Sonntagslektüre: Microsofts Verständnis von Feedback

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Microsoft hat mit dem Windows Insider-Programm eine sehr lobenswerte Sache ins Leben gerufen: Nutzer können dort Probleme melden, Feedback zu neuen Funktionen geben und Vorschläge machen. Regelmäßig betont Microsoft, wie wichtig das Feedback der Insider ist, doch erst gestern hat Windows Insider-Chef Gabe Aul mit einem ironischen Tweet Diskussion rund um das Windows Insider-Programm ausgelöst, die bereits vor langer Zeit hätte geführt werden müssen. Es wirft die Frage auf, was Microsoft das Feedback der Insider Wert ist.

Double Tap 

Lumia925-glance-screen

Der Tweet von Gabe Aul war eine Antwort auf die Frage eines Nutzers, ob denn das Doppeltippen zum Aufwecken für das Lumia 950 geplant sei. Das Feature gab es seit dem Lumia 925 unter Windows Phone, doch den neuen Lumia-Modellen fehlte diese Möglichkeit. Das Lumia 950 ist bereits ein halbes Jahr auf dem Markt und Microsoft hatte bislang nichts dazu kommuniziert. Gabe Aul meldet sich nun und verkündet, wenn Nutzer dieses Feature, das in früheren Geräten vorhanden war, wollen, sollten sie doch dafür abstimmen.

Erst war unklar, was seine Aussage zu bedeuten hatte, doch wie sich herausstellte, wird das Feature intern bereits getestet. Feedback hin oder her, Double Tap to Wake würde mit einem der kommenden Updates für das Lumia 950 / XL in Windows 10 Mobile Einzug halten. Darüber waren zahlreiche Nutzer nicht gerade erfreut, denn die Abstimmung über ein Feature, das den Nutzern zuvor weggenommen worden war, sehen viele als redundant an. Man darf allerdings auch nicht vergessen, dass bereits zum Launch der Geräte das Feedback Hub voll von Vorschlägen war, dieses Feature wieder zu implementieren. Wieso hat Microsoft damals das Feedback überhören können? Technische Gründe dürften dahinterstecken, aber die „Schuld“ für die Nicht-Implementierung auf fehlendes Feedback der Insider zu schieben, macht dem fleißigen Insider überhaupt keine Freude und lässt ihn skeptisch werden, ob es Microsoft damit ernst meint.

Hamburger Menü

Lumia 950 Promo Video

Die Erinnerung daran, als Microsoft das Feedback der Insider komplett ignoriert hat, wird dann in jedem Insider wieder wach. Erst mit der OneDrive-App, dann langsam in den System-Apps in den ersten Windows 10 Mobile-Builds. Im Feedback Hub war seinerzeit nichts Anderes zu lesen, als, dass Microsoft schleunigst wieder ein anderes Bedienkonzept umsetzen soll. Zahlreiche Nutzer haben nicht nur Feedback hinterlassen, sondern Konzepte erstellt, um ein besseres Hamburger-Menü zu visualisieren. Nichts davon konnte Microsoft beeindrucken, obwohl es zu keinem einzigen Thema mehr Feedback gegeben hatte. Microsoft hat seine Nutzer einfach ignoriert.

Mittlerweile haben sich diese entweder damit abgefunden oder fordern vereinzelt immer noch dessen Abschaffung. Eines der meistgefragten Features ist allerdings, dass das Hamburger-Menü sich per Wischgeste vom linken Bildschirmrand öffnen lässt. Der Vorschlag taucht im Insider Hub regelmäßig auf und das wird er auch, solange Microsoft das Problem nicht für größere Geräte löst. Das oben eingebettete Bild stammt aus einem offiziellen Marketing-Video von Microsoft und zeigt, wie ein Nutzer selbst auf dem Lumia 950 umgreifen muss, um die linke obere Ecke zu erreichen. Sieht nicht gerade gemütlich aus und auf dem Lumia 950 XL ist das für denjenigen definitiv nicht angenehmer. Microsoft hat bislang nie erklärt, weshalb man die Wischgeste nicht implementiert hat, trotz zahllosem Feedback von Insidern.

Hört Microsoft überhaupt auf Feedback?

Windows Ink Hello Windows Insiders

Zumindest laut eigenen Angaben passiert das dauernd, im Grunde dürfen Windows Insider aber nur kleinere Entscheidungen mittragen und auch hier stellt sich oftmals die Frage, ob denn das tatsächlich Feedback von Insidern gewesen sein kann.

Beispielsweise hat Microsoft in der Build 14328 die Möglichkeit entfernt, die WLAN-Konnektivität direkt über das Info-Center zu deaktivieren. Stattdessen wird nun das Menü mit den verfügbaren WLAN-Netzwerken angezeigt.

Nimmt man an, dass die meisten Windows Insider zumindest gewisse Erfahrung mit der Nutzung eines PCs haben, ist es schwer zu glauben, dass ein solches Feature für Verwirrung sorgt. Es gibt zahlreiche verwirrendere Bereiche in Microsofts Betriebssystem und dieser zählt definitiv nicht dazu. Laut Microsoft habe hier das Feedback der Insider entschieden.

Ebenfalls in dieser Build wurden die Email-Adressen vom Login-Bildschirm entfernt, da sich Windows Insider dies so gewünscht hatten und auch für das Lösen des Windows Explorers von der Taskleiste waren die Insider verantwortlich. Unter Windows 10 Mobile Build 14322 waren die Insider laut Microsoft dafür verantwortlich, dass die Mediensteuerung nun endlich auf dem Lockscreen verfügbar ist und, dass der Wecker mit eigener Musik zukünftig lauter ist.

In einer früheren Build sorgte das Feedback der Insider dafür, dass in Microsoft Edge nun direkt ein InPrivate-Tab geöffnet werden kann ohne zuerst das Drei-Punkte-Menü aufzurufen.

Entscheidungsträger

Windows 10 Road Straße Roadmap CC0

Microsoft betont immer wieder, dass das Feedback der Insider ein integraler Teil des Entwicklungsprozesses von Windows 10 und Windows 10 Mobile ist und damit entscheidet, welchen Weg das System einschlagen wird. Im Grunde ist das keine Lüge.

Gelogen ist nur, wie es Microsoft der Nutzerschaft verkauft, nämlich so, als hätten Insider tatsächlich bei den großen Fragen irgendetwas zu melden. Man kann bis zu den Anfängen des Insider-Programms zurückgehen, aber keine der größeren Entscheidungen von Microsoft konnte irgendwie von den Insidern beeinflusst werden.

Stattdessen hilft das Feedback Microsoft dabei, die Wünsche einiger Nutzer zu erfüllen und die Lokalisierung zu verbessern. Dies sind ganz einfach Fehler, die einer größeren Masse an Testern viel schneller auffallen als in Microsofts internen Ringen.

Dass das Insider-Programm dennoch wichtig ist, liegt an den Telemetrie-Daten, die Microsoft von Insidern bekommt. Absturzberichte von Apps, ungewollte Neustarts und möglicherweise den Akkuverbrauch. Microsoft hat dank den vielen Testern eine repräsentative Menge und kann Daten besser auswerten und Probleme schneller finden. Dass das Insider Feedback aber aus Windows 10 Mobile eine Community-Plattform macht, ist ein Irrglaube, den uns Microsoft leider tagtäglich zu verkaufen versucht.

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