Nachgehakt: BLU & Microsoft bewarben BLU Win JR als „upgradefähig auf Windows 10 Mobile“

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BLU Win JR Windows 10 Mobile Update

Nachdem Microsoft die Liste der Geräte, die Windows 10 Mobile erhalten werden, veröffentlicht hatte, war die Enttäuschung der Nutzer groß: Jeder konnte sich im Hinterkopf daran erinnern, an unterschiedlichen (offiziellen) Stellen gelesen zu haben, dass alle Geräte mit Windows Phone 8.1 ein Update auf Windows 10 Mobile erhalten werden. Seit 2014 publiziert der offizielle Lumia-Twitter-Kanal genau das und Dementi hat es nicht gegeben. Dass Geräte mit 512 Megabyte Arbeitsspeicher kein Update erhalten, sei von Anfang an klar gewesen, sagen viele Nutzer.

Das entspricht allerdings nicht den Tatsachen: Das BLU Win JR, das es in den USA mit 512 MB und in Europa mit einem Gigabyte Arbeitsspeicher gibt, hat Microsoft ausdrücklich damit beworben, dass es Windows 10 Mobile erhalten werde. Das stand so auf Microsofts offizieller Store-Seite, in zahlreichen Aussendungen und selbst Mitarbeiter der Microsoft Stores wurden angewiesen, dies bei einem Verkaufsgespräch zu kommunizieren. Tatsächlich steht auf jeder einzelnen Seite des Sales-Guides, dass das BLU Win JR auf Windows 10 Mobile upgradefähig sei.

Vertrauen der Kunden in Gefahr

Wir selbst hatten bis vor Kurzem fest damit gerechnet, dass neben dem BLU Win HD auch der kleine Bruder ein Update auf Windows 10 Mobile erhalten wird und den meisten Käufern dürfte es genauso gegangen sein. Microsoft begeht damit nicht nur einen Vertrauensbruch gegen die Kunden, sondern zumindest in gleichem Maße gegen die Hersteller.

Microsoft übernimmt grundsätzlich die Verantwortung für Updates, denn im Gegensatz zu Android, ist Windows Phone ein geschlossenes System und die Redmonder haben es in der Hand, ob sie ein Gerät unterstützen oder nicht. Darauf lässt unter anderem die generelle Bekanntgabe der unterstützten Geräte durch Microsoft und nicht die Hardware-Partner schließen. Problematisch wird es dann, wenn man Versprechen nicht einhält, denn den Schaden bekommt letzten Endes der Hersteller zu spüren und nicht Microsoft. Wer sich erneut ein Windows Phone kauft und nicht möchte, dass dieses schon nach kurzer Zeit keine Updates erhält, der dürfte sich in aller Regel für ein Microsoft-Gerät entscheiden.

Verhalten wider die eigene Strategie

Neue Hersteller ins Boot zu holen, dürfte noch schwieriger werden, wenn diese nicht bestimmen können, ob ein Update ausgeliefert wird oder nicht. Gleichzeitig sind es aber die Hardware-Partner, die für die verfehlte Kommunikation von Microsoft vor dem Endkunden strammstehen müssen.

Wir sehen in dieser Situation einen Widerspruch: Die Strategie der Redmonder zielt laut eigenen Angaben darauf ab, neue Hersteller anzuwerben und diese langfristig als Partner zu halten, sich selbst dafür langsam aus dem Geschäft zurückzuziehen und mit nur wenigen (Kern-)Geräten präsent zu sein. Wenn Microsoft-Phones jedoch fast ausnahmslos die einzigen Geräte sind, die ein Update erhalten, wird kein anderer Hersteller Erfolg haben oder sich diesen versprechen. Denn Endkunden werden sich künftig die Frage stellen: Wer würde ein Upgrade-Versprechen von BLU jetzt noch ernst nehmen?

Klagen drohen

Was in den USA als eine Beschwerde eines Konsumenten anfängt und Aufmerksamkeit der Medien auf sich zieht, endet oftmals in einem Gerichtsprozess. Konkret geht es um den Vorwurf des „false advertising“, wonach Werbung nach dem US-Gesetz „wahr, nicht irreführend und, falls erforderlich, durch wissenschaftliche Beweise gestützt sein“ muss. Um einer solchen Klage zu entgehen, hat Microsoft beispielsweise allen Office 365-Kunden eine Rückerstattung angeboten, sollten sie basierend auf das Versprechen des unbegrenzten OneDrive-Speichers ein Abo abgeschlossen haben. Zahlreiche Nutzer haben eigenen Angaben zufolge bei der US-amerikanischen Handelskommission eine Beschwerde gegen Microsoft eingereicht und über eine Klage wird offen nachgedacht.

Unschöne Tricks

Anstatt ein ordentliches Statement zu veröffentlichen, auf die Vorwürfe zu reagieren oder zu erklären, weshalb kein Update für das Gerät ausgeliefert wird, haben sowohl BLU als auch Microsoft jedgliche Hinweise auf ein Windows 10 Mobile-Update von ihren Internetpräsenzen gelöscht. Auf unsere Anfrage via Twitter an BLU und den Microsoft Store wird vermutlich auch nicht reagiert.

Die offizielle Produktseite wurde aktualisiert und die Upgrade-Garantie gelöscht und BLU hat den Verkaufsguide auf der offiziellen Webseite aktualisiert. Jedoch vergisst das Internet bekanntlich nie und so hat BLU zwar das Dokument ersetzt, die alte PDF-Datei wird allerdings immer noch auf dem Server des Unternehmens bereitgestellt. Aufgrund der Ungewissheit, wie lange das so bleibt, haben wir uns ein Backup der Datei gesichert. Die Update-Garantie von Microsofts Store-Seite ist im Arhive-Cache zu finden. Möglicherweise dürften Kunden und Konsumentenschützer auch hierzulande an diesen Dateien interessiert sein.

Wieso uns das interessiert

Dieser Artikel verfolgt nicht die Intention, dem Ansehen der Redmonder wider besseres Wissen zu schaden oder ein bereits angesprochenes Thema wiederzuverwerten. Ziel ist das Offenlegen eines wichtigen Problems. Es ist höchst unerfreulich, wie Microsoft in diesem Zusammenhang mit seinen Kunden umgeht. Die Gebaren erwecken den Eindruck, man habe kein wahres Interesse daran, die eigenen Kunden zu halten, denn reden möchte man mit diesen offenbar nicht.

Microsofts Kommunikation war in letzter Zeit unterirdisch und besonders deutlich wurde dies im Rahmen der der Auslieferung des Windows 10 Mobile-Updates. Man hat die Hoffnungen der Nutzer geweckt, das Versprechen für Marketing missbraucht und es am Ende nicht eingehalten. Im Zuge des Insider-Programms hätte es zahlreiche Möglichkeiten gegeben, Nutzer der Lumias 920 oder 1020 darauf hinzuweisen, dass es schwierig wird, sie mit einem Upgrade zu versorgen – und es hätten sicher nachvollziehbare Gründe angeführt werden können. Das Verständnis wäre definitiv größer gewesen, als es vorliegend der Fall ist. Die Nutzer wurden schlicht vor vollendete Tatsachen gestellt. Wir selbst haben jenes Versprechen sehr ernst genommen, das Microsoft und BLU so unmissverständlich kommuniziert haben. Dass es nun gelöscht wurde, enttäuscht gleichermaßen betroffene Kunden und uns als Windows-Fans.

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