Microsoft veröffentlicht Office für das iPad & kündigt EMS an

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Kürzlich lud Microsofts CEO Satya Nadella ausgewählte Pressevertreter nach San Francisco, um Neuigkeiten in Bezug auf die „Cloud für jedermann und jedes Gerät“ zu verlautbaren. Im Zuge dessen wurden „Office für das iPad“ sowie die neue „Enterprise Mobility Suite“ (EMS) angekündigt.

Mit Office für das iPad führt Microsoft eine Linie fort, die der Redmonder Geräte- und Dienstleistungskonzern bereits Mitte des vergangenen Jahres zu zeichnen begann: „Office Mobile“ wurde für iOS– und AndroidSmartphones veröffentlicht, ließ sich bis vor kurzem allerdings ausschließlich in Verbindung mit einem kostenpflichtigen Office 365 Abonnement nutzen. Dem ist seit dem jüngsten Update aber nicht mehr so, infolgedessen die App für den Privatgebrauch auch ohne ein kostenpflichtiges Abonnement in vollem Umfang bereitsteht.
Kürzlich hat Microsoft die Office Suite zusätzlich in Form von separaten Anwendungen – respektive Word, PowerPoint und Excel – für das iPad veröffentlicht. Dabei betonte man wohlgemerkt, dass es sich bei den iPad Apps weder um eine Portierungen des Desktop-Äquivalents noch um eine schlicht vergrößerte Form der iPhone-Version handelt. Die iPad Apps lassen sich kostenlos herunterladen, weisen jedoch ohne ein bestehendes Office 365 Abonnement nur einen beschränkten Funktionsumfang auf. So lassen sich Dokumente ohne weitere Kosten lediglich betrachten und präsentieren; sollen sie dagegen erstellt oder bearbeitet werden, bedarf es des zuvor erwähnten kostenpflichtigen Abonnements. Zwar sieht Microsofts Endbenutzer-Lizenzvereinbarung vor, dass in Abhängigkeit vom jeweiligen Office 365 Abonnement die iPad Apps auf bis zu 5 Geräten genutzt werden können. Ein Microsoft-Pressesprecher relativierte jedoch deren faktische Wirkung gegenüber CNET. Demnach erzwinge Microsoft die Geltung des besagten Höchstwerts nicht und vertraue stattdessen auf die Vertragstreue der Anwender.

Office auf das Wesentliche reduziert

Die grafische Benutzeroberfläche der Office Apps für das iPad weist aufgrund der Verwendung des Ribbon-Bedienkonzeptes beachtliche Parallelen zum entsprechenden Windows-Desktop Gegenstück auf. Bereits in die Anfangversionen sind in Bezug auf Funktionsumfang und Leistung lobenswert: Zieht man Word als Beispiel heran, bieten sich dem Anwender beispielsweise im „Start“-Reiter Einflussmöglichkeiten auf die Schriftart, -größe und -farbe; die Ausrichtung wie auch Zeilenabstände sind definierbar und ebenso steht es dem Nutzer frei, Textstellen einzurücken oder Auflistungen einzufügen. Der „Einfügen“-Reiter widmet sich schließlich optionalen Tabellen, Bildern, Formen, Textfeldern, Links und Fußnoten. Darüber hinaus ist das Layout des Dokuments anpassbar, die Überarbeitung des Dokuments nachvollziehbar und selbst die Anzahl der Wörter sind Teil des Funktionsangebots. Diese Ausführungen gelten sinngemäß für die PowerPoint- und die Excel-Apps, welche ideal für den (Touch-)Einsatz konzipiert wurden. Einen ersten Eindruck vermittelt außerdem das folgende Video:

Neue OneNote-Strategie

Neben dieser Ankündigung, die Beobachter mitnichten überrascht haben dürfte, hat Microsoft vor Kurzem seinen Evernote-Konkurrenten „OneNote“ reformiert und damit einhergehend zum einen die Anwendung für Mac OS X veröffentlicht, zum anderen grundsätzlich die in Zukunft von der Office Suite getrennte Verfügbarkeit für alle Versionen angekündigt. Damit nicht genug, führte Microsoft die neuen Funktionen „OneNote Clipper“ zum Erfassen von Browserinhalten, „Send E-Mail to OneNote“ zum Speichern von E-Mails, die inzwischen bekannte Windows Phone-App „Office Lens“ zum Scannen von Dokumenten wie auch eine Cloud-API zur Zusammenarbeit mit anderen Apps ein. Dabei rundete der Redmonder Konzern seine Update-Welle mit einer Aktualisierung der OneNote App für das iPad ab, welche die Anwendung visuell an die neuen Office Apps angleicht und somit ein einheitliches Benutzererlebnis auf den Tablets gewährleistet.

EMS für Windows, iOS & Android

Zu guter Letzt präsentierte Nadella die Enterprise Mobility Suite (EMS), welche vornehmlich an Unternehmen gerichtet ist, die eine Mehrzahl von Geräten in ihrem Netzwerk verwalten. Bestehend aus Windows Intune, Microsoft Azure Active Directory und dem Azure Rights Management, ermöglicht die EMS ein umfassendes BYOD (engl.: Bring your own device) Umfeld, das grundsätzlich auf Cloud-Diensten beruht. Dabei berücksichtigt der Geräte- und Dienstleistungskonzern nicht etwa ausschließlich Windows Geräte. Vielmehr zählen auch iOS und Android zu den unterstützten Betriebssystemen, so dass die Enterprise Mobility Suite schwerlich als „ein weiteres Nischenprodukt“ aus dem Hause Microsoft bezeichnet werden kann. Während das neue Azure Active Directory Premium die cloud-basierte Identitäts- und Zugriffsverwaltung darstellt, welche beispielsweise die Möglichkeit der einmaligen Anmeldung für SaaS Anwendungen bietet, dient Microsofts Azure Rights Management dem Schutz der entsprechenden Daten. Intune wird schließlich unter anderem für die Fernwartung der ins Netzwerk eingebundenen Geräte verwendet und wird laut Microsoft auch Windows Phone 8.1 unterstützen.

Der neue CEO Nadella betonte im Verlauf der Präsentation ausdrücklich das Ziel der plattformübergreifenden Präsenz Microsofts, was nicht etwa auf einen unfreiwilligen Kompromiss zurückzuführen sei. Die Realität ihrer Kunden verpflichte das Unternehmen dazu, jede Plattform zu unterstützen, auf der die (potenziellen) Kunden vertreten sind – so überrascht es auch nicht, dass die iPad Version der Office Apps gegenüber einer möglichen Android-(Tablet-)Version den Vorzug genießt. In Konsequenz dessen werden die fingerfreundlichen Office Apps zu bisher ungenannten Zeitpunkten auch im Windows Store und für weitere populäre Plattformen erscheinen, so Microsoft. Gefragt nach den Gründen, weshalb konkurrierende Betriebssysteme des Öfteren früher mit bestimmten Microsoft Apps/Diensten adressiert werden, lässt sich als Außenstehender letztlich nur spekulieren.

Hal hat in einem lesenswerten Blogbeitrag die möglichen Ursachen schlüssig dargelegt: Demnach seien das WinRT und Windows Phone API-Set im Vergleich zu den iOS und Android-Pendants unzureichend – dieser Meinung seien nicht nur Drittentwickler, auch intern herrsche diese Ansicht. Daraus ergebe sich folgerichtig die Beschwerde, dass das Entwicklungsteam eine im Verhältnis kurze Zeitspanne benötige, um die Funktionen für konkurrierende Systeme bereitzustellen, während selbige für die Windows Plattformen damit verbunden seien, mit dem OS-Team über die Implementierung der Features in das betreffende Betriebssystem zu verhandeln und im Anschluss daran auf das darauf gerichtete OS-Update zu warten. Daher stehe Microsoft regelmäßig vor dem Dilemma, entweder auf die Windows Version eines Features zu warten (und dabei Marktanteile an die Konkurrenz zu verlieren) oder das Feature unabhängig von der Windows Version zu veröffentlichen. Wenn hierbei unternehmerische Erwägungen in die jeweilige Entscheidung hineinspielen, wird die Waagschale regelmäßig zugunsten von iOS und Android geneigt sein.


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Quellen: Microsoft, CNET, Office Blog
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