
Eigentlich wollte ich schon früher über die neuen iPhones schreiben, war allerdings wegen wichtigerer Dinge im Leben verhindert. Tatsächlich gab es dieses Jahr weniger Überraschungen denn je beim Apple-Event, aber immerhin hat das „one more thing“ diesmal nicht enttäuscht. „One more thing“ und dann kriegen wir Wireless Kopfhörer…
Apple hat aber nun endlich einen meiner Lieblingsformfaktoren als Produkt umgesetzt und dabei (nicht nur) mit seiner Namensgebung sogar Microsoft vorgeführt. Neo und Duo als Verkaufshit? Microsoft could never.
iPhone Duo: Apple kopiert mehr als nur den Namen

Und das auch verdient, denn allein schon die Animation beim Aufklappen des iPhone Duo stellt alles an Foldables in den Schatten, was Samsung, Oppo, Huawei und selbstverständlich auch Microsoft bislang produziert haben.
Zur Einordnung, falls ihr die Keynote (auch) verpasst habt: Apples erstes faltbares iPhone heißt tatsächlich iPhone Duo. Vorgestellt wurde es am 9. September, übrigens Apples erstem, großen Event unter der Regie von John Ternus als CEO. In Deutschland kostet das Duo ab 2.299 Euro für die 256-GB-Variante, die 2-TB-Version schlägt mit satten 3.799 Euro zu Buche. Vorbestellen könnt ihr es ab dem 16. Oktober und es kommt ab 23. Oktober.
Ein vertrautes Scharnier(-Trauma)

Bevor ich auch nur ein gutes Wort über die Hardware verliere, muss ich kurz etwas loswerden: Mir sitzt der Schock von Foldables noch spürbar in den Knochen: Wie viele von euch wissen, hatte ich selbst über zwei Jahre lang ein Galaxy Z Fold 3 im Dauereinsatz, welches allerdings mit allen Kinderkrankheiten des Formfaktors zu kämpfen hatte: Erst die sich lösende Displayfolie, wofür ich zwei Monate ohne Smartphone war, das langsam, aber sicher formende C im „Tablet-Modus“ bis hin zum gebrochenen Flex-Kabel, welcher schließlich wortwörtlich das WLAN-Kabel (zwischen Modul und Mainboard) kappte. Zwei Wochen nach Garantie-Ende? Pech gehabt. Und wie ich in meiner Recherche damals festgestellt hattee, waren all diese Probleme kein Einzelfall, sondern sind Probleme, welche die Samsung Folds teils sogar bis heute mitschleppen.
Deswegen bin ich bei jedem Foldable inzwischen ein gebranntes Kind. Apple widmet allerdings in seinen offiziellen Unterlagen zum Duo dem Scharnier auffällig viel Text: Das Ding besteht angeblich aus über 100 Einzelteilen, nutzt Titan der Güteklasse 5, sich verschiebende Displayschichten und es hat ein eigenes Magnet-Array für den Verschluss. Dennoch werde ich einfach den Gedanken irgendwie nicht los, dass ich das irgendwo schonmal genau so gesehen habe. Nur wo?

Design und Display
Rein vom Formfaktor her mag ich das Duo richtig gerne. Zugeklappt ist es laut Apple in etwa so groß wie ein Reisepass, wiegt aber mit 254 Gramm spürbar mehr als ein Samsung Galaxy Z Fold – das zusätzliche Gewicht kommt vermutlich vom Titangehäuse und der IP68-Zertifizierung, mit der Apple bei einem Foldable tatsächlich neue Maßstäbe setzt. Aufgeklappt soll das Duo sogar das dünnste iPhone aller Zeiten sein.
Innen gibt’s ein 7,6 Zoll großes Super-Retina-XDR-Display, außen 5,4 Zoll. Beide mit identischem Seitenverhältnis, ProMotion mit 120 Hz, Always-on und bis zu 3.000 Nits Spitzenhelligkeit im Freien. Das Außendisplay liefert laut Apple rund 90 Prozent der Fläche eines iPhone 18 Pro, das Innendisplay ist rund 50 Prozent größer als beim 18 Pro Max. Zusätzlich gibt’s auf dem großen Panel eine Nano-Texture-Beschichtung, die Reflexionen und die Sichtbarkeit der Falz reduzieren soll. Ob das im Alltag wirklich funktioniert oder die Falz trotzdem irgendwann zum Fingerabdruck-Magneten für Frust wird wie bei jedem Fold, den ich bisher in der Hand hatte, muss sich erst zeigen.
„Yuck, nobody wants a stylus!“
Apple hatte in den letzten Jahren schon einige Ankündigungen, die laut Fans den 2011 verstorbenen Gründer und CEO Steve Jobs „im Grabe umdrehen“ lassen würden. Dieser hatte bekanntlich bei der Vorstellung des ersten iPhones im Jahr 2007 noch gewitzelt, dass für die Bedienung ein Stift anstatt des Multitouch-Displays benutzt würde. Unsere Finger seien immerhin das „best pointing device in the world“, meinte der leidenschaftliche Apple-Chef damals.
Das Duo bekommt – fast schon in typischer Microsoft-Manier – einen Stift und wird „später in diesem Jahr“™️mit dem Apple Pencil kompatibel sein, nicht allerdings mit dem besseren Apple Pencil Pro.
Der Grund ist fast schon charmant unelegant: Dem Duo fehlt schlicht die magnetische Ladefläche, die der Pencil Pro zum Laden braucht.
Microsofts Surface Duo 2 konnte übrigens den Surface Slim Pen 2 zwar nicht aufladen, jedoch bereits 2021 an der Vorderseite magnetisch andocken und somit verstauen. Ich bin ehrlich überrascht, gar auch nur ein Detail finden zu können, das Apple scheinbar schlechter macht als Microsoft bei ihren sehr unterschiedichen und doch so ähnlichen Duos.
Surface Duo 2 Review:
Software: Das Versprechen, das Microsoft nie einlösen konnte
Doch abseits davon, kann ich – ohne das iPhone Duo je aus der Nähe gesehen zu haben – dennoch mit durchaus großer Zuversichtlichkeit sagen: Das dürfte auch der einzige Bereich sein, wo Microsoft (noch) die Nase vorn hat.
Ausgerechnet bei der Software nämlich trennt sich bei den Duos die Spreu vom Weizen. Denn das Surface Duo (vom übrigens größten Software-Konzern der Welt) lief auf einem von außen zugekauften, mühsam an zwei Displays angepassten Android, wo zum Teil Microsofts eigene Apps dafür nicht vollständig durchdacht und optimiert waren. Kein Wunder, hätte es doch eigentlich nie mit Android laufen sollen.
Das Android-Duo hatte einige, wenige gute Ansätze beim System, welche sogar Samsung bei seinen Foldables und nun auch Apple kopiert hat, beispielsweise die Split View-Ansicht von Windows 8 und später dem Surface Duo. Die App-Situation ist allerdings damals wie heute unter Android nicht ideal für Foldables. Selbst moderne Geräte wie Samsungs spätere Folds haben mit vielen Apps aus dem PlayStore zu kämpfen, die für den Formfaktor einfach nicht gut (oder oft gar nicht) optimiert sind.
Und ich traue mich leider wetten, dass Apple sich diese Blöße nicht geben wird (müssen), was natürlich dem Konzern aus Cupertino auch deutlich leichter fällt als einzelnen Android-OEMs. iOS 27 wurde laut eigener Aussage von Grund auf für das Duo umgebaut: Sperrbildschirm-Steuerung, das Dock und die App-Navigation wandern an den Rand, während die Dynamic Island wird neu gedacht und sich vertikal an beide Displays anpasst. Und die erstmals in Windows 8, später in iPadOS übernommene Split View-Ansicht kommt samt identischer Gestensteuerung wie beim Duo aufs iPhone. Multitasking auf einem iPhone! Jetzt braucht es nur noch einen brauchbaren Dateimanager und wir sind fast da: Ein UMPC. Sogar zwei Instanzen derselben App werden möglich sein.
Ob sich das in der Praxis wirklich so butterweich anfühlt wie in Apples Demos, kann ich aus der Ferne natürlich nicht beurteilen. Und ehrlich gesagt bin ich auch skeptisch, wie viel echten Produktivitäts-Mehrwert die Split View auf einem derart limitierten Telefon-Betriebssystem am Ende wirklich bringen wird. Aber allein die Tatsache, dass hier eine Softwarefirma mit einer eigenen Hardware-Plattform tatsächlich von Anfang an mitdenkt, statt ein bestehendes Handy-OS notdürftig zu strecken, ist schon mal ein deutlich besserer Ausgangspunkt als ihn Microsoft bei seinem Duo je verfolgte, zumindest nach seinem offiziellen Release.

Eine Frage bleibt aber für mich beim Apple iPhone Duo offen: Wird es eine Linkshänder-Version geben? Dock, Statusleiste und alle Knöpfe scheinen auf die Bedienung in der rechten Hand ausgelegt zu sein. Als Linkshänder hält man es dann wohl einfach falsch. Daher möchte ich direkt einen Feedback-Eintrag vorwegnehmen: Apple, bitte lasst mich das Dock (Taskleiste) an den linken Rand verschieben. Nicht, weil ich es brauche. Ich wäre allerdings gerne einmal Teil der lauten Minderheit, die es sich wünscht. Denkt doch mal jemand an die Linkshänder!
Kamera: Hat jemand Weltklasse gesagt?
Schon immer ein enttäuschender Aspekt bei den teuren Foldables sind die Kameras. Es kommt eine 48 Megapixel Hauptkamera zum Einsatz, welches laut Apple 2-fachen Zoom in „optischer Qualität“ bieten will. Es dürfte sich hier meiner Schätzung nach um dieselbe Einheit wie beim iPhone Air handeln. Die 48-MP-Ultraweitwinkel-Kamera ist immerhin identisch mit dem der iPhone-18-Pro, aber eine Telefoto-Linse fehlt.
Das „Ultra“-iPhone mit dem höchsten Preis macht also Kompromisse bei der Kamera, nicht unüblich für den Formfaktor, aber für Enthusiasten jedenfalls etwas enttäuschend.
Akkulaufzeit, Preis und der Rest

Ähnliches könnte für den Akku gelten, zumindest erfahrungsgemäß bei Foldables. Apple verspricht immerhinbis zu 31 Stunden Videowiedergabe bei Nutzung des Innendisplays und bis zu 44 Stunden am Außendisplay. 24 Stunden soll er halten bei „gemischter Nutzung“. Kapazitäten gibt Apple natürlich keine an, dafür müssen wir auf das „Unboxing“ von JerryRigEverything warten. Mein Z Fold 3 brauchte zwei volle Ladezyklen pro Tag für mich als Poweruser und ich hoffe inständig, dass es beim iPhone Duo besser sein wird.
Und der Preis? Stolze 2.299 Euro für das Basis-Modell stimmt mich sogar einigermaßen versöhnlich. Foldables waren immer schon teuer – unabhängig von Hersteller-Rabatten und Anbieter-Subventionen – und Apple wird den Wettbewerb ganz sicher nicht beim Preis führen.
iPhone 18 Pro und Pro Max

Das „One more thing“ hat allerdings diesmal definitiv die neuen, „normalen“ Flaggschiffe in den Schatten gestellt. Das iPhone 18 Pro und Pro Max kommen im Grunde nur mit den erwarteten, iterativen Updates daher: Ein neuer Chip und eine neue Hauptkamera.
Was mich allerdings als Foto-Fan durchaus reizt, ist die variable Blende am neuen 48 Megapixel-Hauptobjektiv. Damit können Nutzer die physische Blende stufenlos zwischen f/1.48 und f/4.0 einstellen. Mir gefällt der Schritt nicht nur aufgrund der neuen Möglichkeiten, damit Belichtung und Bokeh präziser zu steuern. Es ist hoffentlich neben dem Shutter-Button auch ein Schritt hin zu mehr manueller Kontrolle bei der Handykamera. Was mich heute etwas zu sehr stört bei Handykameras, ist, dass sie im Prinzip selbst in unmöglichen Situationen dank smartem HDR und ganz viel Processing meistens hell ausgeleuchtete, brauchbare Fotos erzeugen. Beispielsweise, wenn jemand im Schatten vor einem sonnig ausgeleuchteten Fenster, aber ein Galaxy S26 Ultra dennoch sowohl Innenraum als auch den Himmel doch irgendwie perfekt ablichtet.
Und beim Prozessor gibt es ebenfalls ein Upgrade, diesmal auf den A20 Pro samt Vapor Chamber-Kühlung. Bei der Akkulaufzeit verspricht Apple bis zu 36 Stunden Videowiedergabe beim 18 Pro und bis zu 45 Stunden beim Pro Max, allerdings nur bei den eSIM-only-Varianten, die offenbar mehr Platz haben für einen etwas größeren Akku. Genaue Kapazitäten gibt der Konzern nicht an.
Das iPhone 18 Pro und Pro Max gibt es nun wieder in matt-schwarz, Silber, Glacier und Burgundy, was einst auch eine wundervolle Farbe war des Surface Laptop. Mir persönlich würde das die Farbwahl durchaus schwer machen.
Preisfrage

In Deutschland startet das iPhone 18 Pro bei 1.449 Euro, der Pro Max bei 1.599 Euro, womit es jeweils 150 Euro über dem Vorgänger liegt. Die Kollegen vom idealo Magazin haben auf Basis der Preisverläufe der letzten beiden Generationen errechnet, wie schnell die Geräte im Preis fallen werden. Relevant für all jene, die abwarten und etwas sparen möchten.
Im ersten Monat nach Release ist mit kaum mehr als zwei, drei Prozent Rabatt zu rechnen. Nach rund zwei Monaten dürfte sich das beim 18 Pro schon auf gut 127 Euro und beim Pro Max auf etwa 143 Euro Ersparnis summieren. Wirklich interessant wird’s laut dieser Prognose nach etwa fünf Monaten, wenn beide Modelle rund 14 Prozent unter dem Startpreis liegen könnten – beim 18 Pro wären das knapp 1.240 Euro, beim Pro Max rund 1.370 Euro. Das größte Sparpotenzial läge demnach beim Pro nach etwa elf Monaten (rund 18 Prozent), beim Pro Max schon nach neun Monaten (etwa 19 Prozent). Wer’s eilig hat, zahlt halt drauf, wie eigentlich immer bei neuer Apple-Hardware.
Keine KI für Europa
Ein letzter Punkt, der besonders uns hier in Europa betreffen dürfte: Ausgerechnet die zwei am meisten beworbenen Software-Neuerungen, die neue Siri AI und das kamerabasierte Authentizitäts-Feature Apple Reference Image, starten laut Apples eigenen Fußnoten in der EU zunächst gar nicht. Bei Siri AI nennt Apple explizit ungelöste Fragen rund um Privatsphäre und Sicherheit als Grund, während bei Reference Image zumindest die Aufnahme-Funktion zum Start blockiert ist.
via idealo Magazin

