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Cube WP10 Test: Schwaches Tablet, schlechtes Windows Phone

Im Sommer hat der chinesische Hersteller Cube für eine ordentliche Überraschung gesorgt als man ein 7-Zoll Gerät mit Windows 10 Mobile präsentiert hat, wohl bemerkt ein Smartphone. Das Gerät in der Größe eines kleineren Tablets kann dank SIM-Kartenslot und Telefoniefunktion problemlos auch als Telefon verwendet werden. Wir haben das Cube WP10 sehr ausführlich getestet und verraten im Test, ob es eher als Smartphone oder Tablet was taugt.

Cube WP10 Hardware

  • Display: 6,98-Zoll IPS HD-Display, 1280 x 720
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 210, 1,3GHz Quadcore
  • Arbeitsspeicher: 2 Gigabyte
  • Speicher: 16 Gigabyte, erweiterbar per microSD
  • Kameras: 5 Megapixel, 2 Megapixel Frontkamera
  • Konnektivität: LTE, WLAN, Bluetooth, GPS
  • Akku: 2850 mAh

Cube WP10 Test – Video

Verarbeitung und Design

Das Cube WP10 ist in ein außerordentlich dünnes Gehäuse als Polykarbonat gehüllt und besitzt keinen Alu-Rahmen, wenn es auch auf den offiziellen Bildern so aussehen mag. Dasselbe gilt für die Rückseite, welche zwar verglast aussieht, es aber nicht ist. Dennoch ist die Verarbeitung auf einem guten Niveau und den günstigen Preis merkt man dem Riesen-Smartphone nicht wirklich an.

Der chinesische Hersteller hat sich beim Cube WP10 für ein weißes Gehäuse  entschieden, den seitlich ein Faux-Alurahmen ziert. Die Dragontrail-Displayverglasung steht zwar etwas über den Rahmen drüber, wodurch sich ein ganz kleiner Spalt ergibt. Es passiert gelegentlich, dass sich darin eine Textilfaser verhängt, aber das ist mit dem freien Auge gerade noch sichtbar und kann glücklicherweise einfach durch einfaches Wischen mit dem Finger gereinigt werden. Die Spaltmaße sind prinzipiell recht gut, auf der Rückseite aber vor allem bei den Öffnungen des Gehäuses etwas größer.

Insgesamt ist es aber für ein 110 Euro-Gerät durchaus gut verarbeitet. Die Chassis lässt sich an keiner Stelle eindrücken, knarzt nirgends und selbst die Buttons bieten ein sehr gutes Feedback und sitzen fest an ihren Plätzen. Bei letzteren kann man allerdings die Positionierung bemängeln, denn bei diesem 7-Zoll Smartphone sitzen Lautstärkeregler sowie Ein-/Ausschalter im oberen Viertel des rechten Rahmens. Komfortabel wäre jedenfalls, wenn die Buttons etwa in der Mitte angesiedelt wären, denn so muss man als Nutzer dauernd umgreifen und das Risiko ist bei der Einhandbedienung sehr groß, dass es so aus der Hand rutscht.

Display

Das 7-Zoll IPS-Display des Cube WP10 löst mit HD auf, also nicht wirklich beeindruckend hoch. Einzelne Pixel sind daher natürlich sichtbar und die Farbdarstellung ist etwas blass und verwaschen. Dafür kann es mit einer sehr guten Helligkeit und einer soliden Blickwinkelstabilität aufwarten, auch nicht üblich bei Tablets dieser Größenordnung. Tatsächlich ist das Display auch draußen gut lesbar und ausreichend hell, um trotz Spiegelung problemlos Inhalte darauf lesen und erkennen zu können.

Im Alltag hat mich das tatsächlich nicht gestört, dass ich nun am Sperrbildschirm bei etwas genauerer Betrachtung einen Pixel erkennen konnte. Qualitativ ist das Display ausreichend gut, um darauf Filme, Fotos, Webseiten und längere Texte genießen zu können. Instagram ist darauf wirklich beeindruckend, generell bei Medien-Apps kann wirklich von „genießen“ die Rede sein.

Das einzige Problem an der Auflösung bzw. an der Einstellung des Systems ist die Tatsache, dass die Skalierung minimal auf 175 Prozent gestellt werden kann. Damit sind beispielsweise nur minimal mehr Inhalte im Windows Store zu sehen als bei der 300 Prozent-Skalierung auf einem 5-Zoll FullHD-Smartphone. Beim 6-Zoll großen Lumia 1320 gehen die Skalierungsoptionen sogar bis auf 125 Prozent runter, womit Windows 10-Apps wie auf kleinen Tablets dargestellt werden. Bei einem 7-Zoll Display wäre dies auf jeden Fall empfehlenswert gewesen und es ist schade, dass der Hersteller diese eine Modifikation nicht vorgenommen hat.

Kamera

Kameratechnisch ist das Cube WP10 qualitativ im 50-Euro-Smartphone Segment angesiedelt. Sie ist im Innenraum kaum zu gebrauchen und bietet draußen lediglich bei hervorragenden Lichtverhältnissen gerade noch Schnappschussqualität. Manche Handykamera aus dem Jahr 2006 kann damit konkurrieren.

Die Bilder sind stets stark verrauscht und in schlechteren Lichtverhältnissen, beispielsweise am späten Abend, muss man Glück haben, dass ein schlechter beleuchtetes Motiv überhaupt erkennbar ist. Das gilt sowohl für die Front- als auch für die Rückkamera.

Zudem ist der Fokus nicht immer zuverlässig und beim Aufnehmen sehen die Motive stets etwas unscharf aus. Mehr hätten wir vom Phablet auch nicht erwartet, enttäuscht muss man also grundsätzlich nicht sein. Wer ein günstiges Windows Phone sucht mit einer brauchbaren Kamera, wird sich das Lumia 650 ansehen müssen.

Audio

Die Audioqualität beim Cube WP10 ist außerordentlich schwach, wenn es auch für das Telefonieren reicht. Die verbauten Lautsprecher sind nicht gerade laut und konnten uns qualitativ nicht wirklich begeistern.

Beim Telefonieren ist der Gesprächspartner auch bei höchster Einstellung noch recht leise, sodass das Sprechen in lauterer Umgebung eher schlecht funktionieren wird, sofern ihr euren Gesprächspartner auch verstehen wollt. Eine andere Sache ist allerdings das Mikrofon, welches seine Arbeit gut macht. Während Telefonaten haben uns sämtliche Gesprächspartner versichert, dass man am Telefon auch in unruhiger Umgebung gut verständlich ist.

Ob man mit dem Cube WP10 aber fotografieren will oder nicht, das ist eine andere Frage. Es ist seltsam genug, auf dem riesigen Display SMS zu schreiben und es in die Hosen- bzw. Jackentasche zu stecken.

Software: Willkommen bei Android

Ein Qualcomm Snapdragon 200-Prozessor und 2 Gigabyte RAM in Kombination mit einer Windows 10 Mobile-Version von November 2015 betreibt das Cube WP10, was Windows Phone-Fans sicherlich nicht gerne hören werden. Im Android-Lager gilt grundsätzlich: Was aus China und nicht von Xiaomi kommt, das sieht offiziell kein Firmware-Update. Zumindest ist die Erwartungshaltung der Nutzer so, mich eingeschlossen.

Käufer eines Windows 10 Mobile-Geräts sind trotz Microsofts derzeit leider katastrophaler mobiler Update-Politik erwarten zumindest, dass es einerseits beim Kauf mit der aktuellsten Software ausgeliefert wird und dann noch ein paar Monate Updates bekommt. Mittlerweile sind wir zwar gewöhnt, dass mit jedem großen Versionssprung bzw. „Neuanfang“ eine große Zahl an Nutzern zurückgelassen wird, aber mindestens ein Jahr mit regelmäßigem Update-Support war immer drin.

Das Cube WP10 ist in diesem Sinne ein Android-Gerät. Zum Release kommt es mit hoffnungslos veralteter Software auf den Markt und nachdem es über den Ladentisch gegangen ist, gibt es keinerlei Infos zu kommenden Software- und Firmware-Updates. Einerseits ist hier natürlich der Hersteller verantwortlich, andererseits sehen wir auch Microsoft in der Pflicht. Es ist immer noch nicht offiziell klar, wer tatsächlich bei welchem Gerät die Updates ausliefert, weshalb manche Smartphones, wie auch das Cube WP10 nicht Teil des Insider-Programms sind und ob Microsoft überhaupt Updates für solche Geräte vorgesehen hat. Hier gibt es auf jeden Fall Klärungsbedarf und wir werden auch in nächster Zeit in diese Richtung recherchieren.

Solange es aber mit veralteter Software läuft, schadet es dem Gerät. Das Anniversary Update hat sehr viele praktische Neuerungen, Verbesserungen und Schnittstellen mitgebracht, welche von aktuellen Universal Apps auch genutzt werden. Sollte es bei diesem Update-Stand bleiben, wird es wohl niemals Unterstützung für SMS Relay in Skype geben, keine Smartwatch-Benachrichtigungen, keine verbesserte Einstellungen-App, keine Unterstützung für Fernsteuerung, die Liste ließe sich ewig fortsetzen. Windows 10 Mobile hat sich in diesem einem Jahr durchaus positiv weiterentwickelt und wenn man das Gerät aktiv nutzt, bemerkt man das an vielen Stellen auch.

Performance

Der verbaute Qualcomm Snapdragon 210-Prozessor ist nicht mehr der Neueste, weswegen zumindest die Apps nicht schneller laufen als bei einem Lumia 535 oder dem Lumia 540. Anwendungen brauchen stets mehrere Sekunden zum Starten, einfachere Programme laufen dann aber sehr geschmeidig. Von FeedLab, über Edge und Outlook bis hin zur WindowsArea.de-App laufen sämtliche Aktionen recht flott und ohne Ruckler. Selbst mit Word und Excel lässt sich darauf flüssig und wirklich gut arbeiten. Schwieriger wird es dann bei Facebook und Messenger. Während Facebook sehr lange startet und dann beim Scrollen dauernd Mikroruckler zeigt, macht der Facebook Messenger auf dieser Hardware absolut keinen Spaß. Es sind für viele Nutzer Apps des täglichen Bedarfs, allerdings ist die schwache Performance vor allem in der schlechten Optimierung begründet.

Ansonsten läuft das System aber zufriedenstellend flüssig. In System-Apps sowie einfacheren Anwendungen kommt es sehr selten vor, dass das Cube WP10 einige Gedenksekunden einlegen muss. Im Store beim Aufrufen des „Downloads und Updates“-Menüs macht sich dies vergleichsweise häufig bemerkbar, ansonsten aber nicht. Für das Lesen des Twitter- oder Instagram-Feeds während dem Fernsehen oder das Surfen im Internet reicht die Performance für die meisten Nutzer aber aus.

Akkulaufzeit

Bei größeren Smartphones erwartet man üblicherweise großartige Akkuleistungen, da in Relation zum Display meist ein wesentlich größerer Akku verbaut ist. Beim Cube WP10 ist das nicht so, entsprechend ist die Laufzeit im Smartphone-Betrieb eher durchschnittlich. Bei intensiver Nutzung schafft man knapp einen Tag.

Nutzt man es nur zuhause, ohne SIM und mit WLAN, so darf man sich aber über eine sehr gute Laufzeit freuen. Über mehrere Tage hinweg kann das Cube WP10 im Standby bleiben ohne allzu viele Prozent Akku zu verlieren und es ist daraufhin auch mehrere Stunden lang nutzbar. Was kleine x86-basierte Tablets von der Laufzeit nicht schaffen, kann das große Smartphone außerordentlich gut.

Fazit

Bei der Bewertung dieses Geräts hängt vieles davon ab, ob man es als großes Smartphone oder kleines Tablet nutzen will. Als ersteres ist es außerordentlich schlecht. Mit dem Begriff „Handy“ hat es nichts gemein, viel mehr ist es in jeder Hinsicht umständlich und bietet mit seiner Größe im Alltag keinen Vorteil gegenüber vergleichsweise kompakteren Modellen.

Als kleines Tablet kann man es für den Preis in Betracht ziehen, sollte man aber nicht. Es gibt hier einerseits Konkurrenz von x86-Windows-Tablets, welche  als auch Unmengen an günstigen Android-Tablets. Die Amazon Fire-Tablets zum Beispiel kosten 60 Euro und können in Sachen Leistung (leider) damit konkurrieren.

Vor allem aber das Samsung Galaxy Tab A 7.0 mit Snapdragon 410 und 1,5 Gigabyte Arbeitsspeicher bietet ein besseres Gesamtpaket. Mit Android 5.1 wird es ausgeliefert, Android 6.0 kommt per Update. Wenn selbst Samsung ein Windows Phone-Gerät bei der Updatesicherheit schlägt, läuft etwas schief. Deswegen gibt es von uns keine Kaufempfehlung.

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"Entdeckung besteht darin, den gleichen Gegenstand wie alle anderen zu betrachten, sich aber etwas anderes dabei zu denken."
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