Innovation: Apple läuft Microsoft hinterher

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Apple sieht sich gerne als Innovationsträger der gesamten Technologiebranche. Apple macht vor, die anderen kopieren. Doch das ist längst nicht mehr so.

Wir erinnern uns alle daran, dass es vor wenigen Jahren noch hieß, Apple sei innovativ und Microsoft würde nur kopieren. Sehr lange Zeit hat das auch gestimmt. Viele Features, die das Windows-Betriebssystem hatte, guckte man sich von Mac OS X ab.

Heute können die Ansätze unterschiedlicher nicht sein. Microsoft verfolgt seit Windows 8 den Ansatz, unterschiedliche Gerätekategorien mit einem System zu bedienen, ob es nun mit Touchscreen, Stift oder ganz klassisch mit Tastatur und Maus bedient wird. Mit Windows 10 ist man einige Schritte weitergegangen und hat auch technisch die darunterliegenden Systeme angeglichen. Windows 10 ermöglicht Geräte mit ganz unterschiedlichen Formfaktoren, angefangen bei Tablets, über klassische Notebooks, 360-Grad-Notebooks, All-in-Ones mit Touch-Displays, Detachables, 2-in-1s, Hybriden aller Art. Selbst Fernseher, Tische und Spiegel gibt es bereits mit Windows 10. Xbox One, HoloLens, Smartwatches und Surface Hub nutzen ebenfalls den Kern von Windows 10. Unterdessen verkauft Apple weiterhin Laptops und Standrechner.

Die Universal Windows Plattform

Eine wichtige Grundlage dafür, dass Windows 10 auf all diesen Geräten lauffähig ist, ist der OneCore. Es ist der Kern von Windows 10, welcher über sämtliche Plattformen hinweg gleich ist. Er enthält auch die Schnittstellen für die Universal Apps. Diese Anwendungen laufen auf allen Versionen von Windows 10, ob nun auf Xbox One, den PCs aller Art, Smartphones, Smartwatches oder HoloLens. Entwickler haben so die Möglichkeit, eine Anwendung für Millionen von Windows 10-Geräten bereitzustellen über ein zentrales Hub, nämlich den Windows Store.

Die Universal Windows Plattform ist für WindowsArea.de-Leser bereits ein alter Hut. Schon unter Windows 8.1 hat Microsoft diesen Ansatz der universellen Apps verfolgt, welche über alle Windows-Geräte hinweg laufen. Mit Windows 10 hat sich die Umsetzung nur deutlich erweitert. Seitdem hat man die Universal Windows Plattform stetig weiterentwickelt, neue Schnittstellen hinzugefügt, praktische Werkzeuge für Entwickler geschaffen und das Benutzererlebnis verbessert.

Apple kopiert Microsofts UWP-Ansatz

Laut einem aktuellen Bericht von Bloomberg wird Apple im Jahr 2018 den Ansatz von Microsoft kopieren. Das Unternehmen will eine universelle Plattform schaffen, sodass Entwickler ihre iPhone- und iPad-Apps auch auf macOS bringen können. Bislang sind diese Plattformen nämlich völlig unterschiedlich, denn Apple verfolgt weiterhin den Ansatz, dass man Smartphone-, Tablet- und Desktop-System klar trennen muss.

Das hatte allerdings zur Folge, dass Entwickler immer weniger Interesse daran hatten, ihre Apps auf jenes System mit der geringsten Nutzerzahl zu bringen, das ganz klar der Mac ist. Der Mac AppStore ist- auch, wenn sich Apple-Fans das nicht eingestehen wollen – im Vergleich zum AppStore am iPhone ein trostloser Ort. Es gibt eine gute Auswahl an qualitativ hochwertigen Apps, jedoch meiden Entwickler immer mehr den Mac AppStore als Mittel zur Distribution ihrer Anwendungen. Während täglich irgendwo eine iPhone-App aus dem Boden sprießt, kommen eher weniger Top-Apps in den Mac AppStore.

Apple sieht offenbar Potenzial darin, eine universelle Plattform für Apps zu schaffen, um macOS wiederzubeleben. Man bietet den vielen iPhone-Entwicklern eine Möglichkeit, ihre Anwendungen auch für macOS bereitzustellen. Es ist derselbe Ansatz, den auch Microsoft seit Jahren verfolgt, löst im Falle von Apple allerdings das umgekehrte Problem.

Muss sich Microsoft fürchten?

Apple wird damit Microsofts UWP-Ansatz zweifellos kopieren, wobei sich das in den Keynote-Folien von Apple natürlich nicht so anhören wird. Es wird die Rede sein von Innovation, von Mut, möglicherweise sogar von Disruption. Microsoft darf sich in jedem Fall bestätigt fühlen.

Microsoft ist maßgeblich daran beteiligt, dass Apple nicht die Ideen ausgehen.

Ein weiteres Beispiel gefällig? Apple-Chef Tim Cook hatte im Jahr 2012 über Surface gelacht, prophezeihte der Gerätereihe eine erfolglose Zukunft und erklärte, dass so etwas niemand brauche. Zwei Jahre später hat Surface den Markt derart geschockt, dass Tablet-Verkäufe eine Talfahrt hinlegten und das Detachable, eine Produktkategorie, die Microsoft mit Surface erschaffen hatte, erlebte einen Höhenflug. Apple musste reagieren und präsentierte mit dem iPad Pro ein Detachable. Im selben Atemzug erklärte man den PC für tot. Das iPad Pro könne ihn ersetzen und man vernachlässigte weiter den Mac. Das ging sogar so weit, dass Apple direkt infolge der Surface Studio-Präsentation per Memo an die eigenen Mitarbeiter versicherte, dass man den Computer weiterhin ernst nimmt.

Aber nochmals zurück zur vorherigen Frage, ob sich denn Microsoft vor Apples universeller Windows macOS Plattform fürchten muss. Während Apple der Welt präsentiert, wie es durch Innovation gelungen ist, einige Schnittstellen in paar Monaten von iOS auf macOS portiert zu haben, darf man bei Microsoft stolz sein und sich den Abend lang selbst auf die Schulter klopfen. Man hat dem innovativsten Technologiekonzern dieser Erde den Weg gewiesen. Schon wieder.

Der Weg zum OneWindows ist lange nicht zu Ende

Am nächsten Morgen sollte man sich bei Microsoft allerdings schleunigst wieder an die Arbeit machen, damit die beiden Unternehmen in drei Jahren nicht wieder auf Augenhöhe sind. Microsoft ist längst über diesen Punkt hinaus, wo man die Schnittstellen zweier Plattformen miteinander verknüpft. Das stand bei Microsoft bereits vor 5 Jahren am Programm.

Nun geht es darum, diese eine Windows 10-Plattform, die man nun hat, vollständig auf alle Gerätekategorien zu bringen. Es geht darum, ein modulares Windows 10-Betriebssystem zu schaffen, welches auf jedem Gerät funktionieren kann, das technisch möglich ist. Windows 10 soll weiterhin den Laptop, das Tablet und den PC betrieben, aber eben auch das faltbare Tablet-Smartphone, den Laptop mit Smartphone-Prozessor, den Thermostat, den Spiegel und den Wohnzimmertisch betreiben. Microsofts letzte Schritte in diese Richtung werden momentan gemacht. CShell wird das Interface der verschiedenen Plattformen vereinen und Windows Core OS dafür sorgen, dass sämtliche Systemkomponenten universell und modular sind.

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