Britischer Gemeinderat überrascht vom Windows 7 Support-Ende

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In einem aktuellen Zeitungsbericht der SomersetLive-Lokalnachrichten heißt es momentan, dass „eine Entscheidung von Microsoft“ den Gemeinderat von Bath und North East Somerset rund 1,5 Millionen Pfund kosten werde.

Auch so optimistisch kann man das kommende Support-Ende von Windows 7 nach über 10 Jahren sehen. Die Regierungsinstitution setzt seit Jahren auf Software aus dem Hause Microsoft und verwendet das klassische Lizenzierungsmodell, wo man eine Software für die Dauer ihres Supports erwirbt. Beim Kauf der Software war bereits bekannt, wann genau Windows 7 keine Updates mehr erhalten wird. Davon zeigen sich die Verantwortlichen nun allerdings sehr überrascht. Erzürnt ist man aber besonders aufgrund der Upgrade-Kosten auf Windows 10, welche etwa 1,5 Millionen Pfund bzw. umgerechnet etwa 1,76 Millionen Euro betragen würden.

„Microsoft-Monopol lässt keine Alternativen zu“

Die Lokalregierung setzt dabei auf Windows 7, Office 2010 sowie Windows Server 2008, die allesamt mit Januar 2020 keinen weiteren Support erhalten werden. Entsprechend will man dort das Upgrade auf Windows 10 sowie Office 2016 durchführen, was angesichts der Menge an benötigten Lizenzen natürlich nicht günstig wird.

Wie die Verantwortlichen der Presse mitteilten, sei Microsoft auch nicht bereit, den Preis für die Lizenzen jener Software zu verhandeln, ohne die das Rathaus nicht funktionieren könne. Die jährlichen Preise für die Lizenzen würden dabei vom Konzern von 214.000 auf 450.000 Pfund erhöht. Office 2016 wird nur noch bis 2025 unterstützt, genauso wie auch Office 2019 übrigens. Danach wird sich die Lokalregierung etwas einfallen lassen müssen.

Laut den Aussagen der Verantwortlichen gegenüber der Presse sei ein Abonnement von Microsoft, beispielsweise ein Office 365 Enterprise-Plan, jährlich teurer als das klassische Lizenzmodell. Nachdem allerdings keine Nutzerzahlen und eine Anzahl der verwendeten Geräte genannt wurde, ist diese Aussage nur schwer zu überprüfen. Microsoft hält die klassischen Lizenzpreise nämlich bewusst hoch, um Organisationen zum Umstieg auf die Cloud zu bringen.

Dass man sich im „Microsoft-Monopol“ im Enterprise-Bereich alternativlos fühlt, deutet allerdings lediglich auf den Tunnelblick der IT-Abteilung hin. Mehrere Städte haben in der Vergangenheit ihre Infrastruktur auf Open Source-Software umgestellt. Auf der anderen Seite gibt es im Cloud-Bereich unzählige Anbieter von Produktivitätssoftware, die allerdings oft auch nicht günstiger sind als Office 365. So ist beispielsweise Googles Cloud-Produktivitätslösung, die G-Suite, sogar teurer als Office 365 Enterprise.

7 Jahre junge Hardware muss getauscht werden

Ebenfalls erstaunt haben soll die Lokalregierung die Tatsache, dass etwa 150 Desktops und rund 100 Laptops ihren Zenit bereits überschritten haben, „obwohl“ einige dieser Computer nur sieben Jahre alt seien. Auch die Server-Hardware müsse aufgerüstet werden, um die mittlerweile 10 Jahre neuere Technologie unterstützen zu können.

Dass man Angesichts dieser Tatsachen weiterhin keinen Umstieg auf die Cloud in Betracht zieht, überrascht dann doch. Dass nämlich das Upgrade der Server-Hardware inklusive der Lizenzkosten trotzdem günstiger ist als Microsoft 365, ist schwer zu glauben. Schließlich wirbt der Konzern seine Kunden genau damit, vom On-Premise in die Cloud umzusteigen. Dass man allerdings ein halbes Jahr vor Support-Ende keine ideale Verhandlungsposition mehr hat und deswegen den Weg an die Medien beschreitet, um gegen das „böse Microsoft-Monopol“ zu schimpfen, ist aus meiner Sicht schon fast erbärmlich. Alternativen gibt es, aber diese benötigen natürlich gewissen Weitblick und eine Vorlaufzeit.

Vor drei Jahren hätte man noch mit einem Linux- oder Google-Cloud Umstieg drohen können, immerhin will ja Microsoft den Kunden nicht komplett verlieren. Dann hätte sich vielleicht beim Preis etwas machen lassen. Aber in einem halben Jahr drückt man die IT-Umstellung sowie die Mitarbeiter-Umschulung in einer größeren Organisation kaum durch und das weiß auch Microsoft ganz genau. In die Alternativlosigkeit hat man sich dadurch in Wahrheit selbst katapultiert.


via mspu

Über den Autor

22 Jahre alt, Redakteur bei WindowsArea.de, Windows Insider MVP.

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OliverL
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OliverL

Das Upgrade von Windows 7 auf 10 war eine Zeit lang kostenlos, auch für Firmen. Nur nicht für Dumpfbacken…

spaten
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spaten

Sehr erheiternder Artikel 😅

Sidewinder
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Ich würde hier nicht gegen die IT wettern. Nach 20 Jahren Erfahrung in diversen IT Organisationen kann ich folgendes mit Sicherheit sagen: Die IT Teams (insbesondere Infrastruktur- und Client-Teams) wollen nicht mit derart alter Hardware arbeiten. Ersatzteile sind dann schwer aufzutreiben und Wartungsverträge ausgelaufen und nicht erneuerbar. Dahingegen agieren alle Manager äusserst resistent, wenn es um die Bereitstellung von finanziellen Mitteln für neue Lizenzen oder Hardware geht („Wieso schon wieder ein neuer Server? Der alte läuft doch?“) Ich kann ohne schlechtes Gewissen unterstellen: Die IT hat bereits vor 5 Jahren gewarnt, dass Massnahmen „bald“ nötig werden. Die entsprechenden Mails wurden… Read more »

Armin Osaj
Editor

Da wird Brexit nochmal um 3 weitere Jahre verschoben.

Dada
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Dada

7 Jahre „junge“ Laptops, ach Du meine Güte. Die hätten beizeiten doch bestimmt günstiger upgraden können, verpennt eben…

h3nni
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h3nni

Naja die sind wahrscheinlich brauchbarer als der verklebte Mist, der heutzutage als Laptop verkauft wird.

Dustynation
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Dustynation

Die spinnen die Briten 🤣

Androvoid
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Androvoid

Trotzdem gar keine gute Publicity und Redmond wäre da gut beraten, jetzt nicht auf stur zu schalten, sondern sich mit denen schnell und kulant zu einigen…
… ansonsten hat da gleich Google, die Chance erkennend blitzartig den Fuß in der Tür (vielleicht sogar schon jetzt!) und greift denen bedingt durch den enormen Zeitdruck sofort per aufwändigem Sondereinsatz mit all seinen verfügbaren Ressourcen und natürlich mit berechnend demonstrierter „Selbstlosigkeit“ unter die Arme…
… und erntet dann den sofort weltweit publizierten und so unter den Business-Kunden werbemäßig optimal verwertbaren Beifall…

Androvoid
Mitglied
Androvoid

…Oder ist das Ganze ohnehin ein von vornherein dort gar von Google/Alphabet selbst initiierter und inszenierter Werbecoup…
…sozusagen als einer dieser immer wieder gestarteten Versuchsballons?
Die sind ja schon seit einer ganzen Weile diesbezüglich allerorts verstärkt präsent und haben da schon überall einfallsreich fädenziehend mehr oder weniger verdeckt die Finger im Spiel,
…bevor sie dann einmal wirklich offensiv auch im Business-Bereich erste offene Vorstöße wagen und breit angelegte Angriffe starten werden…

spaten
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spaten

👌🏽😅