich, vorbeugende Maßnahmen zu treffen.

Quo vadis?

Verwunderlich sind diese Zustände nicht. Solange mobile Betriebssysteme sich an der nackten Anzahl der für sie verfügbaren Anwendungen messen lassen müssen, scheint in Redmond alles (zunächst) durchgewinkt zu werden, was den Zählerstand erhöht und somit den Rückstand auf iOS und Android verringert. Die beiden einzuholen, ist jedoch nahezu unmöglich. Umso bedauernswerter, dass Microsoft anstelle von Quantität nicht rigoros auf Qualität setzt. Darüber hinaus dürfte es keinesfalls im Interesse des Unternehmens sein, dass der Eindruck erweckt wird, Urheberrechtsverletzungen würden billigend in Kauf genommen.

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Consultant. Outdoor-Sportler. Serienjunkie. Braucht Kaffee. Mag Bourbon und Habanos. Liebt Champagne-Powder.

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