Fan-Smartphone Cerulean Moment stagniert schon bei 1 Prozent und das verdient

21

Das US-amerikanische Softwareunternehmen WhartonBrooks hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Windows Phone-Gerät für die verbliebenen Fans herzustellen. Man hat dafür ein altes Referenzmodell in ein schickes Gehäuse samt Metallrahmen und Glasrückseite gepackt und verkauft es für 300 US-Dollar.

Um das Projekt finanzieren zu können, muss allerdings eine Crowdfunding-Kampagne her und nach etwas mehr als drei Tagen zeichnet sich zumindest auch Sicht der Macher ein ernüchterndes Bild ab. 47 Personen haben das Projekt bislang unterstützt und dadurch konnten bereits 13.185 US-Dollar gesammelt werden. Damit ist man noch sehr weit weg von den angepeilten 1,1 Millionen Dollar, die gesammelt werden sollen.

Weshalb ist das Cerulean Moment kein Erfolg?

Der Hersteller macht bei seiner Strategie praktisch alles richtig und vermarktet es als Smartphone für die Fans. Genau das braucht es in diesen Zeiten. In absoluten Zahlen ist der Windows Phone-Markt nicht unbedingt klein und wo derart weg Auswahl herrscht, wie derzeit mit Windows 10 Mobile, der hat ein relativ leichtes Spiel. Relativ.

WhartonBrooks macht allerdings den Fehler zu glauben, die Fans würden blind ein Gerät kaufen, das sie bereits mehrmals dankend abgelehnt haben. Wer nicht aus den Fehlern der anderen lernen kann und nichts Besser macht, der ist wohl zum Scheitern verdammt. Das Cerulean Moment ist exakt dasselbe Gerät wie das NuAns NEO und schon das ist kläglich gescheitert. Und das nicht ohne Grund! Das Cerulean Moment ist ein altes Referenzmodell, das bei irgendeinem chinesischen ODM eingekauft wurde, das man mit einem neuen Gehäuse versehen hat und nun den dummen Fans für den Preis eines Lumia 830 oder aktueller einem OnePlus X oder Huawei P10 Lite andrehen möchte.

Das Geld nicht wert

Das Cerulean Mobile besitzt ältere Spezifikationen, kein schönes FullHD-Display und eine nicht einmal mittelmäßige Kamera. Letztere produziert nicht nur schwache Ergebnisse, sondern hat Probleme mit der Stabilität, mit dem Fokus und mit bewegten Motiven. Selbst ein Lumia 650 kann mit der Kamera-Qualität mithalten.

Ein Huawei P10 Lite oder Motorola Moto X Style, das sind aktuelle Smartphones für unter 300 Euro. Sie sind hochwertig verarbeitet, funktionieren meist zuverlässig und sind auch schnell. Da dürfen auch die Windows 10 Mobile-Fans die Messlatte anlegen. Selbst im Vergleich zum Lumia 830 hat das neue Windows 10 Mobile-Gerät nur einen Snapdragon 617 aus dem Jahr 2015 und Continuum-Unterstützung, dafür jedoch keine Update-Garantie und keine brauchbare Kamera. Ebenfalls aus dem Jahr 2015 stammt übrigens das Lumia 950 und 950 XL, das zum Preis von etwa 300 Euro ebenfalls noch käuflich erworben werden kann. Und für den Preis sind es zweifellos großartige Geräte.

Das Lumia 950 ist nicht Schuld am OEM-Versagen

Immer wieder wird eingeworfen, dass sich die Windows Phone-Fans an Microsoft-Hardware aus dem Jahr 2015 klammern, nur, weil darauf das Microsoft-Logo prangt. Man sei nicht offen für Neues und würde so ambitionierten Herstellern den Eintritt in den Markt erschweren.

Dabei hatte bislang kaum ein Hersteller, der es mit Windows 10 Mobile versucht hat, auch aktuelle Hardware zu bieten. Die Referenzmodelle, welche man in ein Gehäuse mit neuem Logo packte, sind sogar älter als das Microsoft Lumia 950. Verkauft wurden die Geräte allerdings zu Preisen abseits von Gut und Böse, genau, wie das Cerulean Moment auch. 300 Euro für ein Smartphone, das mir als Nutzer im Alltag weniger Komfort, Stabilität und Zuverlässigkeit bietet als ein Lumia 650? So viel ist selbst mir als eingefleischten Windows Phone-Fan die Plattform nicht wert.

Wo man allerdings tatsächlich beginnen kann, nachzudenken, das ist bei den Geräten von HP oder Alcatel. Das Elite x3 ist zwar im Alltag wesentlich schwächer als ein Lumia 950 XL, aber besser verarbeitet und bietet einen neueren Prozessor. Günstig ist es zwar nicht, aber für unter 500 Euro kann man als Fan durchaus mal die Brieftasche öffnen. Dasselbe gilt für das Alcatel Idol 4 Pro. Auch dieses Gerät dürfte kaum mit dem Lumia 950 mithalten können, aber es ist hochwertiger verarbeitet, bietet neuere Hardware und sofern es mit Updates versorgt wird, wäre es eine gute Alternative. Selbst wenn der Fan dafür 200 Euro mehr als für ein Lumia 950 drauflegen muss, den Aufpreis zahlt man dann gerne. Das ist der Unterschied zwischen einem Hersteller, wie HP, der es wirklich versucht und einem wie WhartonBrooks, Acer, NuAns oder Coship, der uns veraltete und schlechte Hardware für viel zu viel Geld verkaufen will und sobald dieses nicht mehr reicht, einfach keine Updates mehr ausliefert.

0 0 votes
Article Rating

Über den Autor

Subscribe
Benachrichtige mich zu:
21 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
View all comments